Vuvuzelas sind zu laut fürs Wacken

Wacken Open Air 2010 FlyerAuf dem Wacken Open Air ist es laut. Sehr laut. Aus gutem Grund heißen die Schlagwörter des Festivals „Faster, Harder, Louder“. Vor einigen Jahren sprach ich während Reportagerecherchen mit einer Wackener Feuerwehrfrau, die erst vor kurzem in das Dorf im hohen Norden gezogen war. Ja, sie habe von der Existenz des Metal-Festivals gewusst. Ja, sie wusste, dass es laut werden kann. „Aber ich hatte keine Ahnung, wie laut es tatsächlich werden kann“, sagte sie.

Wenn der Wind in die entsprechende Richtung bläst, komme mit dem Festival auch die Schlaflosigkeit. Und wenn er in die andere Richtung weht, dann haben die Bewohner des fünf Kilometer entfernten Nachbardorfes auch etwas vom größten Metal-Treffen der Welt.

Die Feuerwehrfrau hatte die Lautstärke lediglich als Feststellung angeführt, nicht als Beschwerde. Es ist schließlich Festival-Zeit, das gehöre nunmal dazu.

Doch es gibt Grenzen, auch für die Veranstalter. Und diese Grenzen sind in diesem Jahr erreicht: „Vuvuzelas sind auf dem W:O:A 2010 verboten“, meldeten die Macher des Wacken Open Air.

Messungen hätten ergeben, dass die durchschnittliche Lautstärke dieses „Instrumentes“, das uns mit dem nervigen Getröte die Fußball-WM versaut, bei 135 Dezibel liegt. Ein startender Düsenjet ist da leiser. Und die Musik beim Wacken (vermutlich) auch. Die Konsequenz:

Um zu vermeiden, dass die Livedarbietungen der einzelnen Bands in einem Chor nervigem Getrötes untergehen, wird die Security euch am Eingang zum Festivalgelände auf diese Gegenstände kontrollieren. Falls sich jemand nicht daran hält, muss damit gerechnet werden, dass dieses „Instrument“ weggenommen und einbehalten wird.

Das Verbot gilt auf dem gesamten Festival-Areal, also sowohl vor dem Bühnen-Bereich als auch auf dem Camping-Gelände.

Ursprünglich wollte ich schon vor einiger Zeit hier einen Beitrag zum Vuvuzela-Problem schreiben. Das nervige, monotone und permanente Summen während der Fußball-Spiele fand ich schon beim Confed-Cup unerträglich. Lange zögerte ich, handelt es sich doch dabei um eine Kultur im Gastgeberland der WM. Es käme ja auch niemand auf die Idee, Fan-Gesänge zu verbieten. Oder den Schweizern ihre Kuh-Glocken wegzunehmen.

Aber unterm Strich bleibt: Auch eine Kultur oder eine Tradition kann Blödsinn sein. Vor allem, wenn sie so eingesetzt wird, wie in dieser Analyse des Vuvuzela-Einsatzes zu sehen:

Vuvuzela-Analyse via Graph Jam Builder

via Graph Jam Builder

Nun, die Grafik (via GraphJam) ist natürlich ein Scherz. Aber sie zeigt, wie nervtötend diese Tröten sind und welche Auswirkungen sie auf die Zuschauer haben. Es ist daher nachvollziehbar, dass in manchen Bundesliga-Vereinen, wie zum Beispiel beim BVB, über ein Vuvuzela-Verbot nachgedacht wird. Ebenso ist es nachvollziehbar und gut, dass das Wacken Open Air auf die Krach-Bremse tritt.

Schließlich fahre ich zum Wacken, um Krach zu hören. Und der soll nicht von anderem Krach übertönt werden.

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