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Accept – Stalingrad

Accept - Stalingrad

Accept - Stalingrad

Mit „Blood of the nations“ hatten Accept 2010 ein Feuerwerk gezündet, das in dieser Form niemand so recht erwartet hatte. Ein grandioses Album – und nun geht’s wohl auf gleichem Level weiter, wenn am 6. April 2012 das 13. Studioalbum von Accept und das zweite mit Mark Tornillo am Mikro erscheint.

Zumindest wird bei Amtlich unterm Dach des „Spiegel“ eine eindeutige Kaufempfehlung ausgesprochen. Übrigens: Wer den 20 Punkte umfassenden Katalog rund um Accept schön verinnerlicht, wird nicht nur Erfolge bei Annäherungsversuchen zu weiblichen Fans der ersten Acceptstunde verbuchen können, sondern auch Kumpels mit erstaunlichem Fachwissen verblüffen:

11. Die Lyrics von Accept sind schon fast traditionell meist pathetisch bis peinlich. Vor allem bei politisch-historischen Themen.

12. Die Lyrics von Accept sind nicht so pathetisch und peinlich wie die von Günter Grass. Vor allem bei politisch-historischen Themen.

Mit Stalingrad landet somit eine weitere Scheibe auf die schon jetzt recht lange Einkaufsliste.

(Quelle)

 

 

Elvis und JFK – die Retter des Altenheims

Dieser Beitrag ist am 22.04.2007 bei Westropolis erschienen. Das Kultur-Blog ist mittlerweile offline.

Bubba Ho-Tep (Special Edition, 2 DVDs)

Im Prinzip haben wir’s alle gewusst: Elvis lebt! Neu ist hingegen das Wo und Wie – in einem heruntergekommenen Altenheim irgendwo in Texas, als Krüppel ans Bett gefesselt, bedroht von einer seelenfressenden Mumie. Das ist der Ausgangspunkt in „Bubba Ho-Tep“ – und der Beginn einer wunderbar schrägen Geschichte, die sich nur schwerlich in eines der gängigen Genres pressen lässt.

Es gibt Filme, an die man ohne jegliche Erwartungen und nur mit ausgeschaltetem Logik-Bewusstsein herangehen sollte. Unter diesen Voraussetzungen entfaltet auch Bubba Ho-Tep von Don Coscarelli seine optimale Wirkung. Dann fällt es nicht schwer, die Geschichte von Elvis (herausragend gespielt von Bruce Campbell) zu glauben. Und die seines Zimmernachbarn – kein geringerer als John F. Kennedy (Ossie Davis). Der hat das Attentat zwar überlebt, wurde aber anschließend vom Geheimdienst „umlackiert“ und als Schwarzer ins Altenheim abgeschoben („Da sieht du mal, wie clever die sind“).

Es ist ein jämmerliches Leben, dass die alternden Stars führen. Wer glaubt schon einem Schwarzen, dass er früher einmal Präsident, sogar der Präsident war? Und der King wird in der Altenheim-Kartei lediglich als der Elvis-Doppelgänger Sebastian Haff geführt. Dass er vor vielen Jahren sein Leben bewusst mit dem des Doppelgängers getauscht hatte, weil er des Ruhmes, Geldes und all der Frauen überdrüssig war – wohl ein offensichtliches Hirngespinst eines debilen Alten.

Das Publikum hingegen sieht einstige Helden am trostlosen Ende ihres Weges. Fast schon philosophisch sind die Momentaufnahmen aus Sicht des bettlägerigen Elvis, der das Leben an sich vorüberziehen sieht. Er selbst wird vom Leben kaum wahrgenommen, weder vom ruppigen Heim-Personal noch von den wenigen Besuchern. Er liegt im Bett, mit einer kaputten Hüfte und einem Krebsgeschwür am besten Stück. Er wartet auf den Tod, während er darüber nachdenkt, wann er wohl das letzte Mal einen ordentlichen Ständer hatte.

Der Tod ist tatsächlich nicht weit – nicht nur in der für alte Menschen realen, sondern auch in der fantastischen Form: Eine rentnerseelenfressende altägyptische Mumie treibt ihr Unwesen im Altenheim. Rentner können sich schließlich nicht wehren, niemandem fällt ihr Ableben auf. Vielleicht wäre der Mumien-Spuk tatsächlich niemanden aufgefallen – wenn nicht auch tote Pharaonen sich ihres Verdauten entledigen müssten. Und sie dabei aus purer Langeweile merkwürdige Hieroglyphen auf die Klo-Wände schmieren.

Um es kurz zu machen: Elvis und JFK erkennen die Gefahr, gewinnen so ihre Lebensenergie zurück und werfen dabei mit Zitaten aus der Welt- und Filmgeschichte nur so um sich: „Frage nicht, was dein Altenheim für dich tun kann, sondern was du für dein Altenheim tun kannst!“ Zwei Rentner machen mit Gehhilfe und Rollstuhl Jagd auf ein Monster – einfach wunderbar.

Bubba Ho-Tep“, eine kanadische Low-Budget-Produktion, ist bereits im Jahr 2004 erschienen: Eine Horrorkomödie, gewürzt mit einer Prise Western, einem Schuss Melancholie und etwas Philosophie, garniert mit jeder Menge schwarzem Humor. Dass im gesamten Film kein einziger Song von Elvis gespielt wird, hat wohl finanzielle Gründe – die Rechte hätten den schmalen Etat gesprengt. Doch dieses Manko wirkt sich erstaunlich positiv aus: der Soundtrack fügt sich hervorragend in die fotografierte Grundstimmung ein.

Das Werk von Don Coscarelli flimmerte in Deutschland nur auf wenigen Kino-Leinwänden und war lange Zeit nur als Import erhältlich. Dass „Bubba Ho-Tep“ dabei unter dem Genre „Horror“ geführt wurde (und teils immer noch wird), ist ein Fehler. Denn so werden wohl die meisten potenziellen Zuschauer nicht auf dem Film aufmerksam – und verpassen nicht nur die großartige Schauspiel-Leistung von Bruce Campbell (Tanz der Teufel, Armee der Finsternis). Zwar ist ein bisschen Grusel durchaus enthalten, der Schwerpunkt liegt aber in abstruser Komödie.

Die deutsche Version ist seit einiger Zeit im Verleih, im Mai kommt der Film als Special-Edition-DVD-Kaufversion in die Läden – und sei hiermit wärmstens zur Aufnahme in die heimische Kollektion empfohlen.

Nebenbei: Momentan laufen die Vorbereitung für eine Fortsetzung (bzw. Prequel). In “Bubba Nosferatu and the Curse of the She-Vampires” (Arbeitstitel) wird die Vorgeschichte von „Bubba Ho-Tep“ erzählt – ebenfalls mit Bruce Campbell als Elvis. Dass er sich dabei mit weiblichen Vampiren herumschlagen muss … das klingt schon ziemlich vielversprechend.

Flight 666

Iron Maiden, Flight 666, DVD-Cover

Iron Maiden, Flight 666, DVD-Cover

Vor fast einem Jahr wurde ein Musik-Dokumentarfilm uraufgeführt, der die Messlatte für dieses Genre erheblich nach oben geschraubt hat: Flight 666 von, mit und über Iron Maiden. Auch wenn der große Hype um die Doku schon vor Monaten abgeflaut ist, taucht Flight 666 (beziehungsweise der Soundtrack dazu) derzeit mit hübscher Regelmäßigkeit in den Charts vorbei. Gerüchte über eine bald – zumindest noch in diesem Jahr – erscheinende Studioplatte von Maiden könnten der Grund dafür sein. Vielleicht auch die Ankündigung, dass Iron Maiden wieder beim Wacken Open Air spielen werden.

Jedenfalls Anlass genug, an dieser Stelle (erneut) eine heiße Empfehlung auszusprechen – auch an alle, die nicht viel mit der Musik von Iron Maiden anzufangen wissen. Flight 666 dokumentiert eine der bisher größten und imposantesten Welt-Tourneen in der Musik-Geschichte,  könnte aber gleichzeitig ein Lehrfilm aus der Logistik-Branche sein. Im Mittelpunkt des Films steht die Ed Force One, eine umgebaute Boeing 757. Fassungsvermögen: Die gesamte Crew und 12 Tonnen Bühnen-Material. Ohne dieses Flugzeug wäre die Tour nicht zu stemmen gewesen.

Nun könnte man einwerfen, dass von Konzert zu Konzert fliegende Künstler keine Seltenheit sind. Stimmt. Aber nur in den seltensten Fällen wird diese Masse an Equipment mehrfach um den Erdball transportiert. Und noch seltener sitzt der Sänger im Pilotensitz. Die Szenenwechsel, die Bruce zunächst auf der Bühne und kurz darauf im Piloten-Anzug vor dem Steuerknüppel zeigen, sind auch nach der x-ten Wiederholung faszinierend.

Bruce: Flight 666 aproaching.

Tower: Ah. The number of the beast.

Bruce: You got it.

An Detailreichtum ist der Film nicht zu überbieten, was in erster Linie Sam Dunn zu verdanken ist. Der Regisseur hat bereits mit A Headbanger’s Journey eine Dokumentation über das Metal-Genre gedreht, die für alle Musik-Kritiker zur Pflichtlektüre ernannt werden müsste. Vor allem für jene Journalisten, die über Konzerte oder Festivals berichten wollen oder müssen, aber keinen blassen Schimmer von dieser Musikart haben. Mit der Maiden-Doku spielt er in einer ähnlichen Liga – und somit weitaus höherklassig als die meisten anderen Filme dieser Art.

(Videolink)

Ein paar Längen hat Flight 666 durchaus. So wirkt die Hysterie vor den Hotels und Konzertorten irgendwann ermüdend. Gebrüllt und gekreischt wird halt überall auf der Welt gleich. Schwächen, die allerdings vernachlässigt werden können. Denn Flight 666 besticht mit beeindruckenden Bildern und Momentaufnahmen, mit tiefen Einblicke in die Seele einer Band.