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Altherrenmusik

Die große Plattenfirma hat zum Fest geladen. Man guckt Leute, trinkt Bier und unterhält sich über dies und das. Nach dem vierten oder fünften Bier kommt die jüngst von der Plattenfirma verpflichtete Band ins Gespräch. Ich kenne die Gruppe, sie spielt vorzüglichen Thrash-Metal. Und Thrash sagt mir ja grundsätzlich sehr zu.

Ich: „Glückwunsch dafür. Klasse Band.“

Plattenfirma: „Danke. War ein Zufall, dass wir die entdeckt haben. Ist auch gar nicht die Richtung, in die wir sonst gucken.“

Ich: „Aber Thrash kommt doch wieder. Sagen alle.“

Plattenfirma: „Ja, sagen alle. Stimmt aber nicht. Jedenfalls sagen die Verkaufszahlen etwas anderes.“

Ich: „Hm. In jüngster Zeit sind viele gute Platten veröffentlicht worden. Erfolgreiche Platten. Und dann guck dir mal den Hype um die Big-Four-Konzerte an.“

Plattenfirma: „Achwas Hype. Thrash ist heute eher eine Art Altherrenmusik …“

Ist das Kunst oder kann das weg?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Frage ich mich auch recht oft.

In der Lokalredaktion eine Etage weiter unten hängt ein ziemlich großes Poster. Der Inhalt ist nur ein Satz, resp. eine Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ steht da in weißen Lettern auf grünem Hintergrund.

Sehr schön. Und sehr beruhigend, dass offenbar auch andere Menschen derartige Gedankengänge haben. Das Kunstwerk kann man mittlerweile in vielen Formen erwerben. Ob als Poster bei Gobaeng, als Frühstücksbrettchen bei Dinamo oder als Sticker bei Amazon.

Warum mir dieses Poster so gefallen hat, bedarf keiner ausführlichen Erklärung: Weil ich ein Kunstbanause bin. Manchmal.

Dabei bin ich dem Schönen, dem Kreativen, dem Ausdrucksstarken keineswegs abgeneigt. Man hat mich sogar schon in Museen gesehen. Sogar in einigen für Moderne Kunst. Dennoch bleibe ich manchmal fassungslos vor … Objekten stehen und frage mich: Was ist das? Was soll das? Und: Warum? Und letztlich, natürlich: Ist das Kunst?

Genau, was ist Kunst eigentlich? Mein Brockhaus, Handbuch des Wissens, von 1922 schreibt:

Kunst (von Können), im allgemeinen die durch Übung zu entwickelnde und befördernde Fertigkeit, der eine besondere Befähigung zugrunde liegt. Im engern Sinne die schönen Künste, die nach ihren Ausdrucksformen in bildende (…), tönende (…) oder redende (…) und darstellende (…) geschieden werden können.

Ah, Kunst kommt tatsächlich von Können. Es muss also etwas dahinterstecken. Sozusagen ein Talent. Andererseits wird Talent überbewertet, wie in Wikipedia nachzulesen:

Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.

Da eine klare Definition nicht existiert, kann Kunst alles sein. Und Kunst darf alles. Man muss nur sagen, dass es Kunst ist.  So wie hier:

Kunstwerk Baustahl, lackiert, auf der Landesgartenschau 2010, Hemer

Diese Stahlstange mit abstehenden Spross steht auf der Landesgartenschau 2010 in Hemer. Der erste Gedanke war, ich geb’s ganz ehrlich zu: „Die Bauarbeiter haben vergessen, was wegzuräumen.“ Weit gefehlt.  In gebührendem Abstand zur Installation steht ein Schild mit erklärenden Worten.

Kunst-Erklärungsschild auf der Landesgartenschau Hemer 2010Es handelt sich um ein Werk der Künstlerin Janina Tripp mit dem Titel „Attention please!“ Eine Google-Schnellrecherche führt zu derwesten.de und bietet dort ergänzende Informationen:

Ihre Mitschülerin Janina Tripp (Anmerkung: der Kunst-AG des Woest-Gymnasiums Hemer) entwarf drei Metallkonstruktionen – zum Beispiel in Y-Form -, die die Form eines Baumes widerspiegeln. In einer heimischen Schlosserei fand Janina Unterstützung, um ihr Projekt realisieren zu können. Beide Schülerarbeiten sowie der Beitrag ihres Kunstlehrers Jan Wille (Figurationen, die an menschliche Körper erinnern, auf einer 1 Meter mal 2 Meter großen Cor-ten-Stahlplatte) werden in der LGS entlang des Zick-Zack-Weges zu sehen sein.

Nun habe ich ein Problem. Die Metallkonstruktion ist keineswegs das Werk einer erwachsenen Künstlerin, sondern das einer Schülerin. Das moralische Aspekt schlägt unvermittelt und mit Wucht zu. Darf ich das in den Kontext „Ist das Kunst oder kann das weg“ setzen? Mich somit darüber lustig machen?

Nein, darf ich nicht. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen der Arbeit eines Schülers und der eines Künstlers, der zu Empfängen in Ateliers einlädt und Preisschilder an seine Werke hängt, die auch an Kleinwagen stehen könnten. Die Kreativität von jungen Menschen muss gefördert werden, zumal in diesem Fall augenscheinlich eine gewisse Energie in die Umsetzung investiert worden ist. Die Schülerin musste sich eine Werkstatt suchen, in der ihr Werkzeug und vielleicht auch Material zur Verfügung gestellt wurde. Vielleicht hat sie dort erst den Umgang mit den Werkzeugen erlernen müssen, vielleicht waren es die ersten Experimente mit diesem Material. Unterm Strich zählt also die Annäherung an die Kunst und an das Kreative mehr als das Ergebnis.

Mir liegt es fern, die Arbeit eines jungen Menschen zu diskreditieren. Was aber arg verstörend ist: Hätte man mir erzählt, diese Installation sei von einem großen, etablierten Künstler, ich hätte es sofort geglaubt. Man hat in diesem Zusammenhang ja schon einiges gesehen. Die Seite hinter diesem Link hat übrigens keinen Darstellungsfehler. Es ist tatsächlich die Abbildung eines Kunstwerkes und kann hier überprüft werden.

Letztlich ist genau das der Unterschied. Die Arbeit eines Heranwachsenden kann ich ernst nehmen, aber nicht jede Arbeit eines erwachsenen, von sich selbst überzeugten Künstlers.

In diesen Fällen bin ich gerne und aus Überzeugung Kunstbanause. Und deshalb werde ich mir das Poster bestellen.

Musik-Experiment – sieben Wochen ohne

To-Do-Platten

To-Do-Platten

Das Musik-Experiment neigt sich dem Ende. In meiner Gruppe war ich die Nummer 7 und somit der Abschluss. Hoch ist’s hergegangen in den vergangenen sieben Wochen, Freud und Pein lagen nah beieinander. Und es war nicht immer alles kuschelig, vor allem nicht während der Elektro-Woche. Immerhin haben wir es geschafft, das Ganze ohne Körperverletzungen hinter uns zu bringen.

Trotzdem: Es hat eine Menge Spaß gemacht, an diesem Experiment teilzunehmen. Es hat, um es auf den Punkt zu bringen, das eigene musikalische Spektrum erweitert. Das gilt selbst für den Elektro-Bereich. Tiefschwarz, zum Beispiel, hat mir sehr gut gefallen. Obwohl es ganz und gar nicht die Musik ist, die ich sonst üblicherweise höre – wie man anhand meiner Playlist gut erkennen kann:

  1. Spoonman – Soundgarden / Superunknown
  2. Remedy – The Black Crowes / The Southern Harmony And Musical Companion
  3. It’s a long way to the top (if you wanna rock n roll) – AC/DC / High Voltage
  4. Cry Baby – Janis Joplin / Pearl
  5. The four horsemen – Metallica / Kill‘ em all
  6. I’m on fire – Heather Nova / Wonderlust
  7. Soul Man – Bluesbrothers / Briefcase full of blues
  8. The truth – Clawfinger / Deaf dumb blind
  9. Fucking hostile – Pantera / Walk
  10. Mother – Danzig / Danzig
  11. Hurt – Johnny Cash – The legend of
  12. Black No. 1 (Little Miss scare all) – Type O Negative / Bloody Kisses
  13. Money for nothing – Dire Straits / Money for nothing
  14. Roxanne – The Police
  15. Erase – Gorefest / Erase
  16. Slave to the grind – Skid Row / Slave to the grind
  17. Supersonic speed – Die Happy / Supersonic speed
  18. Sex on fire – Kings of leon / Only by the night
  19. Resurrection – Sodom / Better off dead
  20. Honky tonk woman – Rolling Stones – Get yer ya-ya’s out
  21. Fortunate son – Creedance Clearwater Revival / Willy and the poor boys
  22. Wild and wonderful – The Almighty / Powertrippin Bonus Live Disc
  23. Jailbreak – Thin Lizzy / Still dangerous
  24. Summertime Blues – Rush / Feedback
  25. Paranoid – Black Sabbath / Paranoid
  26. Roots bloody roots – Sepultura / Roots
  27. Script for a jester’s tear – Marillion / Script for a jester’s tear
  28. Say Hallelujah – Tracy Chapman / Let it rain
  29. Come Clarity – In Flames / Come Clarity
  30. Shine on you crazy diamonds – Pink Floyd / Prism
  31. Jailhouse Rock – Elvis Presley
  32. Propaganda – Engel / Absolute Design
  33. Great balls of fire – Jerry Lee Lewis
  34. Tribute – Tenacious D / Tribute
  35. Fell in love with a boy – Joss Stone / The soul sessions
  36. Foxy Lady – Jimy Hendrix – Experience Hendrix
  37. The song remains the same – Led Zeppelin / Houses of the holy
  38. Sober – Tool / Undertow
  39. Moonshadow – Cat Stevens / Teaser and the firecat
  40. Old town – The Corrs / Home
  41. Suddenly I see – KT Tunstall / Eye to the telescope
  42. The Bard’s song – Blind Guardian / Live 2003
  43. Symphony of destruction – Megadeth / Countdown to extinction
  44. Ironic – Alanis Morissette / Jagged little pill
  45. Sunday bloody sunday – U2 / War
  46. Black in black – Shakira / Live & Off the record
  47. South of heaven – Slayer / South of heaven
  48. When Love comes to town – Herbie Hancock (Feat Joss Stone And Jonny Lang) / Possibilities
  49. Fear of the dark – Iron Maiden / A real live one
  50. O Zorbas – Mikis Theodorakis / Zorba, the Greek

Da ich der letzte in der Gruppe war, konnte ich das Experiment mit meiner Musik abschließen. Zur Erinnerung: Im wöchentlichen Wechsel durfte nur die CD des Teilnehmers gehört werden, der gerade an der Reihe war. Alle Teilnehmer hörten also gleichzeitig die gleiche Musik. Wenn man selbst an der Reihe war, durfte man folglich nur seine eigene CD hören.

Dennoch bin ich froh, endlich wieder das hören zu können, was ich möchte. Beziehungsweise das Neue, das sich in den vergangenen sieben Wochen angesammelt hat. Und das ist nicht wenig. Der CD-Stapel oben im Bild zeigt nur einen Teil.

Es gibt viel zu tun …