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Das unterschätzte Potenzial von Spam

Mal wieder einen Blick in den Spam-Ordner geworfen. Müsste ich viel öfter tun, damit mir nicht fantastische Angebote durch die Lappen gehen.

Wahnsinnig günstige Kreditangebote werden da offeriert, ebenso günstige wie neuartige Medikamente gegen Krankheiten, die ich nicht habe, und verlockende Beteiligungen an Investment-Fonds mit traumhaften Rendite-Aussichten.

Zumindest die Investments sind in greifbarer Nähe, da mir die „Loteria Nacional“ die freudige Nachricht übermittelte, dass „Ihre E-Mail hat gewonnen €915.810, 00“.

Wunderbare Neuigkeiten, die gleich die Laune heben. Vom Gewinn bleibt auch so viel übrig, dass ich gleich mehrere dieser schönen und hochwertigen Uhren bestellen kann, die mir ein international tätiger Konzern aus Fernost feilbietet.

Schade nur, dass ich diese wichtigen Nachrichten verrmutlich viel zu spät gelesen habe, weil die Spam-Kontrolle vernachlässigt wurde. In diesem Zuge auch eine aufrichtige Entschuldigung an „Michael Seith“. Mehrfach hat er auf meine Anfrage (an die ich mich dummerweise leider nicht mehr erinnern kann) geantwortet. Ich kann mir auch nicht erklären, warum diese Nachrichten im Spam-Ordner gelandet sind. Er hat doch extra geschrieben: „Bitte lesen Sie fertig. das ist kein SPAM.“ Muss mal mit meinem Spamfilter-Betreiber darüber sprechen. Vielleicht hat der ja auch noch eine Kopie von den ganzen Mails. Denn dummerweise hab‘ ich unbedacht auf „Alle Spam-Nachrichten jetzt löschen“ geklickt. Noch bevor ich zuende lesen konnte. Dabei war’s doch gar kein Spam.

So ein Ärger.

Als Hochzeitsbitter unterwegs

Schon mal etwas von der Tradition des Hochzeitsbittens gehört? Unter anderem im Münsterland ist es recht verbreitet, zur Hochzeit die Gäste von den Hochzeitsbittern persönlich einzuladen. Fein angezogen, mit einem festgelegten Spruch auf Plattdeutsch – und auf dem Fahrrad. Nun, ich kannte die Tradition nicht … und sagte dennoch zu, als ich von einem befreundeten Ehepaar in spe gefragt wurde, ob ich diese Aufgabe übernehmen wolle. Ich wusste zwar, dass es bei jeder Station einen Schnaps geben würde, den die Hochzeitsbitter der Tradition folgend angeboten bekommen (und trinken müssen). Doch was tatsächlich auf mich zukommen würde, nein, das wusste ich nicht.

Ein Erfahrungsbericht, am Tag danach.

Klaus und ich sollten für unsere Freunde die Gäste zur Hochzeit bitten. Das wird natürlich nicht so eben nebenbei erledigt. Es wird zelebriert. Schon am Vormittag kamen etliche Freunde zum Haus des Paares, um dort unsere Fortbewegungsmittel vorzubereiten. Die Fahrräder werden mit Krepppapier bunt geschmückt, dazu gibt’s natürlich ein Bierchen. Oder auch zwei. Klaus und ich legten derweil unsere Hochzeitsbitter-Kleidung an – Klaus einen Anzug (mit Fliege), ich einen Frack, der von einem Freund zur Verfügung gestellt wurde.

Und wir trugen Hüte. Die Hüte sind wichtig. Sie werden auf jeder Station von den Eingeladenen geschmückt. Zwei Tage zuvor wurde die Route ausgetüftelt, insgesamt 12 Stationen sollten es sein. Alle Eingeladenen waren vom Brautpaar über den ungefähren Zeitpunkt unseres Erscheinens informiert worden, damit wir nicht vor verschlossenen Türen stehen.

Hört sich alles einfach an, oder? Ist es aber nicht. Um das Ausmaß dieses Projektes deutlich zu machen, gibt’s hier die Liste mit den Getränken, die wir an den einzelnen Stationen trinken mussten:

  1. Gin (plus halbes Brötchen, mit Salami belegt)
  2. Jägermeister
  3. Aquavit (plus eine Frikadelle, mit Senf)
  4. Doornkaat
  5. Dortmunder Tropfen (plus ein Stück Kuchen)
  6. Jägermeister (plus 0,33-Flasche Krombacher)
  7. Irgendetwas grünes mit Wodka drin, recht lecker
  8. Jägermeister (plus ein Bockwürstchen)
  9. Tequila (plus 0,33-Glas Bier, vermutlich DAB)
  10. Affenkotze (grünes Zeug mit Wodka, drei bis vier Pintchen, plus 0,5-Dose Krombacher)
  11. (weiß ich beim besten Willen nicht mehr)

Das reicht aus, einen ausgewachsenen Rausch herbeizuzaubern. Ein Vorteil ist natürlich das Radfahren von Station zu Station und damit die frische Luft zwischen den Getränken. Dennoch lässt meine Erinnerung ab Nummer 8 etwas nach.

Unser plattdeutscher Spruch, den wir im Duett aufsagten und zum Glück in Lautschrift aufgeschrieben bekamen, ging von Station zu Station leichter von den Lippen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kam sogar intensive Körpersprache hinzu.

Die erste Hälfte der Tour wurde übrigens von einem Kamera-Team dokumentiert – Freunde des Brautpaars fuhren im Auto neben uns her und hielten das Einladen, das Spruch-Aufsagen und auch das Erfrischen fest. Das Video habe ich noch nicht gesehen – und bin mir auch gar nicht sicher, ob ich es wirklich sehen will.

Denn schon bei Station 8 verlor Klaus ein wenig Selbstbeherrschung. Er bestellte nach.

Bei Station 11 artete die Situation aus. Mehr als eine halbe Stunde (vielleicht auch eine ganze) verbrachten wir dort und mussten gleich mehrfach Pintchen leeren. Eine Momentaufnahme ist im folgendem Bild zu sehen.

Als Hochzeitsbitter unterwegs am 12.03.2011

Wir sehen gut, oder? Noch. Denn die schwerste Prüfung stand noch bevor. Die letzte Station, Nummer 12, war eine Kneipe. Dort hatte sich ein ganzer Trupp versammelt und wartete auf unsere Ankunft. Wir mussten dort weitere Gäste einladen, rund sechs Stunden nach dem Start unserer Tour. Und, natürlich, von jedem einen Schnaps bekommen. Wenn ich den Abend richtig rekonstruiere, setzte sich das Finale wie folgt zusammen:

  • Ouzo
  • Roter
  • Ouzo
  • Wodka

Klaus und ich sind auch auf der Hochzeit eingeladen. Wir mussten uns also zum guten Schluss selbst bitten. Wir verzichteten aber auf ein Getränk. Glaube ich.

Der Rest des Abends ist uninteressant. Wer etwas zu den Geschehnissen beizutragen hat, kann die Kommentarfunktion hier oder auf Facebook nutzen.

Besuch in Eddies Bar, Portugal

Hinweis: Dieser Artikel war ursprünglich am 3. Oktober 2008 auf „Hart gerockt“ in der derwesten.de-community erschienen. Hier sind ein paar Bilder hinzugefügt worden.

Eddies Bar, Santa Barbara des nexe, Portugal

Eddies Bar, Theke.

Vor etwa zwei Jahren hatte Ingo das erste Mal von der Kneipe erzählt. Keine besonders große Kneipe, aber eine außergewöhnliche: Eddies Bar, die vermutlich einzige offizielle Iron-Maiden-Kneipe weltweit, noch dazu in Besitz von Bassist Steve Harris. Ein spontaner Besuch, so sehr er mich auch reizte, war leider nicht ohne weiteres möglich. Eddies Bar ist rund 3000 Kilometer entfernt, in Portgual, Santa Barabara de nexe. Deshalb nahmen wir umgehend Urlaubspläne in Angriff. Der nächste Sommerurlaub, ja, er sollte nach Portugal führen.

Dummerweise erzählte ich etwas später von relativ günstigen Ferienmöglichkeiten in Griechenland und plötzlich spielte Portugal keine Rolle mehr. Die Reisegruppe hatte mich überstimmt. Zwar wurde die Möglichkeit erwogen, während des Griechenland-Urlaubs ein Wochenend-Trip in die Algarve zu unternehmen. Es gebe ja Billigflieger, so teuer könne das nicht werden. Ich wurde den Eindruck nicht los, dass ich mit dieser Aussicht lediglich ruhig gestellt werden sollte. Natürlich haben wir keinen Abstecher nach Portugal gemacht.

Der Urlaub 2006 in Griechenland war letztendlich auch schön. Aber Eddies Bar war noch nicht gestorben. In diesem Spätsommer sollte es passieren. Die mittlerweile kräftig gewachsene Reisegruppe buchte den Portugalurlaub und acht Leute landeten Mitte September in der Nähe von Albufera.

Eddies Bar, Santa Barbara des nexe, Portugal, Memorabilia

Memorabilia - Eddies Bar in Santa Barbara de nexe, Portugal, 2008

Nein, es ging nicht direkt in Eddies Bar. Das Ferienhaus war etwa 40 Kilometer von Santa Barbara de nexe entfernt, und es dauerte noch eine ganze Woche, bis der Höhepunkt des Urlaubs kommen sollte. Die Zeit vertrieben wir uns mit viel Pool, Strand und noch mehr Super Bock und Sagres. Ingo und Mareike, die Eddies Bar schon kannten, bereiteten uns auf den Abend vor. „Kein Eddies-Evil-Brew trinken“, mahnte Mareike. Und wer mal austreten müsse: „Frauen zu den Maidens, Männer zu den Beasts.“ Und ja nicht die Tropfkerze anfassen! Wieso Tropfkerze? Ach, egal. Lieber noch einen Bacardi zur Einstimmung.

Unsere vier Mädels, die mit Maiden eher weniger Berührungspunkte haben, hatten sich inzwischen zu beachtenswerten Metal-Chicks verwandelt. Das heißt: Jede trug ein Metal-T-Shirt. Weil das natürlich nicht reicht, gab’s ein bisschen Nachhilfe: Geli, die Ingos King-Diamond-Shirt bekommen hatte, musste fast die komplette Discographie des Hochtonmeisters auswendig lernen. „Wenn dich jemand fragt, welches dein Lieblingsalbum von King Diamond ist, sagst du The Eye“, bestimmte Ingo. Inge und Klaus, die mit Metal nur wenig am Hut haben, übten die währenddessen die Pommesgabel. Ok. Es konnte losgehen.

Gegen halb neun Abends erreichten wir Santa Barbara de nexe, ein kleines Dorf umgeben von … nichts. Die Zufahrtsstraßen sind eng, und ein Tourist würde sich wohl kaum in diese Gegend verirren.

Es sei denn, er ist Iron-Maiden-Fan und gerade auf Pilgerfahrt.

Eddies Bar, Santa Barbara des nexe, Portugal

Eddies Bar - Iron Maiden und nur Iron Maiden. Manchmal auch ein bisschen Motörhead.

Rund ein halbes Dutzend vorwiegend schwarz gekleideter Menschen standen vor der Kneipentür. Zu übersehen ist sie nicht und neben dem Kirchturm die vermutlich einzige Sehenswürdigkeit von Santa Barbara de nexe: Wie ein sakraler Torbogen strahlt sie in die wenig befahrene Straße, mit großen roten Maiden-Lettern überschrieben: Eddies Bar.

Sie war geschlossen.

An einem Samstagabend, um diese Uhrzeit? Oh nein, sollte es auch dieses Mal nicht klappen? Eine Katastrophe! Nein, ganz ruhig, erst einen Blick auf die ausgehängten Öffnungszeiten werfen:

„Samstags von ? bis 4 Uhr“.

Gut. Sie würde noch noch aufmachen. Bis irgendwann der Wirt vorgefahren kam, der augenscheinlich nach Gutdünken öffnet, hatten wir uns bereits mit den anderen Metallern angefreundet. Metal-T-Shirts sind schließlich ein prima Kommunikationsstarter. Geli musste zwar nicht ihre King-Diamond-Lieblingslieder aufsagen, aber ein Spanier sah mein Wacken-Shirt und erzählte mir aufgeregt von seinen Erlebnissen. Das machte er mangels Englischkenntnisse auf Spanisch und es interessierte ihn nicht die Bohne, dass ich kein Wort verstand. Lediglich Francesco, ebenfalls aus Spanien, konnte mit seinem rudimentären Englisch ein wenig übersetzen. Als mir der aufgedrehte Spanier von seiner Wacken-Tour 2004 berichtete, öffnete sich die Tür zu Eddies Bar.

Ingo und Mareike hatten nicht zu viel versprochen.

Vielleicht etwas mehr als 100 Quadratmeter ist die Kneipe groß und randvoll mit allen erdenklichen Maiden-Memorabilias. Der Eddie-Sarkophag von Seventh son of the seveth son, Eddie als Puppe, Eddie als Wandschmuck, Eddie auf Postern. Eddie überall. Iron Maiden überall. Über der Bar hängen diverse Goldene Schallplatten, signierte Fotos – die gesamte Geschichte der größten Metal-Band der Welt komprimiert in einer Kneipe. In der Mitte eine riesige Tropfkerze, als Andenken an den verstorbenen Manager von Iron Maiden. Ein wunderbarer Ort. Um alle Details zu entdecken, reicht ein Abend bei weitem nicht aus.

Der schönste Tag meines Lebens

Eddies Bar, Santa Barbara des nexe, Portugal

Wandmalerei vor Eddies Bar.

Zumal ich schon nach kürzester Zeit das dritte Bier in die Hand gedrückt bekam. Unsere Metal-Chicks hatten einen Tisch in Beschlag genommen und ritzten ihre Namen in das Holz. Und sie amüsierten sich über meine Reaktionen. Offenbar hatte ich an dem Abend viel gegrinst. „Na, ist wohl der schönste Tag deines Lebens, wie?“ Ich sagte nichts, trank weiter und guckte mir die vollgepappten Wände an. Unnötig zu erwähnen, dass die ganze Zeit Maiden aus den Boxen röhrte, was die ohnehin aufgepeitschte Stimmung weiter in die Höhe trieb. Nur ein Mal wurde nicht Maiden gespielt. Sondern Motörhead.Von mir aus könnte jeder Kneipenabend so laufen.

Kurze Zeit später waren wir ziemlich angetrunken. Ob es an der hohen Schlagzahl lag oder ob der Eddie-Wirt das Bier mit Schnaps gestreckt hatte – wir werden es nicht mehr herauskriegen. Mitterlweile hatte sich die Kneipe gefüllt, die Anzahl der Gäste blieb dennoch überschaubar. Offenbar verbringen die Einheimischen ihre Samstagabende lieber wo anders. Das war uns egal, außerdem hatten wir uns bereits mit den anderen Touristen angefreundet. Mit unweigerlich steigendem Alkohollevel sank die Hemmung, sodass wir es überhaupt nicht peinlich fanden, so für ein Foto zu posieren:

Eddies Bar, Santa Barbara des nexe, Portugal - Posen

Posing nach dem Genuss von Eddies Evil Brew.

Ein Metal-getränkter Abend mit dem Geruch von Iron Maiden überall. Steve Harris schaute leider nicht vorbei, obwohl er zu der Zeit wohl in seiner Burg (!) ganz in der Nähe weilte. Auch nicht schlimm. Ich diskutierte lebhaft mit dem Spanier und es war uns völlig egal, dass keiner von uns wusste, was der andere gerade erzählt. Das wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, um endlich ein Eddies-Evil-Brew zu trinken. Leider war es ausverkauft, erst in der folgenden Woche würde der Weinhändler Nachschub bringen. Äh? Weinhändler? Ja, klärte mich der Wirt auf. Eddies-Evil-Brew ist ein Wein. Wohl ein ganz besonderer, denn den bisherigen Erzählungen zur Folge schießt er den Konsumenten unverzüglich ins Nirvana.

Eddies Bar, Santa Barbara des nexe, PortugalWir wichen auf Rum und Cola aus, den uns draußen vor der Tür Francesco und seine Freundin Maria anboten. Sie hatten sich aus Spanien mit einem Van auf den Weg gemacht und dieser Van war gleichzeitig ihre Unterkunft und ihr Kühlschrank. Die Party hatte sich vor die Kneipe verlagert, aus Eddies Bar röhrte der Maiden-Sound. Die Adressen mit den neuen Freunden waren auch schon ausgetauscht. Nächstes Jahr geht’s nach Spanien. Francesco kennt dort einige gute Metal-Kneipen…

Oder wir treffen uns noch einmal in Eddies Bar. Die Reise ist es wert und sei jedem ans Herz gelegt, der mit Iron Maiden was anfangen kann.

Eddies Bar
Rua de Loule 59
Santa Barbara de nexe
Faro 8000
Algarve
Portugal
00351 289992282

Nachtrag 17.01.2011: Steve Harris hatte die Bar Ende September 2009 geschlossen. Zu dem Zeitpunkt schien es laut Blabbermouth eine endgültige Schließung zu sein. Nun, so ganz endgültig sollte es wohl doch nicht sein. Harris gab bekannt, dass die Eddies Bar im Mai 2010 wieder eröffnet, aber von diesem Zeitpunkt an nur während der Sommermonate die Tore öffnen würde (siehe nochmals Blabbermouth).

Übrigens: Bewegtbilder aus Eddies Bar zeigt dieses Video: