Permaschnee

Wetter ist ein prima Beispiel, um das mangelhafte Speichervermögen des menschlichen Hirns zu dokumentieren. Denn früher war das Wetter besser. Immer. Nehmen wir doch nur mal diesen Winter. Er ist schrecklich lang, elendig kalt und der herabfallende Schnee nahezu apokalyptisch. Wann hat man je so einen grausamen Winter erlebt?

Mit Sicherheit schon oft. Allerdings hat das Gehirn die seltsame Eigenschaft, schlechte Erinnerungen einfach auszublenden. Oder, anders herum: Vorwiegend gute, angenehme Erinnerungen werden gespeichert. Deshalb sind wir auch davon überzeugt, dass in unserer Jugend die Sommer besser waren. Mit hohen Temperaturen, massig Sonne und täglichen Freibad-Besuchen. Nur: Die Sommer waren damals genauso gut oder schlecht wie jetzt. An die schlechten erinnern wir uns schlicht nicht mehr. Vielleicht weil die Speicherkapazitäten des menschlichen Hirns schlicht begrenzt sind.

Deshalb lüge ich nicht einmal, wenn ich behaupte: Dieser Winter ist der härteste, den ich je erlebt habe. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass über sechs Wochen durchgehend Schnee lag, dass über so einen langen Zeitraum die Temperaturen im Minusbereich lagen. Und das in Zeiten des Klimawandels. Erstaunlich.

Ein kleines Beispiel: Die Schneefläche auf dem Hof vor dem Haus ist ausgiebig plattgetrampelt und -gefahren worden, dann kam Nachschub, der ebenfalls wieder plattgefahren wurde. Und so weiter. Der Schnee hat mittlerweile eine deartig feste Konsistenz angenommen, dass er wohl nie wieder schmelzen wird. Permaschnee. Eiszeit. The day after tomorrow? Vielleicht doch Klimawandel?

Alles Quatsch. Aber das Wetter drückt auf die Stimmung, und in manch einer depressiven, lichtarmen Minuten kommt schon mal so ein Gedanke. In einem besonders düsteren Moment hatte ich mich dabei erwischt, wie ich mir diese seltsamen Wohlfühl-Lampen anschaute. Obwohl ich sie nicht leiden kann.

Immerhin: Ich werde mich in ein paar Jahren vermutlich nicht mehr an diesen Winter erinnern. Und vielleicht werde ich auch diesen Text vergessen haben. Dann schreibe ich wieder, dass sich gerade der härteste Winter seit langer austobt …

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