Heavy Metal als Religion

Vermutlich meint er es sogar ernst. Bif Byford, Sänger der Band Saxon, will zusammen mit dem britischen Metal-Hammer-Magazin den Heavy Metal als Religion etablieren. Es soll eine Kampagne gestartet werden, die am Ende den Heavy Metal den offiziellen Status einer Religion bescheren soll. Eine entsprechende Facebook-Seite gibt es bereits, sie hat bis jetzt rund 15.000 Fans (darunter bin auch ich – aber, natürlich, nur aus Chronisten-Pflichten …).

Nun könnte man sagen: Warum nicht? Es gibt in dem Bereich so viel Abstruses, Durchgeknalltes und Verwirrtes, da macht eine Religion mehr oder weniger auch nichts aus.  Schließlich wäre auch der Jediismus in Australien fast als Religion anerkannt worden. Dort gab es (laut Wikipedia) bis zum Jahr 2001 ein Gesetz, das die rechtliche Anerkennung einer Religion festlegte, sofern diese mehr als 10.000 Anhänger habe. Pech, dass bei der Volkszählung 2001 rund 25.000 Menschen „Jedi“ als Religion angeben wollten. Die Anerkennung des Jediismus wurde nur deshalb verhindert, weil der Punkt „Religion“ aus dem Formular gestrichen und das Gesetz später geändert wurde. In England ist die Jediismus-Dimension etwas höher. Ebenfalls im Jahr 2001 gaben dort fast  400.000 Menschen „Jedi“ als Religion an. Was die können, können wir auch, müssen sich der kurz vor der Rente stehende Byford und der englische Metal Hammer gedacht haben.

Aber, mal ernsthaft gefragt: In Gottes Namen, warum?

Was für einen Grund könnte es geben, Heavy Metal als Religion anzusehen? Der Metal ist seit mehr als 40 Jahren eine der weltweit größten kulturellen Bewegungen; der Metal vereint die Menschen; einmal Metal, immer Metal; Metal-Festivals sind für Fans sowas wie Weihnachten – ja, alles in Ordnung. Aber keine Gründe, um daraus eine Religion zu machen.

Religion ist etwas Abstraktes, Mystisches, in vielen Bereichen höchst Persönliches. Religion geht über das Weltliche hinaus. Nun könnte man dagegenhalten: Eine Religion bestimmt auch in großen Teilen das reale Leben von Menschen auf dieser Welt – und das tue eben auch der Heavy Metal.

Ja, das tut er in der Tat. Aber einzig und allein als Lebensgefühl. Und dieses Lebensgefühl wird zurzeit für einen billigen Werbe-Gag missbraucht.

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