Elvis und JFK – die Retter des Altenheims

Dieser Beitrag ist am 22.04.2007 bei Westropolis erschienen. Das Kultur-Blog ist mittlerweile offline.

Bubba Ho-Tep (Special Edition, 2 DVDs)

Im Prinzip haben wir’s alle gewusst: Elvis lebt! Neu ist hingegen das Wo und Wie – in einem heruntergekommenen Altenheim irgendwo in Texas, als Krüppel ans Bett gefesselt, bedroht von einer seelenfressenden Mumie. Das ist der Ausgangspunkt in „Bubba Ho-Tep“ – und der Beginn einer wunderbar schrägen Geschichte, die sich nur schwerlich in eines der gängigen Genres pressen lässt.

Es gibt Filme, an die man ohne jegliche Erwartungen und nur mit ausgeschaltetem Logik-Bewusstsein herangehen sollte. Unter diesen Voraussetzungen entfaltet auch Bubba Ho-Tep von Don Coscarelli seine optimale Wirkung. Dann fällt es nicht schwer, die Geschichte von Elvis (herausragend gespielt von Bruce Campbell) zu glauben. Und die seines Zimmernachbarn – kein geringerer als John F. Kennedy (Ossie Davis). Der hat das Attentat zwar überlebt, wurde aber anschließend vom Geheimdienst „umlackiert“ und als Schwarzer ins Altenheim abgeschoben („Da sieht du mal, wie clever die sind“).

Es ist ein jämmerliches Leben, dass die alternden Stars führen. Wer glaubt schon einem Schwarzen, dass er früher einmal Präsident, sogar der Präsident war? Und der King wird in der Altenheim-Kartei lediglich als der Elvis-Doppelgänger Sebastian Haff geführt. Dass er vor vielen Jahren sein Leben bewusst mit dem des Doppelgängers getauscht hatte, weil er des Ruhmes, Geldes und all der Frauen überdrüssig war – wohl ein offensichtliches Hirngespinst eines debilen Alten.

Das Publikum hingegen sieht einstige Helden am trostlosen Ende ihres Weges. Fast schon philosophisch sind die Momentaufnahmen aus Sicht des bettlägerigen Elvis, der das Leben an sich vorüberziehen sieht. Er selbst wird vom Leben kaum wahrgenommen, weder vom ruppigen Heim-Personal noch von den wenigen Besuchern. Er liegt im Bett, mit einer kaputten Hüfte und einem Krebsgeschwür am besten Stück. Er wartet auf den Tod, während er darüber nachdenkt, wann er wohl das letzte Mal einen ordentlichen Ständer hatte.

Der Tod ist tatsächlich nicht weit – nicht nur in der für alte Menschen realen, sondern auch in der fantastischen Form: Eine rentnerseelenfressende altägyptische Mumie treibt ihr Unwesen im Altenheim. Rentner können sich schließlich nicht wehren, niemandem fällt ihr Ableben auf. Vielleicht wäre der Mumien-Spuk tatsächlich niemanden aufgefallen – wenn nicht auch tote Pharaonen sich ihres Verdauten entledigen müssten. Und sie dabei aus purer Langeweile merkwürdige Hieroglyphen auf die Klo-Wände schmieren.

Um es kurz zu machen: Elvis und JFK erkennen die Gefahr, gewinnen so ihre Lebensenergie zurück und werfen dabei mit Zitaten aus der Welt- und Filmgeschichte nur so um sich: „Frage nicht, was dein Altenheim für dich tun kann, sondern was du für dein Altenheim tun kannst!“ Zwei Rentner machen mit Gehhilfe und Rollstuhl Jagd auf ein Monster – einfach wunderbar.

Bubba Ho-Tep“, eine kanadische Low-Budget-Produktion, ist bereits im Jahr 2004 erschienen: Eine Horrorkomödie, gewürzt mit einer Prise Western, einem Schuss Melancholie und etwas Philosophie, garniert mit jeder Menge schwarzem Humor. Dass im gesamten Film kein einziger Song von Elvis gespielt wird, hat wohl finanzielle Gründe – die Rechte hätten den schmalen Etat gesprengt. Doch dieses Manko wirkt sich erstaunlich positiv aus: der Soundtrack fügt sich hervorragend in die fotografierte Grundstimmung ein.

Das Werk von Don Coscarelli flimmerte in Deutschland nur auf wenigen Kino-Leinwänden und war lange Zeit nur als Import erhältlich. Dass „Bubba Ho-Tep“ dabei unter dem Genre „Horror“ geführt wurde (und teils immer noch wird), ist ein Fehler. Denn so werden wohl die meisten potenziellen Zuschauer nicht auf dem Film aufmerksam – und verpassen nicht nur die großartige Schauspiel-Leistung von Bruce Campbell (Tanz der Teufel, Armee der Finsternis). Zwar ist ein bisschen Grusel durchaus enthalten, der Schwerpunkt liegt aber in abstruser Komödie.

Die deutsche Version ist seit einiger Zeit im Verleih, im Mai kommt der Film als Special-Edition-DVD-Kaufversion in die Läden – und sei hiermit wärmstens zur Aufnahme in die heimische Kollektion empfohlen.

Nebenbei: Momentan laufen die Vorbereitung für eine Fortsetzung (bzw. Prequel). In “Bubba Nosferatu and the Curse of the She-Vampires” (Arbeitstitel) wird die Vorgeschichte von „Bubba Ho-Tep“ erzählt – ebenfalls mit Bruce Campbell als Elvis. Dass er sich dabei mit weiblichen Vampiren herumschlagen muss … das klingt schon ziemlich vielversprechend.

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