[Der Unfug mit Text-Titeln in eckigen Klammern]

Satzzeichen werden schon seit längerem als vermeintliche Design-Elemente in Texten missbraucht. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Gewerkschaftler schreiben sich selbst „ver.di“. Warum sie das „v“ klein schreiben, wissen sie vermutlich nicht einmal selbst. Erst recht nicht, warum da ein Punkt steht. Mit viel Wohlwollen könnte hineininterpretiert werden, dass der Punkt das Wort „vereinigte“ abkürzt. Dass danach ein Leerzeichen kommen und das folgende „d“ ein Großbuchstabe sein müsste – soweit will ich das Thema an dieser Stelle gar nicht vertiefen. Ohnehin geht es um ein anderes Satzzeichen, das in jüngster Zeit an überraschenden Stellen eingesetzt wird: Die eckige Klammer „[“ und „]“.

Offenbar ist es gerade modern, Titel von Beiträgen in eben diesen eckigen Klammern zu verpacken. Warum? Weshalb? Um was damit zu kennzeichnen? Man weiß es nicht.

Ausgerechnet in einem von mir favorisierten Blog tauchen die eckig umklammerten Beitragstitel inflationär auf. Die Schlagzeile sieht dann zum Beispiel so aus:

[Die Band XY spielte gestern in der Stadt]

Weder vor noch hinter den eckigen Klammern steht etwas. Sie umfassen den gesamten Titel. Ich habe versucht, einen Grund dafür zu finden. Doch augenscheinlich gibt es keinen.

Laut Duden werden Klammern, also „(“ und „)“, dazu benutzt, um Zusätze von übrigen Text abzugrenzen. Eckige Klammern finden in Texten gewöhnlich Verwendung, wenn  innerhalb von Klammern weitere Erläuterungen eingebaut werden. In journalistischen Werken werden eckige Klammern gerne dafür genutzt, um Auslassungen innerhalb von Zitaten zu kennzeichnen:

Der Vorsitzende sagte: „Nach dem Beschluss […] informierten wir die Mitglieder.“

All das trifft auf die eckigen Klammer-Schlagzeilen nicht zu. Ich habe gelernt, mit abenteuerlichen Kreationen im schriftlichen Wort zu leben. Verdi will mit dem Punkt im Wort vermutlich hip und modern aussehen. Dass ein Automobil-Konzern seine Reparaturhalle „Ford Werkstatt“ statt „Ford-Werkstatt“ schreibt, kann ich zwar nicht gutheißen, wohl aber verstehen. Die Marke soll für sich stehen und durch den ausgelassenen Bindestrich besser ins Auge fallen. Das gilt auch für das Hotel, dass sein  „Wilhelmina Hof“ schreibt, und für die Schwimmanstalt mit der Wortkreation „Lippe Bad“.

Schwierig wird’s für mich erst, wenn ich auch bei genauerem Nachschauen keinen Grund für die Abweichung von Rechtschreibregeln und Satzzeichen-Konventionen sehe. Die eckig umklammerten Schlagzeilen sind so ein Fall.

Ähnliches, das vielleicht dazu passt:

3 thoughts on “[Der Unfug mit Text-Titeln in eckigen Klammern]

  1. Susanne

    Mir sind die eckigen Klammern so noch nicht untergekommen, aber es passt ins Bild: Beinahe jedes Satzzeichen wird für irgendwelchen Unsinn benutzt. Nach Deppen-Apostroph und Deppen-Lehrzeichen der Deppen.Punkt und nun die eckigen Klammern. Ich muss mal meine Tastatur durchforsten, welches Zeichen ich noch ins Rennen und die dämlichste Marotte schicken könnte (keine Angst, ich tue es nicht). Ich fürchte, da wird noch viel auf uns zukommen.

  2. Kitty

    Also bei vielen Zeichen scheint es wirklich unverständlich, aber gerade die eckige Klammer finde ich an sich einfach wirklich ästhetisch. Reicht das nicht als Grund?

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