Demians und die Adjektive

Demians - Mute (Cover)Selten, nur ganz selten, hat ein Debütalbum eine derartig große Wirkung auf mich erzielt wie Building an empire von Demians. Hinter dem Namen verbirgt sich keine Gruppe, sondern ein Multitalent aus Frankreich. Nicolas Chapel. Diese Wirkung von Building an empire hallt heute noch nach. Ein Ausnahmealbum eines Ausnahmekünstlers, das in keiner Sammlung fehlten sollte, in der Progressive Rock eine Rolle spielt.

Am 25. Juni 2010 erscheint nun das zweite Studioalbum von Demians alias Nicolas Chapel, erste Hörproben gibt es auf der Myspace-Seite des Künstler zu hören. Diese sind so vielversprechend, dass ich keine Skrupel habe, nennenswerte Teile der Pressemitteilung der Plattenfirma Inside Out hier zu übernehmen.

„Ich wollte sowohl meine Stärken als auch Schwächen reflektieren“, lässt sich Chapel von Inside Out zitieren. Die Platte sollte nicht so „angenehm“ und „nett“ klingen wie die erste”. War das Debütalbum noch der beruhigende Freund, der Dir gut zuredet und Dir sagt, dass alles gut werden wird, so ist der Nachfolger „Mute“ der beste Freund, der Dir in den Hintern tritt, wenn Deine Welt über Dir zusammenbricht. “Mute” bietet eine Bandbreite von knackigem Alternative Rock über orchestrale Passagen bis zu poetischen Klängen und hat dabei stets den Song im Focus – Nicolas musikalische Einflüsse sind dabei ungemein vielfältig und reichen von Tori Amos über Radiohead bis hin zu Ambient Music.

Klingt dennoch ganz nach der konsequenten Fortsetzung des Weges, den Demians mit der ersten Platte begonnen hatte. Vor fast zwei Jahren schrieb ich über Building an empire auf dem Gerockt-Blog im Westen:

Das Multitalent Nicolas Chapel baut mit seinem Album nicht nur Königreiche, sondern ganze Welten auf. Nachdenklich und tief melancholisch macht er sich auf die Reise, ganz für sich allein. Der Zuhörer hat keine Wahl, als sich vom Sog dieser fernen Gefühlswelten mitreißen zu lassen, die Realität auszublenden und in ein Meer von Klängen abzutauchen. Klänge eines Künstlers, der seine überschäumende Kreativität kanalisiert, der Musik ein Eigenleben einhaucht und auf der Bühne vermutlich stets die Augen geschlossen hält.

Building an empire ist eine Debütplatte mit Ausrufezeichen. Spannende Musik, die in neun Stücken eine nachdenkliche, gelegentlich bedrückende Atmospähre schafft, nur um nächsten Moment mit aufkeimender Euphorie Depressionen zu verjagen. Fast könnte man meinen, die dunkle Seite von Pink Floyd hören zu können.

Vermutlich wird Demians im Radio nur selten zu hören sein. Das liegt zum einen an der Komplexität und Vielschichtigkeit der Stücke, die so gar nicht in den standardisierten Mainstream passen. Zum anderen sind die epischen Werke um einiges zu lang. Der Schlusstrack Sand bringt es auf satte 16 Minuten.

Zurück zu „Mute“, das am 25. Juni in den Plattenläden stehen wird. Komponiert und aufgenommen wurde die Platte in der Normandie in einem Haus nahe an der See – erneut komplett im Alleingang mit ausschließlich realen Instrumenten wie Cello, Kontrabass, Violine, Drums, Mellotron, Piano, Gitarre – ohne jegliche Samples. Warum alles alleine? „In einer Band machst Du immer Kompromisse mit den Egos von anderen. Wenn Du ein Buch schreibst, überlässt Du ja auch nicht einem anderen Autoren die Wahl der Verben und dem nächsten die Wahl der Adjektive.”

Noch ein Hinweis für Sammler und Artwork-Liebhaber: „Mute“ wird am 25.Juni 2010 zunächst in einer limitierte Erstpressung in einem matt-schwarzen 6-seitigem Pocket Pac und mit Ausstanzungen verziertem Artwork sowie einem extra großen Booklet erscheinen.

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