Das Ende von Brockhaus

Dieser Beitrag ist am 12.02.2008 bei Westropolis erschienen. Das Kultur-Blog ist mittlerweile offline.

Die große Brockhaus-Enzyklopädie wird es bald nicht mehr geben. Überhaupt nicht? Nun, zumindest nicht mehr in gedruckter Form, sondern nur noch im Netz. Aber langfristig, leider, wohl gar nicht mehr.

Es sei „absolut nicht sicher„, ob es eine 22. Auflage des berühmten Nachschlagewerks geben werde, hat Brockhaus-Vorstand Marion Winkenbach gesagt. Der Schwerpunkt werde mit frei abrufbaren Inhalten ins Netz gelegt, Geld solle mit Werbung verdient werden. Ab April.

Zum gedruckten Brockhaus sei vorhergesagt: Es wird mit Sicherheit keine neue Auflage auf Papier geben. So schön sich die 30 Bände im Bücherschrank auch machen, so anregend, ja vielleicht sogar sinnlich das Blättern in den Nachschlagewerken auch ist – es gibt einfach viel zu wenig Menschen, die bereit sind, fast 3000 Euro für eine Enzyklopädie auszugeben, die aufgrund des endlichen Platzes nicht über alle Themen informieren kann, naturgemäß schnell an Aktualität verliert und zudem nur an einem Ort und recht langsam abrufbar ist.

Was direkt zum Punkt online führt: Brockhaus hätte schon längst reagieren müssen, hat aber die wachsende Macht von Wikipedia schlicht und einfach verpennt. Spätestens das Abrufen von Wikipedia-Inhalten auf dem Handy hat der großen Enzyklopädie den empfindlichsten, vielleicht den fatalen Schlag versetzt. Der jetzige Schritt kommt also einige Jahre zu spät.

Jetzt versucht Brockhaus, die Verfolgung aufzunehmen. Ob der immense Vorsprung trotz der angekündigten Features – unter anderem Videosequenzen und Karten – aufgeholt werden kann? Hm …

Oder, anders gefragt: Angesichts der (schon vorhandenen und weiter wachsenden) Qualität, die Wikipedia liefert, der stetig wachsenden Inhalte und der bemerkenswerten Aktualität – was sollte mich nach brockhaus.de locken?Schade, Brockhaus. Eigentlich hatte ich gehofft, mir irgendwann doch die vollständige, 30-bändige Holzvariante anschaffen zu können. Andererseits … dann hätte ich zwar einen hübschen Staubfänger und vielleicht auch ein Statussymbol – aber keinen sonderlichen Vorteil und viel Geld weniger in der Tasche.

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