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Nie mehr JBK, nie mehr Beckmann. Versprochen.

Dieser Beitrag ist am 21.05.2007 bei Westropolis erschienen. Das Kultur-Blog ist mittlerweile offline.

In memory of my Fernseher

Mein Fernseher ist kaputt gegangen. Einfach so, ohne Vorwarnung. Er schaltete sich während Beckmann aus und gibt seitdem kein Lebenszeichen von sich. Ich deutete es als Protest des Gerätes – gegen die zugegebenermaßen gruseligen TV-Programme, die ich bisweilen einstelle.

Aber den Beckmann hat mein Fernseher schon öfters ertragen müssen. Und gelegentlich sogar den Kerner. In beiden Fällen gab’s selten Aussetzer. Beim Gerät, nicht bei Beckmann und Kerner.

Nun war es aber wohl doch zuviel, es folgte der finale Zusammenbruch. Der Techniker murmelte etwas von „kalten Lötstellen, lohnt sich nicht”. Und ich ganz allein bin Schuld daran. Denn grob fahrlässig ließ ich meinen doch recht jungen Fernseher innerlich erfrieren, nur weil ich diesem dubiosen Treiben unverantwortlicher Moderatoren keinen Einhalt geboten habe.  Beckmann und Kerner machen kalte Lötstellen. Einerseits hätte ich ja einfach umschalten können. Andererseits ist es ein bisschen wie beim Autounfall: Alles ist ganz schrecklich, aber man kann nicht weggucken.

Meine mangelnde Willenskraft muss ich nun teuer mit dem Erwerb eines neuen Fernsehers bezahlen. Und damit das alles nicht nochmal passiert, verspreche ich dem Neuen: Nie, nie wieder Beckmann. Und auch nicht Kerner.

Elvis und JFK – die Retter des Altenheims

Dieser Beitrag ist am 22.04.2007 bei Westropolis erschienen. Das Kultur-Blog ist mittlerweile offline.

Bubba Ho-Tep (Special Edition, 2 DVDs)

Im Prinzip haben wir’s alle gewusst: Elvis lebt! Neu ist hingegen das Wo und Wie – in einem heruntergekommenen Altenheim irgendwo in Texas, als Krüppel ans Bett gefesselt, bedroht von einer seelenfressenden Mumie. Das ist der Ausgangspunkt in „Bubba Ho-Tep“ – und der Beginn einer wunderbar schrägen Geschichte, die sich nur schwerlich in eines der gängigen Genres pressen lässt.

Es gibt Filme, an die man ohne jegliche Erwartungen und nur mit ausgeschaltetem Logik-Bewusstsein herangehen sollte. Unter diesen Voraussetzungen entfaltet auch Bubba Ho-Tep von Don Coscarelli seine optimale Wirkung. Dann fällt es nicht schwer, die Geschichte von Elvis (herausragend gespielt von Bruce Campbell) zu glauben. Und die seines Zimmernachbarn – kein geringerer als John F. Kennedy (Ossie Davis). Der hat das Attentat zwar überlebt, wurde aber anschließend vom Geheimdienst „umlackiert“ und als Schwarzer ins Altenheim abgeschoben („Da sieht du mal, wie clever die sind“).

Es ist ein jämmerliches Leben, dass die alternden Stars führen. Wer glaubt schon einem Schwarzen, dass er früher einmal Präsident, sogar der Präsident war? Und der King wird in der Altenheim-Kartei lediglich als der Elvis-Doppelgänger Sebastian Haff geführt. Dass er vor vielen Jahren sein Leben bewusst mit dem des Doppelgängers getauscht hatte, weil er des Ruhmes, Geldes und all der Frauen überdrüssig war – wohl ein offensichtliches Hirngespinst eines debilen Alten.

Das Publikum hingegen sieht einstige Helden am trostlosen Ende ihres Weges. Fast schon philosophisch sind die Momentaufnahmen aus Sicht des bettlägerigen Elvis, der das Leben an sich vorüberziehen sieht. Er selbst wird vom Leben kaum wahrgenommen, weder vom ruppigen Heim-Personal noch von den wenigen Besuchern. Er liegt im Bett, mit einer kaputten Hüfte und einem Krebsgeschwür am besten Stück. Er wartet auf den Tod, während er darüber nachdenkt, wann er wohl das letzte Mal einen ordentlichen Ständer hatte.

Der Tod ist tatsächlich nicht weit – nicht nur in der für alte Menschen realen, sondern auch in der fantastischen Form: Eine rentnerseelenfressende altägyptische Mumie treibt ihr Unwesen im Altenheim. Rentner können sich schließlich nicht wehren, niemandem fällt ihr Ableben auf. Vielleicht wäre der Mumien-Spuk tatsächlich niemanden aufgefallen – wenn nicht auch tote Pharaonen sich ihres Verdauten entledigen müssten. Und sie dabei aus purer Langeweile merkwürdige Hieroglyphen auf die Klo-Wände schmieren.

Um es kurz zu machen: Elvis und JFK erkennen die Gefahr, gewinnen so ihre Lebensenergie zurück und werfen dabei mit Zitaten aus der Welt- und Filmgeschichte nur so um sich: „Frage nicht, was dein Altenheim für dich tun kann, sondern was du für dein Altenheim tun kannst!“ Zwei Rentner machen mit Gehhilfe und Rollstuhl Jagd auf ein Monster – einfach wunderbar.

Bubba Ho-Tep“, eine kanadische Low-Budget-Produktion, ist bereits im Jahr 2004 erschienen: Eine Horrorkomödie, gewürzt mit einer Prise Western, einem Schuss Melancholie und etwas Philosophie, garniert mit jeder Menge schwarzem Humor. Dass im gesamten Film kein einziger Song von Elvis gespielt wird, hat wohl finanzielle Gründe – die Rechte hätten den schmalen Etat gesprengt. Doch dieses Manko wirkt sich erstaunlich positiv aus: der Soundtrack fügt sich hervorragend in die fotografierte Grundstimmung ein.

Das Werk von Don Coscarelli flimmerte in Deutschland nur auf wenigen Kino-Leinwänden und war lange Zeit nur als Import erhältlich. Dass „Bubba Ho-Tep“ dabei unter dem Genre „Horror“ geführt wurde (und teils immer noch wird), ist ein Fehler. Denn so werden wohl die meisten potenziellen Zuschauer nicht auf dem Film aufmerksam – und verpassen nicht nur die großartige Schauspiel-Leistung von Bruce Campbell (Tanz der Teufel, Armee der Finsternis). Zwar ist ein bisschen Grusel durchaus enthalten, der Schwerpunkt liegt aber in abstruser Komödie.

Die deutsche Version ist seit einiger Zeit im Verleih, im Mai kommt der Film als Special-Edition-DVD-Kaufversion in die Läden – und sei hiermit wärmstens zur Aufnahme in die heimische Kollektion empfohlen.

Nebenbei: Momentan laufen die Vorbereitung für eine Fortsetzung (bzw. Prequel). In “Bubba Nosferatu and the Curse of the She-Vampires” (Arbeitstitel) wird die Vorgeschichte von „Bubba Ho-Tep“ erzählt – ebenfalls mit Bruce Campbell als Elvis. Dass er sich dabei mit weiblichen Vampiren herumschlagen muss … das klingt schon ziemlich vielversprechend.

Walhalla so nah – und dem Tinnitus

Dieser Beitrag ist am 28.03.2007 bei Westropolis erschienen. Das Kultur-Blog ist mittlerweile offline.

Manowar lassen in der Westfalenhalle Dortmund kein Klischee aus

Die Ohrenstöpsel gab’s am Eingang zum Selbstkostenpreis. Es war einer der meistverkauften Artikel in der Westfalenhalle – denn ohne Gehörschutz käme auch niemand auf die Idee, sich neben einen startenden Jumbo-Jet zu stellen. Diese Lautstärke gehört bei einem „Manowar”-Konzert aber zum guten Ton. Die „lauteste Band der Welt” drehte wieder mächtig auf. Mehr als zwei Stunden lang.

Unter Journalisten gibt es Formulierungen, deren Verwendung mit der Fütterung des Phrasenschweins bestraft werden. „Die Halle bebte” gehört dazu. In diesem Fall soll eine Ausnahme gemacht werden: Sie bebte wirklich. Immer wieder mussten die Verkäuferinnen Prospekte aufsammeln, die von den Druckwellen aus den Regalen geschleudert wurden. Ja, es war mächtig laut in der Nacht zum 28. März 2007. Umso erstaunlicher ist es, wie glasklar und präzise der brachiale Sound der vier Metal-Helden aus den Boxentürmen dröhnte. Selbst nach 27 Jahren sind Manowar kein Stückchen leiser geworden, hauen wie eh und je mächtig auf die Kacke und lassen kein Klischee aus.

Sie haben den „true Metal” erfunden (die wirklich wahrste wahre Schwermusik überhaupt), besingen nordischen Mythen, Walhalla, Heldentum und Ehre. Ihre Lederklamotten ziehen sie nicht mal zum Schlafen aus, holen zeigefreudige (natürlich nur weibliche) Fans auf die Bühne und berichten dabei allzu gerne über Praktiken der menschlichen Fortpflanzung.

Hört sich peinlich an? Wäre es tatsächlich, wenn es eine andere Band als Manowar machen würde. Von den selbsternannten Metal-Königen wird genau das erwartet, und genau das haben die rund 7000 Besucher in Dortmund bekommen. Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach herauszufinden, was die Jungs denn nun ernst meinen oder nicht. Die „Metal Kings“ bewegen sich stets auf dem schmalen Grad zwischen Selbstironie und grandioser Selbstüberschätzung. Das gilt im übrigen auch für die Fans: Nehmen sie das nun ernst, was Manowar von sich geben, oder ist es für sie eine große, laute Comedy-Show? Unstrittig ist nur, dass Manowar-Konzerte einen sehr hohen Unterhaltungsfaktor haben.

Als Zugabe zum üblichen True-Metal-Gedöns gab’s in Dortmund eine angedeutete Heirat auf der Bühne; ein Besucher durfte sogar hoch zu den Helden und bei einer Jam-Session mitmachen. Er hatte wohl den Tag seines Lebens – und es diese Nähe zu den Fans, die Manowar ausmacht.

Dabei schien es zunächst, dass die vier Amerikaner, die ihr Alter so geheim wie die US-Regierung die Area 51 halten, ein wenig müde geworden sind. Die ersten Songs kamen recht kraftlos, fast schon langsam. Zum Schluss des mehr als zweistündigen Konzertes versagte sogar zeitweise die Stimme von Sänger Eric Adams. Außerdem verzichtete die Gruppe dieses Mal, mit ihren Harleys auf die Bühne zu brettern – fast schon ein Traditionsbruch.

Vielleicht sprang deshalb der Funke nicht sofort über – dann aber mit Manowar-typischer Gewalt. Die Könige hatten sich warmgespielt, kramten in ihrer Schatzkiste und spielten die größten Hits. Nur vereinzelt waren Stücke aus dem neuen Album „Gods of war” dabei, das in Deutschland mittlerweile Gold-Status erreicht hat.

Diese neuen Songs sollten erst bei der Zugabe gepielt werden, die immerhin gut eine halbe Stunde dauerte. Es war gleichzeitig der Höhepunkt des Konzertes: Etliche Statisten stiegen auf ein überdimensionales Wikingerschiff im Hintergrund und kämpften sagenhaft-nordische Schlachten nach. Deftige Pyro-Effekte inklusive.

Klotzen, nicht kleckern. Für Manowar gilt das wie eh und je.