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Warum es sich lohnt, „Die Anstalt“, ZDF, zu schauen

  1. Erkenntnisse und Einblicke auch dann, wenn gelegentlich Schwierigkeiten mit der Einordnung handelsüblicher Nachrichten und gesellschaftspolitischer Themen auftreten.
  2. Es folgt, bei aufmerksamem Zuhören: Horizonterweiterung, gratis.
  3. Nur eines von sehr vielen guten Argumenten, warum der Rundfunkbeitrag sinnvoll ist.
  4. Wenn das immer noch nicht reicht: In der verlinkten Sendung kommt auch das Wort „fickbar“ vor.

 

[Der Unfug mit Text-Titeln in eckigen Klammern]

Satzzeichen werden schon seit längerem als vermeintliche Design-Elemente in Texten missbraucht. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Gewerkschaftler schreiben sich selbst „ver.di“. Warum sie das „v“ klein schreiben, wissen sie vermutlich nicht einmal selbst. Erst recht nicht, warum da ein Punkt steht. Mit viel Wohlwollen könnte hineininterpretiert werden, dass der Punkt das Wort „vereinigte“ abkürzt. Dass danach ein Leerzeichen kommen und das folgende „d“ ein Großbuchstabe sein müsste – soweit will ich das Thema an dieser Stelle gar nicht vertiefen. Ohnehin geht es um ein anderes Satzzeichen, das in jüngster Zeit an überraschenden Stellen eingesetzt wird: Die eckige Klammer „[“ und „]“. Continue reading

Die perfekte Pressemitteilung

Nehmen wir mal an, Sie arbeiten in der Pressestelle Ihrer Stadt, organisieren Kulturveranstaltungen und haben einen bekannten Kabarettisten für einen Auftritt im örtlichen Theater verpflichten können. Jetzt wollen Sie natürlich, dass die Presse (ob nun Print oder Online oder Radio) für den Kulturabend die Werbetrommel rührt. Sie verschicken deshalb eine Pressemitteilung.

Aber Vorsicht, dabei können viele Fehler gemacht werden. Wenn Sie wollen, dass in den gehetzten Redaktionen Ihre Mitteilung beachtet, bearbeitet und im besten Falle sogar veröffentlicht wird, müssen Sie sich an ein paar Regeln halten. Wie es zu fast 100 Prozent richtig gemacht wird, soll am Beispiel einer heute frisch eingetroffenen Pressemitteilung gezeigt werden:

  1. Schreiben Sie in den Betreff der E-Mail auf keinen Fall, worum es geht. Am besten schreiben Sie nur „Pressemitteilung“ in die Betreffzeile, besser sogar  „Wichtige Pressemitteilung“. Die Redaktionen sollen ja wissen, dass es eine Pressemitteilung ist, und sogar eine wichtige dazu. Optional lassen Sie die Betreffzeile leer. Das weckt das Interesse der Redakteure.
  2. Machen Sie in der eigentlichen E-Mail-Nachricht zunächst ganz viele Leerzeilen. Der Redakteur soll scrollen müssen, bevor er etwas erfährt. Das macht die Sache noch spannender.
  3. Bitten Sie als erstes um „schnellstmögliche Veröffentlichung“.
  4. Schreiben Sie zunächst, wie toll der Kabarettist XY ist. Zitieren Sie ausführlich aus seiner Vita. Geben Sie keine Hinweise, warum Sie das alles schreiben. Die Empfänger der E-Mail sollen sich in Ruhe über den Protagonisten informieren können.
  5. Um Ihren Empfängern das Lesen zu vereinfachen, wählen Sie eine große Schriftart und erhöhen Sie die Zeilenhöhe deutlich. Machen Sie so oft es nur möglich ist Absätze.
  6. Nutzen Sie intensiv die Möglichkeiten der Auflistung. Geben Sie viele Stichpunkte. Verzichten Sie wann immer möglich auf ganze Sätze.
  7. Wenn Sie schließlich schreiben, dass XY in Ihrem Stadttheater auftritt, lassen Sie das Datum und auch die Uhrzeit unerwähnt. Verweisen Sie statt dessen für weitere Informationen auf eine angehängte PDF-Datei.
  8. In dieser PDF-Datei listen Sie lediglich die tabellarische Vita des Künstlers auf. Erwähnen Sie immer noch kein Datum und keine Uhrzeit. Fügen Sie dem PDF eine ausführliche Beschreibung des aktuellen Programms hinzu, das Sie von der Agentur des Künstlers bekommen haben.
  9. Wenn Sie Bilder zur Verfügung stellen möchten, hängen Sie diese auf keinen Fall als normale jpg-Dateien an. Das mag in den Redaktionen niemand. Betten Sie lieber die Bilder in ein Word-Dokument ein und hängen Sie es der E-Mail an.
  10. Erwähnen Sie weder in der E-Mail noch in den angehängten Dokumenten Eintrittspreise. Das könnte abschrecken.
  11. Bieten Sie in Ihrer E-Mail-Nachricht eine Kontaktmöglichkeit für weitere Informationen an, indem Sie auf Telefonnummer und Internet-Adresse in der E-Mail-Signatur verweisen. Geben Sie Telefonnummern nicht im Haupttext an.
  12. Lassen Sie zwischen E-Mail-Nachricht und Signatur ausreichend Luft. Das Scrollen wird entspannend bei den Empfängern.
  13. Geben Sie auf keinen Fall einen Direktlink für die Veranstaltung auf Ihrer Webseite an. Die Suche auf der verschachtelten städtischen Seite regt den Recherche-Trieb der Redakteure an.
  14. Optimalerweise haben Sie auf Ihrer Webseite gar keine Suchfunktion. Dann müssen sich die Interessenten durch die Menüs klicken. Das gibt ordentlich Klicks und zudem bekommen die Besucher spannende Informationen, nach denen sie gar nicht gesucht haben.
  15. Auf der Internetseite, die über Ihre Veranstaltung informiert, können Sie Datum und Uhrzeit angeben. Verzichten Sie aber auf genaue Adressen, schreiben Sie lediglich „im Stadttheater“.
  16. Mach Sie auch im Internet keine Angaben über Eintrittspreise. Verweisen Sie statt dessen auf die Geschäftsstelle des Kulturbüros, ohne aber Telefonnummern oder Adressen oder gar Öffnungszeiten zu nennen.
  17. Sie können auch auf Eventim verweisen. Um es in diesem letzten Schritt noch etwas spannender zu machen, verlinken Sie nicht auf die konkrete Veranstaltungsseite auf Eventim. Verlinken Sie am besten gar nicht. Schreiben Sie nur „Karten auf eventim“ als reinen Text.

Der Erfolg wird Ihrer sein. Ganz sicher.

Der Software-Journalist | Technology Review

Der Software-Journalist | Technology Review.

Das Start-up CloudCrowd arbeitet sogar an einer kommerziellen Version von „My Boss is a Robot“. Über den Dienst Servio verspricht die Firma, Unternehmen das leidige Verfassen von Blog-Einträgen abzunehmen, die dann „frisch, handgeschrieben und genau auf das gewünschte Themengebiet abgestimmt“ sein sollen.

Ganz ehrlich, das macht mir Angst. Nicht Angst um meinen Job, sondern um die mediale Zukunft.