Category Archives: Eigenes

Im Reisebüro

Ins Reisebüro eines Clubs für Automobilbesitzer gegangen.

„Guten Tag, wir hätten gerne eine Reise.“
„Tut mir leid, Reisen geht heute nicht. “
„Ach. Ist das hier nicht das Reisebüro?“
„Schon. Aber die Reiseverkehrsfachfrau ist krank.“
„Und Sie können Reisen nicht?“
„Nein. Ich kann nur Versicherungen.“

Das ist ungefähr so, als wenn der Restaurant-Kellner nur einen Haarschnitt anbietet, weil dem Koch unpässlich ist.

Hochzeitsbitter – der Text

Vor gut einem Jahr habe ich hier über meine Erfahrungen als Hochzeitsbitter geschrieben. Eine Tradition, die ich bis dahin zwar nicht kannte, die aber augenscheinlich viele Menschen interessiert und die noch oft praktiziert wird. Sowohl in Kommentaren als auch oft per E-Mail haben sich seitdem viele Menschen über den genauen Text erkundigt.

Da wir, die beiden Hochzeitsbitter, des Plattdeutschen nicht mächtig sind, bekamen wir eine wunderbare Version in Lautschrift zu Hand, sodass wir abwechselnd die Absätze vorlesen konnten. Plattler werden zwar die Hände überm Kopf zusammenschlagen, doch sie mögen es uns bitte nachsehen. Es war für uns die einzige Möglichkeit, den Text ansatzweise richtig vorzutragen.

Und hier ist sie nun, die Lautschrift-Version:

Chudden Dach!

Denn Hoot nemm ik for ü draff,
dat icke weer kommen dröff.

Stürt uden Hund und holt uden Mund,
de Hochtiednögers van [Name der Braut] un [Name des Bräutigams] de kommen.

Van Broat un Brörgam kom ik her,
ü sollt kömmen met Auto of met perd,
to de Hochtied [Tag] [Monat] [Jahr] (Datum auch auf Platt!)

Hochtiedhollen ist nicht übel,
dat steht ja ok al inne Bibel.

Op de Hochtied willen wi recht lustig sein,
drum load ik ü ok alle ein.

Oll un jung, klain und groot,
so asse bünt – int hus te hoop.

Nu loat us erst’n Kotten nämmen,
un ik mutt noch ’n Wörtken seggen:

Wichst ude schoo un krüllt de Haar,
dann wött alls chutt, oane Gefoahr.

Maakt ü fien, nicht allto fien,
de Broatlö will de fiensten sein.

Nu schmückt mien hoot met buntet band,
dann treck i wieder dör’t chanze Land.

Den Originaltext auf Plattdeutsch habe ich leider nicht mehr. Aber Menschen, die des Plattdeutschen mächtig sind, werden den Kauderwelsch sicherlich wieder zurückübersetzen können.

Viel Spaß, das bunte Band für den Hut nicht vergessen und Vorsicht mit den Schnäpperken!

Wegen Facebook

Lang ist’s her, dass auf dieser kleinen Seite ein Beitrag erschienen ist. Fast drei Monate liegt der Bericht über die Hochzeitseinlader zurück.

Es liegt nicht an Faulheit. Es liegt an Facebook. Und an Twitter.

Eine private Seite wie diese hat für mich in erster Linie einen wesentlichen Zweck: Ich will mich mitteilen. Ich will Dinge, die mich bewegen, die mich interessieren, die mir aufgefallen sind, mit anderen teilen. In vielen Fällen handelt sich dabei um Gedankenfetzen, um Links, eventuell um eine kurz gefasste Meinung. Dafür brauche ich kein Blog. Dafür reicht mir Facebook und eventuell auch Twitter.

Das gilt natürlich nicht für längere Stücke, für Geschichten oder für Musik-Beiträge. Für diese Formen ist das Blog immer noch das Mittel zum Zweck. Doch solche Fälle treten bei mir nicht täglich auf – obwohl ich durchaus eine Menge zu einer Menge von Themen schreiben könnte. Nur ist leider das Zeitkontingent nicht unerschöpflich, der Job nimmt einen Großteil des Tages ein und bedingt dabei auch das Aufarbeiten bestimmter Themen.

Der Bereich Musik spielt aufgrund des aktuellen Einsatzes in der Redaktion eine wesentlich geringere Rolle als noch vor ein paar Jahren. Zwar bin ich immer noch in den meisten Verteilern und somit recht gut informiert. Doch auf Promos verzichte ich fast vollständig. Wenn mich eine Platte interessiert, kaufe ich sie. Und wenn sie mir gut gefällt, schreibe ich vielleicht auch etwas darüber. Das passiert vornehmlich im Print und auf dem Online-Ableger meines Arbeitgebers. Darüber hinaus noch zusätzliche Beiträge auf diesem Blog zu schreiben … dafür fehlt, sofern überhaupt die Zeit da ist, manchmal die Lust.

In den vergangenen Wochen haben sich aber ein paar Themen angesammelt, zu denen mehr als nur ein, zwei Sätze gesagt werden können.

Das wird auch passieren. Doch bis dahin muss Facebook eben reichen.

Als Hochzeitsbitter unterwegs

Schon mal etwas von der Tradition des Hochzeitsbittens gehört? Unter anderem im Münsterland ist es recht verbreitet, zur Hochzeit die Gäste von den Hochzeitsbittern persönlich einzuladen. Fein angezogen, mit einem festgelegten Spruch auf Plattdeutsch – und auf dem Fahrrad. Nun, ich kannte die Tradition nicht … und sagte dennoch zu, als ich von einem befreundeten Ehepaar in spe gefragt wurde, ob ich diese Aufgabe übernehmen wolle. Ich wusste zwar, dass es bei jeder Station einen Schnaps geben würde, den die Hochzeitsbitter der Tradition folgend angeboten bekommen (und trinken müssen). Doch was tatsächlich auf mich zukommen würde, nein, das wusste ich nicht.

Ein Erfahrungsbericht, am Tag danach.

Klaus und ich sollten für unsere Freunde die Gäste zur Hochzeit bitten. Das wird natürlich nicht so eben nebenbei erledigt. Es wird zelebriert. Schon am Vormittag kamen etliche Freunde zum Haus des Paares, um dort unsere Fortbewegungsmittel vorzubereiten. Die Fahrräder werden mit Krepppapier bunt geschmückt, dazu gibt’s natürlich ein Bierchen. Oder auch zwei. Klaus und ich legten derweil unsere Hochzeitsbitter-Kleidung an – Klaus einen Anzug (mit Fliege), ich einen Frack, der von einem Freund zur Verfügung gestellt wurde.

Und wir trugen Hüte. Die Hüte sind wichtig. Sie werden auf jeder Station von den Eingeladenen geschmückt. Zwei Tage zuvor wurde die Route ausgetüftelt, insgesamt 12 Stationen sollten es sein. Alle Eingeladenen waren vom Brautpaar über den ungefähren Zeitpunkt unseres Erscheinens informiert worden, damit wir nicht vor verschlossenen Türen stehen.

Hört sich alles einfach an, oder? Ist es aber nicht. Um das Ausmaß dieses Projektes deutlich zu machen, gibt’s hier die Liste mit den Getränken, die wir an den einzelnen Stationen trinken mussten:

  1. Gin (plus halbes Brötchen, mit Salami belegt)
  2. Jägermeister
  3. Aquavit (plus eine Frikadelle, mit Senf)
  4. Doornkaat
  5. Dortmunder Tropfen (plus ein Stück Kuchen)
  6. Jägermeister (plus 0,33-Flasche Krombacher)
  7. Irgendetwas grünes mit Wodka drin, recht lecker
  8. Jägermeister (plus ein Bockwürstchen)
  9. Tequila (plus 0,33-Glas Bier, vermutlich DAB)
  10. Affenkotze (grünes Zeug mit Wodka, drei bis vier Pintchen, plus 0,5-Dose Krombacher)
  11. (weiß ich beim besten Willen nicht mehr)

Das reicht aus, einen ausgewachsenen Rausch herbeizuzaubern. Ein Vorteil ist natürlich das Radfahren von Station zu Station und damit die frische Luft zwischen den Getränken. Dennoch lässt meine Erinnerung ab Nummer 8 etwas nach.

Unser plattdeutscher Spruch, den wir im Duett aufsagten und zum Glück in Lautschrift aufgeschrieben bekamen, ging von Station zu Station leichter von den Lippen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kam sogar intensive Körpersprache hinzu.

Die erste Hälfte der Tour wurde übrigens von einem Kamera-Team dokumentiert – Freunde des Brautpaars fuhren im Auto neben uns her und hielten das Einladen, das Spruch-Aufsagen und auch das Erfrischen fest. Das Video habe ich noch nicht gesehen – und bin mir auch gar nicht sicher, ob ich es wirklich sehen will.

Denn schon bei Station 8 verlor Klaus ein wenig Selbstbeherrschung. Er bestellte nach.

Bei Station 11 artete die Situation aus. Mehr als eine halbe Stunde (vielleicht auch eine ganze) verbrachten wir dort und mussten gleich mehrfach Pintchen leeren. Eine Momentaufnahme ist im folgendem Bild zu sehen.

Als Hochzeitsbitter unterwegs am 12.03.2011

Wir sehen gut, oder? Noch. Denn die schwerste Prüfung stand noch bevor. Die letzte Station, Nummer 12, war eine Kneipe. Dort hatte sich ein ganzer Trupp versammelt und wartete auf unsere Ankunft. Wir mussten dort weitere Gäste einladen, rund sechs Stunden nach dem Start unserer Tour. Und, natürlich, von jedem einen Schnaps bekommen. Wenn ich den Abend richtig rekonstruiere, setzte sich das Finale wie folgt zusammen:

  • Ouzo
  • Roter
  • Ouzo
  • Wodka

Klaus und ich sind auch auf der Hochzeit eingeladen. Wir mussten uns also zum guten Schluss selbst bitten. Wir verzichteten aber auf ein Getränk. Glaube ich.

Der Rest des Abends ist uninteressant. Wer etwas zu den Geschehnissen beizutragen hat, kann die Kommentarfunktion hier oder auf Facebook nutzen.

Verkehrskontrolle

Ich habe ein seltenes Talent: Selbst wenn ich nicht verschlafe, und das passiert selten, kann ich unpünktlich sein. Manche behaupten, das liege an meinen südeuropäischen Genen, die ich von meinen Eltern geerbt habe. Dort, in Griechenland, werden Termine grundsätzlich etwas lockerer gehandhabt. Wenn für eine Verabredung ein genauer Wochentag vereinbart wird, ist das eine nahezu präzise Eingrenzung. Ein Witz mit gar nicht mal so unrealistischem Hintergrund geht so: Tower an British Airways, Ihre Landung ist um 15.50 Uhr. Tower an Lufthansa, sie landen um 16.12 Uhr. Tower an Olympic Airways, es ist Dienstag.

An diesem Morgen musste ich pünktlich sein. Und noch dazu sehr, sehr früh aufstehen. Also gleich zwei Anforderungen auf einmal, die mich vor gewisse Probleme stellen. Da ich aber meinen Eltern versprochen hatte, sie zum Flughafen zu fahren, ging es nicht anders. Erstaunlicherweise klappte es. Als der Wecker um 4 Uhr morgens klingelte, hüpfte ich aus dem Bett, trank schnell einen Kaffee und setzte mich nur 20 Minuten später ins Auto. Wow. Noch massig Zeit.

Ich wäre pünktlich gewesen …

… wenn mich die Polizei nicht angehalten hätte.

„Guten Morgen“, sagte der Polizist.

„Morgen. Was gibt’s?“

„Allgemeine Verkehrskontrolle. Führerschein und Fahrzeugpapiere, bitte. Wo kommen Sie her?“

„Von daheim.“

„Und wo wollen Sie hin?“

„Zu meinen Eltern.“

„Um diese Uhrzeit? Was wollen Sie da?“

„Das geht Sie überhaupt nichts an…“

Bei der folgenden Untersuchung meines Autos erfuhr ich mehr über mögliche Verstecke für allerlei Illegales im Wagen, als ich jemals wissen wollte.

Ich kam natürlich zu spät, schaffte es aber trotzdem, dass meine Eltern ihren Flieger nicht verpassten. Über das Wie soll der Mantel des Schweigens gelegt werden. Das geht die Polizei nämlich nichts an.