Altpapier

Der Umzug, besser: Einzug der Gefährtin ist geschafft, der Urlaub ist vorbei, Wacken ist überstanden, ebenso der Kurztrip nach Holland, der in erster Linie die Erkenntnis brachte, gegen Wespenstiche allergisch zu sein. Mittlerweile ist auch der letzte Umzugskarton ausgepackt. Na gut, drei oder vier liegen noch im Keller. Vielleicht fünf. Die Steuererklärung ist gemacht und abgegeben.

Dann wäre da noch der Rechner, der jetzt endlich aufgerüstet ist, mit 64 Bit, Raid und massig RAM rennt. Ganz anders der Rechner in der Redaktion, der unter dem Ressourcenhunger des neuen Redaktionssystems leidet. Schlecht ist dieses System zwar nicht, aber für das Beherrschen musste eine Menge Zeit investiert werden. Mittlerweile können wir immerhin eine Zeitung produzieren, ohne uns dabei die Arme zu brechen. Das nervöse Augenzucken lässt jedenfalls langsam nach.

Dies alles, in fast dieser Reihenfolge, passierte in jenen vergangenen Wochen, in denen auf dieser Seite nichts geschah. So langsam, ganz langsam, kehrt so etwas wie Alltag ein. Jene normalen Tage, die nur wenig Überraschendes oder Herausforderndes mit sich bringen und den Gedanken erlauben, sich Profanem zu widmen. Dem Schreiben von Texten zum Beispiel, fernab des Beruflichen. Oder dem Lesen von Artikeln, für die bisher keine Zeit blieb. Vielleicht gar eine Kombination von beidem.

Doch womit soll begonnen werden? Themen gibt es zuhauf, viele davon im Google Reader für die spätere Sichtung und Aufarbeitung zur Seite gelegt. Der Reader bietet eine Markier-Funktion, mit der hübsch übersichtlich alle Artikel, egal welchen Publikationsdatums, dargestellt werden können. Sozusagen das Pendant zum Papierstapel, der früher durch das Beiseitelegen von Zeitungsseiten mit interessanten Artikeln entstand. Beiseite legen, um sie später zu lesen.

Natürlich war das die Theorie. Die Praxis sah so aus, dass in unregelmäßigen Abständen dicke Papierstapel mit vorsichtig herausgetrennten Zeitungsseiten ungelesen in den Altpapiercontainer wanderten. Wer hätte das auch  alles lesen sollen?

Heute liegen weniger Altpapierstapel herum, dafür aber deutlich mehr Informationen hinter dem Reader-Link „Markierte Artikel“. Die Funktion hat verheerende Auswirkungen. Manchmal traue ich mich ob der zu erwartenden Artikelflut nicht, die Liste mit den markierten Artikeln aufzurufen. Und wenn ich es doch wage, kann von einer Übersicht keine Rede sein.

Der konsequente Schritt kann also nur sein: Alle Markierungen wieder entfernen. Es ist die neue Form der Altpapierentsorgung.

Die Liste ist wieder leer. Ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit, ja der Leichtigkeit breitet sich aus.

Fangen wir von vorne an.

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