Daily Archives: 3. Juli 2011

Big4 – Situation im Innenraum der Arena Gelsenkirchen

Um es vorweg zu nehmen: Für den größten Teil der Besucher des Big4-Konzerts in Gelsenkirchen war es sicherlich ein wunderbarer Abend. Anthrax, Medageth, Slayer und Metallica. Ein einmaliges Erlebnis. Doch eben nicht für alle. Vor allem nicht für die Zuschauer im Innenbereich. Eklatante Mängel in der Organisation haben für zum Teil gefährliche Situationen gesorgt. Eine Situationsbeschreibung abseits des Musikalischen.

Während die Zuschauer auf den Tribünenplätzen die Shows von Anthrax, Megadeth, Slayer und Metallica mit gutem Sound und annehmbaren Wartezeiten an den Getränkeständen genießen konnten, spielten sich im Innenraum der Arena zum Teil tumultartige Szenen ab. Der Sound war dort alles andere als gut (dazu später mehr) – doch was viel schwerer wiegt: Es gab viel zu wenig Getränkestände für zu viele Durstige.

Offenbar hatten die Organisatoren nicht einkalkuliert, dass die Bedürfnisse der Zuschauer bei einem mehr als sechsstündigen Ereignis anders sind als bei einem 90-minütigem Fußballspiel oder einem normalen Zwei-Stunden-Konzert. Die Menschen brauchen schlicht mehr Flüssigkeit. Dabei geht es nicht nur um Bier – doch genau das hat das Problem verursacht.

Im hinteren Bereich des geteilten Innenraumes waren drei Getränkestände aufgebaut – mit jeweils zwei Zapfhähnen, aus denen Bier floss. Und das auch noch langsam. Dass das nicht ausreichend sein kann für tausende Zuschauer im Innenraum, wurde schon beim Konzert von Anthrax deutlich: Langes Anstehen, um ein Getränk zu bekommen.

Die Situation verschlechterte sich im Laufe des Tages und des Abends zusehends. Zwischen den Konzerten von Megadeth und Slayer wurde der Druck vor den Getränkeständen immer größer. Weil das völlig überforderte Personal die Wünsche des Publikums nur sehr langsam erfüllen konnte, wurde die Anzahl der Menschen vor den Ständen immer größer – und vor allem im linken Innenraum-Bereich riss irgendwann der Geduldsfaden der Zuschauer.

Der Druck aus den hinteren Reihen wuchs, die Menschen direkt vor den Ständen wurden zusammengepresst. Das hielten nicht alle aus. Direkt neben mir kollabierte eine junge Frau und konnte von ihrem Partner nur mit äußerster Kraftanstrengung aus dem Pulk rausgezogen werden. Auch andere konnten den Druck nicht aushalten und versuchten der Enge zu entfliehen. „Das war heftig“, sagt ein Zuschauer. „Ich bin groß und kräftig, doch das Gedränge hat selbst mir Angst gemacht. Irgendwann dachte ich nur noch: Raus!“

Die Situation droht zu eskalieren

Vergleiche mit der Loveparade sind sicherlich unangebracht. Doch zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, dass etwas Schlimmes passieren kann.

Denn während um kurz vor 20 Uhr Slayer heftig auf ihre Instrumente einprügelten, drohte die Situation vor den Ständen im Innenraum zu eskalieren. Der Andrang war mittlerweile so groß geworden, dass selbst die Sicherheitsleute eine Gefahr sahen. Durch das Gedränge drohten nicht nur Menschen eingequetscht zu werden, auch der Stand selbst wackelte bedrohlich. Rund ein Dutzend Ordner arbeitete sich durch die Menge vor den Stand – um dort das Absperrgitter einen Meter nach hinten zu versetzen. Dadurch wackelte zwar der Getränkestand nicht mehr. Doch am Druck vor der Absperrung änderte sich nichts.

Für mich unverständlich ist, warum die Organisatoren nicht auf Alternativen hingewiesen haben. Die gab es nämlich draußen vor der Halle. Dort standen mehrere Getränkestände, bei denen die Menschen deutlich schneller bedient werden konnten. Zwar gegen Bargeld und nicht mit der obligatorischen Arena-Karte, aber immerhin. Ein erneuter Eintritt in die Halle war noch einer „Markierung“ von der Security ebenfalls möglich.

Und dann war auch noch der Sound im Innenraum schlecht

Die Big4, das war für viele Fans ein lang ersehnter Traum. Eine einmalige Gelegenheit, die vier Großen des Thrash-Metals an einem Abend und auf einer Bühne zu sehen. Keine Frage: Für die meisten Besucher, vor allem auf der Tribüne, war es ein toller Abend – aber nicht für einen großen Teil im Innenraum. Auch nicht für mich. Neben der desolaten Versorgungssituation ließ nämlich auch der Sound zu wünschen übrig. Während der Klang auf der Tribüne gut war, kam im hinteren Teil des Innenraums ein mit Hall durchsetzter Brei an. Zwar wurde der Sound von Band zu Band besser, war letztlich bei Metallica aber immer noch weit von einem „Gut“ entfernt.

Außerdem stellt sich die Frage, warum bei so einem Konzert von der Tontechnik Abstufungen gemacht werden. Es war kein Metallica-Konzert mit drei Vorbands. Es waren die Big 4.

Eine derartige Degradierung haben Anthrax und Megadeth schlicht nicht verdient.

Update und Hinweis: Dieser Beitrag ist in leicht geänderter Form auch im Westen erschienen.

Update 2: Reaktion von Veranstalter Marek Lieberberg.