Monthly Archives: Juli 2011

Big4 – Ende der Diskussion

Nun liegt das Konzert der Big 4 in der Arena Gelsenkirchen schon mehr als eine halbe Woche zurück. Angesichts der Schwierigkeiten im Innenraum rückte das Musikalische in den Hintergrund. Allerdings hat sich seit dem ersten Beitrag hier und im Westen eine Menge getan – und vermutlich wird das Big4-Konzert Ausschlag gebend dafür sein, dass in der Schalke-Arena nun ein neues Konzept für Großveranstaltungen erarbeitet wird.

Die zahlreichen Leser-Kommentare unter den Westen Berichten (1, 2) werden vielleicht ihren Teil dazu beigetragen haben, doch vor allem war es wohl die Reaktion von Konzertveranstalter Marek Lieberberg: Es müsse sich etwas ändern, sagte Lieberberg, damit MLK wieder nach Gelsenkirchen in die Arena komme.

Lieberbergs Wort hat Gewicht. Kaum ein Betreiber von Veranstaltungsorten kann es sich leisten, seine Kritikpunkte zu ignorieren. Einen Tag später nahm Rüdiger Mengede, Geschäftsführer der Arena, Stellung und räumte Fehler ein. Fazit: Es gab zu wenig Getränkestände (weil die Stadt Gelsenkirchen die Sicherheitsbestimmungen erhöht hatte) und Wasser wird demnächst das günstigste Getränk sein.

Damit dürfte die Diskussion vorerst beendet sein. Und nun wird’s Zeit, sich wieder der Musik zu widmen.

Big4 – Reaktion von Veranstalter Marek Lieberberg

Es war ein recht langes Telefonat mit Marek Lieberberg, Chef einer der größten und erfolgreichsten Konzertagenturen. Nein, diese Kritik wolle er nicht auf sich sitzen lassen, darüber müsse man reden. Also redeten wir über das, was am Samstagabend (2.7.2011) beim Big4-Konzert im Innenraum der Arena Gelsenkirchen schief gelaufen ist und auch über das, was ich hier im Blog und im Westen geschrieben habe.

Dabei ging es im Wesentlichen nicht um das Geschriebene, sondern um das Beschriebene. Doch der Reihe nach.

Ein Veranstalter könne nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, wofür er nicht zuständig ist. Zu oft sei in meinem Text direkt der Veranstalter kritisiert worden und nicht der Verantwortliche. Zwar habe ich die Getränkestände eindeutig dem „S04-Catering“ und nicht dem Veranstalter zugeschrieben, doch einige andere Bereiche will ich an dieser Stelle gerne konkretisieren. Die Zuständigkeiten laut Lieberberg:

  • Für das Catering (Getränke und Essen) war die „Schalke 04 Arena Management GmbH“ verantwortlich.
  • Das gilt auch für die Toiletten.
  • Zwar hat der Veranstalter MLK die Sound- und Lichttechnik zur Verfügung gestellt. Wie diese benutzt und eingesetzt wurde, darauf hatte MLK nach eigenen Angaben keinen Einfluss. Die Tontechniker der Bands übernahmen diesen Job und damit auch die Verantwortung.
  • Für die ÖPNV-Anbindung sowie für Sonderzüge sind die Verkehrsbetriebe zuständig (hier: Bogestra). Eine gute Anbindung wird von Lieberberg ausdrücklich gefordert – „schließlich zahlen wir als Veranstalter dafür eine Menge Geld an die ÖPNV-Betriebe.“ (Die ÖPNV-Situation hatte ich selbst zwar nicht aufgegriffen, sie wurde aber in den Kommentaren thematisiert.)

Über die Zuständigkeiten aufzuklären, war aber nicht die primäre Intention von Lieberberg. Er stimmte vielmehr zahlreichen  Kritikpunkten sowohl im Beitrag als auch in den Kommentaren hier und im Westen zu. Mehr noch, er konkretisierte sie und forderte Konsequenzen. „Es muss etwas passieren, damit man uns hier wiedersieht“.

Im Mittelpunkt seiner Kritik steht die „Schalke 04 Arena Management GmbH. Bereits am Mittag habe Lieberberg eine Mail an Geschäftsführer Rüdiger Mengede geschickt. Inhalt: Sechs Punkte, über die der Veranstalter dringend mit dem Arena-Management reden will. Unter anderem über die schlechte Versorgungssituation aufgrund zu wenig Getränke- und Essensstände, über zu wenig Personal, über unzumutbar lange Wartezeiten, über zu wenig Toilettenhäuschen, über die Mängel Infrastruktur in der Arena allgemein …

Die detaillierten Kritikpunkte von Marek Lieberberg sind im Artikel drüben im Westen nachzulesen.

Übrigens: Die Versuche, auch von Management der Gelsenkirchener Arena eine Stellungnahme zu bekommen, verliefen heute im Sande. Man wolle sich erst am nächsten Tag äußern. Schriftlich.

In diesem Zusammenhang sei auf den Kommentar des Nutzers „ruhrpottkoenig“ auf derwesten.de verwiesen:

Danke Danke Danke für diesen Bericht. Es wurde Zeit das sich mal ein veranstalter sehr lautstark meldet bei diesen chaotischen Zuständen. Da lernen einige nicht dazu… Gruss ein insider.

 

Big4 – Situation im Innenraum der Arena Gelsenkirchen

Um es vorweg zu nehmen: Für den größten Teil der Besucher des Big4-Konzerts in Gelsenkirchen war es sicherlich ein wunderbarer Abend. Anthrax, Medageth, Slayer und Metallica. Ein einmaliges Erlebnis. Doch eben nicht für alle. Vor allem nicht für die Zuschauer im Innenbereich. Eklatante Mängel in der Organisation haben für zum Teil gefährliche Situationen gesorgt. Eine Situationsbeschreibung abseits des Musikalischen.

Während die Zuschauer auf den Tribünenplätzen die Shows von Anthrax, Megadeth, Slayer und Metallica mit gutem Sound und annehmbaren Wartezeiten an den Getränkeständen genießen konnten, spielten sich im Innenraum der Arena zum Teil tumultartige Szenen ab. Der Sound war dort alles andere als gut (dazu später mehr) – doch was viel schwerer wiegt: Es gab viel zu wenig Getränkestände für zu viele Durstige.

Offenbar hatten die Organisatoren nicht einkalkuliert, dass die Bedürfnisse der Zuschauer bei einem mehr als sechsstündigen Ereignis anders sind als bei einem 90-minütigem Fußballspiel oder einem normalen Zwei-Stunden-Konzert. Die Menschen brauchen schlicht mehr Flüssigkeit. Dabei geht es nicht nur um Bier – doch genau das hat das Problem verursacht.

Im hinteren Bereich des geteilten Innenraumes waren drei Getränkestände aufgebaut – mit jeweils zwei Zapfhähnen, aus denen Bier floss. Und das auch noch langsam. Dass das nicht ausreichend sein kann für tausende Zuschauer im Innenraum, wurde schon beim Konzert von Anthrax deutlich: Langes Anstehen, um ein Getränk zu bekommen.

Die Situation verschlechterte sich im Laufe des Tages und des Abends zusehends. Zwischen den Konzerten von Megadeth und Slayer wurde der Druck vor den Getränkeständen immer größer. Weil das völlig überforderte Personal die Wünsche des Publikums nur sehr langsam erfüllen konnte, wurde die Anzahl der Menschen vor den Ständen immer größer – und vor allem im linken Innenraum-Bereich riss irgendwann der Geduldsfaden der Zuschauer.

Der Druck aus den hinteren Reihen wuchs, die Menschen direkt vor den Ständen wurden zusammengepresst. Das hielten nicht alle aus. Direkt neben mir kollabierte eine junge Frau und konnte von ihrem Partner nur mit äußerster Kraftanstrengung aus dem Pulk rausgezogen werden. Auch andere konnten den Druck nicht aushalten und versuchten der Enge zu entfliehen. „Das war heftig“, sagt ein Zuschauer. „Ich bin groß und kräftig, doch das Gedränge hat selbst mir Angst gemacht. Irgendwann dachte ich nur noch: Raus!“

Die Situation droht zu eskalieren

Vergleiche mit der Loveparade sind sicherlich unangebracht. Doch zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, dass etwas Schlimmes passieren kann.

Denn während um kurz vor 20 Uhr Slayer heftig auf ihre Instrumente einprügelten, drohte die Situation vor den Ständen im Innenraum zu eskalieren. Der Andrang war mittlerweile so groß geworden, dass selbst die Sicherheitsleute eine Gefahr sahen. Durch das Gedränge drohten nicht nur Menschen eingequetscht zu werden, auch der Stand selbst wackelte bedrohlich. Rund ein Dutzend Ordner arbeitete sich durch die Menge vor den Stand – um dort das Absperrgitter einen Meter nach hinten zu versetzen. Dadurch wackelte zwar der Getränkestand nicht mehr. Doch am Druck vor der Absperrung änderte sich nichts.

Für mich unverständlich ist, warum die Organisatoren nicht auf Alternativen hingewiesen haben. Die gab es nämlich draußen vor der Halle. Dort standen mehrere Getränkestände, bei denen die Menschen deutlich schneller bedient werden konnten. Zwar gegen Bargeld und nicht mit der obligatorischen Arena-Karte, aber immerhin. Ein erneuter Eintritt in die Halle war noch einer „Markierung“ von der Security ebenfalls möglich.

Und dann war auch noch der Sound im Innenraum schlecht

Die Big4, das war für viele Fans ein lang ersehnter Traum. Eine einmalige Gelegenheit, die vier Großen des Thrash-Metals an einem Abend und auf einer Bühne zu sehen. Keine Frage: Für die meisten Besucher, vor allem auf der Tribüne, war es ein toller Abend – aber nicht für einen großen Teil im Innenraum. Auch nicht für mich. Neben der desolaten Versorgungssituation ließ nämlich auch der Sound zu wünschen übrig. Während der Klang auf der Tribüne gut war, kam im hinteren Teil des Innenraums ein mit Hall durchsetzter Brei an. Zwar wurde der Sound von Band zu Band besser, war letztlich bei Metallica aber immer noch weit von einem „Gut“ entfernt.

Außerdem stellt sich die Frage, warum bei so einem Konzert von der Tontechnik Abstufungen gemacht werden. Es war kein Metallica-Konzert mit drei Vorbands. Es waren die Big 4.

Eine derartige Degradierung haben Anthrax und Megadeth schlicht nicht verdient.

Update und Hinweis: Dieser Beitrag ist in leicht geänderter Form auch im Westen erschienen.

Update 2: Reaktion von Veranstalter Marek Lieberberg.