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Als Hochzeitsbitter unterwegs

Schon mal etwas von der Tradition des Hochzeitsbittens gehört? Unter anderem im Münsterland ist es recht verbreitet, zur Hochzeit die Gäste von den Hochzeitsbittern persönlich einzuladen. Fein angezogen, mit einem festgelegten Spruch auf Plattdeutsch – und auf dem Fahrrad. Nun, ich kannte die Tradition nicht … und sagte dennoch zu, als ich von einem befreundeten Ehepaar in spe gefragt wurde, ob ich diese Aufgabe übernehmen wolle. Ich wusste zwar, dass es bei jeder Station einen Schnaps geben würde, den die Hochzeitsbitter der Tradition folgend angeboten bekommen (und trinken müssen). Doch was tatsächlich auf mich zukommen würde, nein, das wusste ich nicht.

Ein Erfahrungsbericht, am Tag danach.

Klaus und ich sollten für unsere Freunde die Gäste zur Hochzeit bitten. Das wird natürlich nicht so eben nebenbei erledigt. Es wird zelebriert. Schon am Vormittag kamen etliche Freunde zum Haus des Paares, um dort unsere Fortbewegungsmittel vorzubereiten. Die Fahrräder werden mit Krepppapier bunt geschmückt, dazu gibt’s natürlich ein Bierchen. Oder auch zwei. Klaus und ich legten derweil unsere Hochzeitsbitter-Kleidung an – Klaus einen Anzug (mit Fliege), ich einen Frack, der von einem Freund zur Verfügung gestellt wurde.

Und wir trugen Hüte. Die Hüte sind wichtig. Sie werden auf jeder Station von den Eingeladenen geschmückt. Zwei Tage zuvor wurde die Route ausgetüftelt, insgesamt 12 Stationen sollten es sein. Alle Eingeladenen waren vom Brautpaar über den ungefähren Zeitpunkt unseres Erscheinens informiert worden, damit wir nicht vor verschlossenen Türen stehen.

Hört sich alles einfach an, oder? Ist es aber nicht. Um das Ausmaß dieses Projektes deutlich zu machen, gibt’s hier die Liste mit den Getränken, die wir an den einzelnen Stationen trinken mussten:

  1. Gin (plus halbes Brötchen, mit Salami belegt)
  2. Jägermeister
  3. Aquavit (plus eine Frikadelle, mit Senf)
  4. Doornkaat
  5. Dortmunder Tropfen (plus ein Stück Kuchen)
  6. Jägermeister (plus 0,33-Flasche Krombacher)
  7. Irgendetwas grünes mit Wodka drin, recht lecker
  8. Jägermeister (plus ein Bockwürstchen)
  9. Tequila (plus 0,33-Glas Bier, vermutlich DAB)
  10. Affenkotze (grünes Zeug mit Wodka, drei bis vier Pintchen, plus 0,5-Dose Krombacher)
  11. (weiß ich beim besten Willen nicht mehr)

Das reicht aus, einen ausgewachsenen Rausch herbeizuzaubern. Ein Vorteil ist natürlich das Radfahren von Station zu Station und damit die frische Luft zwischen den Getränken. Dennoch lässt meine Erinnerung ab Nummer 8 etwas nach.

Unser plattdeutscher Spruch, den wir im Duett aufsagten und zum Glück in Lautschrift aufgeschrieben bekamen, ging von Station zu Station leichter von den Lippen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kam sogar intensive Körpersprache hinzu.

Die erste Hälfte der Tour wurde übrigens von einem Kamera-Team dokumentiert – Freunde des Brautpaars fuhren im Auto neben uns her und hielten das Einladen, das Spruch-Aufsagen und auch das Erfrischen fest. Das Video habe ich noch nicht gesehen – und bin mir auch gar nicht sicher, ob ich es wirklich sehen will.

Denn schon bei Station 8 verlor Klaus ein wenig Selbstbeherrschung. Er bestellte nach.

Bei Station 11 artete die Situation aus. Mehr als eine halbe Stunde (vielleicht auch eine ganze) verbrachten wir dort und mussten gleich mehrfach Pintchen leeren. Eine Momentaufnahme ist im folgendem Bild zu sehen.

Als Hochzeitsbitter unterwegs am 12.03.2011

Wir sehen gut, oder? Noch. Denn die schwerste Prüfung stand noch bevor. Die letzte Station, Nummer 12, war eine Kneipe. Dort hatte sich ein ganzer Trupp versammelt und wartete auf unsere Ankunft. Wir mussten dort weitere Gäste einladen, rund sechs Stunden nach dem Start unserer Tour. Und, natürlich, von jedem einen Schnaps bekommen. Wenn ich den Abend richtig rekonstruiere, setzte sich das Finale wie folgt zusammen:

  • Ouzo
  • Roter
  • Ouzo
  • Wodka

Klaus und ich sind auch auf der Hochzeit eingeladen. Wir mussten uns also zum guten Schluss selbst bitten. Wir verzichteten aber auf ein Getränk. Glaube ich.

Der Rest des Abends ist uninteressant. Wer etwas zu den Geschehnissen beizutragen hat, kann die Kommentarfunktion hier oder auf Facebook nutzen.