Monthly Archives: Juni 2010

Sonisphere Schweiz verpasst. Zum Glück.

Dieser Beitrag könnte aus einer Serie mit dem Namen „Wo ich in diesem Jahr nicht war, obwohl ich wollte“ stammen. Gäbe es diese Serie, so hätte sie eine Menge Folgen. Das Sonisphere in der Schweiz wäre der jüngste Teil davon.

Das Sonisphere. Ein reisendes Festival, das im vergangenen Jahr einen ordentlichen Aufschlag am Hockenheimring hinlegte. Dort war ich übrigens auch nicht. Terminschwierigkeiten. Aber kurz darauf kündigten die Veranstalter die nächste Runde an, und die hatte es in sich: Ein Gipfeltreffen des Thrash, mit den Big Four vereint an einem Abend unter freiem Himmel. Metallica, Megadeth, Slayer, Anthrax. Und ganz nebenbei noch eine Menge andere Bands: Airbourne, Motörhead, Volbeat, nur um einige zu nennen.

Ein reizvolles Line-Up, um es mal vornehm-zurückhaltend zu beschreiben. So reizvoll, dass ich unbedingt dabei sein wollte, auch wenn das Festival 2010 nicht nach Deutschland kommt. Aber in die Schweiz. Immerhin. Das hieße zwar eine Anfahrt von mehr als 700 Kilometer – die ich aber gerne in Kauf genommen hätte. Ein Gipfeltreffen gibt’s schließlich nicht jedes Wochenende. Tickets hätte ich auch bekommen können, sogar recht kurzfristig. Ein Freund hatte zwei Karten über und bot sie mir an. Ich sagte ab. Terminschwierigkeiten.

Am Tag des Festivals, 18. Juni 2010, saß ich also bei der Arbeit und badete in Selbstmitleid. Alltägliche Routine statt großer Rock’n’Roll-Momente in der schönen Schweiz vor wunderbarer Alpen-Kulisse.

Doch im Nachhinein stellten sich die Terminschwierigkeiten als Glücksfall heraus. Die großen Rock’n’Roll-Momente haben sich offenbar in Grenzen gehalten. Weil es in der Schweiz nämlich überhaupt nicht schön war. Im Gegenteil, sogar ziemlich mies. Das lag nicht am Festivals selbst oder an der Musik, sondern am Wetter: Das Sonisphere, las ich, war ins Wasser gefallen:

Machtlos mussten die Organisatoren des Jonschwiler Sonisphere zusehen, wie der Grossanlass im Schlamm versank – und sehen sich deswegen massiver Kritik ausgesetzt. In Jonschwil bleibt der Aufräumequipe ein Chaos zurück.

Das ist noch nicht alles:

Nicht einmal genügend Bier sei vorhanden gewesen. Und das gehörte noch zu den kleinsten Problemen am Metal-Festival Sonisphere.

Der Bericht steht in der Zeitung Tagblatt. Andere Medien berichten ähnlich. So auch die Schweizer Tagesschau, die den TV-Bericht auf ihre Seite gestellt hat. Man versteht zwar kaum etwas, aber die Bilder sprechen für sich. Allgemein ist von einem Ausnahmzustand die Rede, ausgelöst von nicht enden wollendem Starkregen. Eine Situation, mit der die Veranstalter – laut den Berichten – offenbar nicht umgehen konnten. Für die rund 45.000 Besucher war es ein durchwachsenes, durchweichtes Gipfeltreffen.

Nun kann bei einem Open-Air nie schlechtes Wetter ausgeschlossen werden, aber diese Zustände waren laut den Berichten außergewöhnlich extrem – mit den entsprechenden Konsequenzen.

Manchmal ist es gar nicht so schlimm, keine Zeit zu haben.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Ist das Kunst oder kann das weg?

Frage ich mich auch recht oft.

In der Lokalredaktion eine Etage weiter unten hängt ein ziemlich großes Poster. Der Inhalt ist nur ein Satz, resp. eine Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ steht da in weißen Lettern auf grünem Hintergrund.

Sehr schön. Und sehr beruhigend, dass offenbar auch andere Menschen derartige Gedankengänge haben. Das Kunstwerk kann man mittlerweile in vielen Formen erwerben. Ob als Poster bei Gobaeng, als Frühstücksbrettchen bei Dinamo oder als Sticker bei Amazon.

Warum mir dieses Poster so gefallen hat, bedarf keiner ausführlichen Erklärung: Weil ich ein Kunstbanause bin. Manchmal.

Dabei bin ich dem Schönen, dem Kreativen, dem Ausdrucksstarken keineswegs abgeneigt. Man hat mich sogar schon in Museen gesehen. Sogar in einigen für Moderne Kunst. Dennoch bleibe ich manchmal fassungslos vor … Objekten stehen und frage mich: Was ist das? Was soll das? Und: Warum? Und letztlich, natürlich: Ist das Kunst?

Genau, was ist Kunst eigentlich? Mein Brockhaus, Handbuch des Wissens, von 1922 schreibt:

Kunst (von Können), im allgemeinen die durch Übung zu entwickelnde und befördernde Fertigkeit, der eine besondere Befähigung zugrunde liegt. Im engern Sinne die schönen Künste, die nach ihren Ausdrucksformen in bildende (…), tönende (…) oder redende (…) und darstellende (…) geschieden werden können.

Ah, Kunst kommt tatsächlich von Können. Es muss also etwas dahinterstecken. Sozusagen ein Talent. Andererseits wird Talent überbewertet, wie in Wikipedia nachzulesen:

Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.

Da eine klare Definition nicht existiert, kann Kunst alles sein. Und Kunst darf alles. Man muss nur sagen, dass es Kunst ist.  So wie hier:

Kunstwerk Baustahl, lackiert, auf der Landesgartenschau 2010, Hemer

Diese Stahlstange mit abstehenden Spross steht auf der Landesgartenschau 2010 in Hemer. Der erste Gedanke war, ich geb’s ganz ehrlich zu: „Die Bauarbeiter haben vergessen, was wegzuräumen.“ Weit gefehlt.  In gebührendem Abstand zur Installation steht ein Schild mit erklärenden Worten.

Kunst-Erklärungsschild auf der Landesgartenschau Hemer 2010Es handelt sich um ein Werk der Künstlerin Janina Tripp mit dem Titel „Attention please!“ Eine Google-Schnellrecherche führt zu derwesten.de und bietet dort ergänzende Informationen:

Ihre Mitschülerin Janina Tripp (Anmerkung: der Kunst-AG des Woest-Gymnasiums Hemer) entwarf drei Metallkonstruktionen – zum Beispiel in Y-Form -, die die Form eines Baumes widerspiegeln. In einer heimischen Schlosserei fand Janina Unterstützung, um ihr Projekt realisieren zu können. Beide Schülerarbeiten sowie der Beitrag ihres Kunstlehrers Jan Wille (Figurationen, die an menschliche Körper erinnern, auf einer 1 Meter mal 2 Meter großen Cor-ten-Stahlplatte) werden in der LGS entlang des Zick-Zack-Weges zu sehen sein.

Nun habe ich ein Problem. Die Metallkonstruktion ist keineswegs das Werk einer erwachsenen Künstlerin, sondern das einer Schülerin. Das moralische Aspekt schlägt unvermittelt und mit Wucht zu. Darf ich das in den Kontext „Ist das Kunst oder kann das weg“ setzen? Mich somit darüber lustig machen?

Nein, darf ich nicht. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen der Arbeit eines Schülers und der eines Künstlers, der zu Empfängen in Ateliers einlädt und Preisschilder an seine Werke hängt, die auch an Kleinwagen stehen könnten. Die Kreativität von jungen Menschen muss gefördert werden, zumal in diesem Fall augenscheinlich eine gewisse Energie in die Umsetzung investiert worden ist. Die Schülerin musste sich eine Werkstatt suchen, in der ihr Werkzeug und vielleicht auch Material zur Verfügung gestellt wurde. Vielleicht hat sie dort erst den Umgang mit den Werkzeugen erlernen müssen, vielleicht waren es die ersten Experimente mit diesem Material. Unterm Strich zählt also die Annäherung an die Kunst und an das Kreative mehr als das Ergebnis.

Mir liegt es fern, die Arbeit eines jungen Menschen zu diskreditieren. Was aber arg verstörend ist: Hätte man mir erzählt, diese Installation sei von einem großen, etablierten Künstler, ich hätte es sofort geglaubt. Man hat in diesem Zusammenhang ja schon einiges gesehen. Die Seite hinter diesem Link hat übrigens keinen Darstellungsfehler. Es ist tatsächlich die Abbildung eines Kunstwerkes und kann hier überprüft werden.

Letztlich ist genau das der Unterschied. Die Arbeit eines Heranwachsenden kann ich ernst nehmen, aber nicht jede Arbeit eines erwachsenen, von sich selbst überzeugten Künstlers.

In diesen Fällen bin ich gerne und aus Überzeugung Kunstbanause. Und deshalb werde ich mir das Poster bestellen.

Slayer in Bochum. Es soll nicht sein.

Slayer am 8.6.2010 nicht in Bochum

Ich hätte es mir fast denken können. Die Auftritte am Ring und danach in Hamburg haben an den Kräften von Tom Araya gezehrt. So sehr, dass er jetzt keine Stimme mehr hat – erzählte jedenfalls die Security-Frau, die an den Pfeilern die Absage-Schilder für das Slayer-Konzert im Ruhrcongress Bochum aufklebte. Offenbar hat die Band bis zum Schluss versucht, den Auftritt hinzubekommen – die Absage kam erst am späten Nachmittag. Und traf etliche Konzert-Besucher, die zum Konzerttermin gekommen waren, ziemlich unerwartet.

Damit ist auch der 3. Versuch von Slayer, in Bochum aufzutreten, gescheitert. Ob es einen vierten (im Rahmen der World-Painted-Blood-Tour) geben wird, ist derzeit nicht ganz klar. Auf den Schildern stand davon nichts. Nur, dass die gekauften Tickets wieder zurückgegeben werden können.

Unabhängig davon ist es derzeit ziemlich seltsam, dass die beiden anderen für diesen Abend vorgesehenen Bands nicht gespielt haben: Lamb of God und The Haunted. Beide Bands haben genug Qualitäten, um den Abend allein bestreiten zu können. Das wäre zumindest ein kleiner Trost gewesen, auch wenn der Großteil der Zuschauer  für Slayer zum Ruhrcongress gekommen ist.

Slayer in Bochum, 3. Versuch

Es ist der mittlerweile dritte Anlauf von Slayer, in Bochum zu spielen. Ursprünglich war das Konzert in Bochum im Dezember 2009 geplant. Eine Rückenverletzung von Tom Araya verhinderte den Auftritt. Er sollte am 13. März 2010 nachgeholt werden. Auch das klappte nicht, wieder wurde verschoben.

Vielleicht klappt’s jetzt – immerhin haben Slayer auf dem Rock am Ring gespielt. In der Nähe sind sie also schon mal. Demnächst stehen auch die Auftritte bei den Sonisphere-Festivals an – zusammen mit Metallica, Megadeth und Anthrax. Unter anderem am 18. Juni in der Schweiz.

Der dritte Anlauf für die World-Painted-Blood-Tour ist am Dienstag, 8. Juni 2010, im Ruhrcongress Bochum.