Monthly Archives: April 2010

Es qualmt

Seit einigen Tagen fahre ich nun ein neues Auto. Die Wahl auf den Opel Astra fiel nicht leicht, das Bauchgefühl störte und auch so einige schlechte Erfahrungen von Bekannten. Allerdings fahren diese deutlich ältere Modelle. Auch wenn der Wagen erst ein paar Tage alt ist, sollte hier ein erstes, kleines Fazit gezogen werden. Bis vor kurzem wäre es sehr gut, nahezu überschwänglich positiv ausgefallen. Wenn, ja wenn, nicht dieser kleine Zwischenfall gewesen wäre.

Das Auto fuhr ruhig durch die Innenstadt und vermittelte dieses sanfte Fahrgefühl, das ich in ähnlicher Form nur von größeren Wagen kenne. Alles war offenbar prima zusammengebaut worden, die Leute in Rüsselsheim hatten ganze Arbeit geleistet. Ich freute mich, den Astra gewählt zu haben.

Ich freute mich auch noch, als ich in das Parkhaus einfuhr. Nur der komische Geruch war etwas komisch. Strinkt ordentlich, dieses Parkhaus, dachte ich. Es stank auch in der ersten Etage, in der zweiten Etagen auch noch. Und als ich in die Parkbox einfuhr. Ich dachte mir nichts dabei, schaltete den Motor aus … und sah Qualm aus der Motorhaube aufsteigen.

Aus meiner Motorhaube! Aus meinem neuen Auto!

Mein! neues! Auto! qualmt!

Na prima. Nach nur ein paar Tagen so etwas. Offenbar war doch etwas am Bauchgefühl dran. Ich stieg aus und versuchte die Motorhaube zu öffnen. Das geht in der Regel einfach, doch bei einem neuen Auto, bei dem man noch nie die Haube geöffnet hat, muss erst nach dem Hebel gesucht werden. Das dauert ein paar Sekunden, und in dieser Zeit ließ der Qualm schon nach. Als ich die Motorhaube endlich geöffnet hatte, war alles verzogen. Nur den komische Geruch war noch da. Im Motorraum sah … alles normal aus. Zumindest glaube ich das. Letztlich wäre es egal gewesen. Selbst wenn etwas nicht in Ordnung gewesen wäre, hätte ich es vermutlich nicht erkannt. Meine Autokenntnisse sind, wie gesagt, ziemlich überschaubar.

Ich ließ die Haube wieder zufallen und ging zur Arbeit. Als ich aus dem Parkhaus ging, schaute ich nach oben, in Richtung der Etage, in der das Auto stand. Ich war darauf gefasst, Flammen aus der Brüstung züngeln zu sehen. Spontane Auto-Selbstentzündung. Vielleicht gibt es ja sowas, wer weiß. Natürlich brannte nichts, doch die eigene Paranoia muss gepflegt werden.

Kurze Zeit später rief ich beim Händler an, der mir ein paar Tage zuvor den Wagen übergeben hatte.

„Hallo. Sagen Sie mal, ist es normal, dass Neuwagen qualmen?“

„Ja.“

„Wie bitte?“

„Ja. Es qualmt aus allen Ritzen und Ecken.“

(Pause) „Ach tatsächlich. Und warum?“

„Das ist Wachs. In den Innenbereichen ist fast alles mit einer Schicht Wachs überzogen, damit das Auto geschützt ist. Das Wachs ist aufgrund der Temperatur vermutlich geschmolzen, auf ein heißes Motorteil getropft und so entstand der Qualm.“

„Und da muss man sich keine Sorgen machen?“

„Nein.“

Ich legte auf und versuchte, ihm zu glauben. Wenn es normal wäre, warum wurde das im Vorfeld nicht erwähnt? Und warum hatte Arbeitskollegen, denen ich aufgeregt den Vorfall beschrieben hatte, bisher nicht Ahnliches bei ihren Neuwagen erlebt?

Als ich am Abend zurück zum Parkhaus ging, flackerte vor dem geistigen Auge das Bild eines völlig ausgebrannten Astra-Wracks. Doch es hatte nichts gebrannt. Auch der Geruch war verzogen. Das Auto stand da, als ob nichts gewesen sei. Es sprang sofort an, fuhr normal und qualmte auch nicht wieder.

Bis jetzt, gut eine Woche später, hat es kein zweites Mal gequalmt. Das Misstrauen ist aber noch da. Ich warte lieber noch ein paar Wochen, bevor ich das erste echte Fazit ziehe.

Wacken 2010 ausverkauft

Mosh-Pit beim Wacken Open Air 2009 - (c) ICS Festival Service GmbH

Riesen-Mosh-Pit während des Auftritts von Machine Head beim 20. Wacken Open Air am 1. August 2009. (c) ICS Festival Service GmbH

Zugegeben: Die Meldung kommt etwas später als erwartet. Im Jahr 2008 war das größte Metal-Festival der Welt innerhalb eines Jahres gleich zwei Mal ausverkauft. Anfang 2008 für die 19. Auflage, dann im Dezember 2008 für das Jubiläumsfestival 2009.

Angesichts der Headliner, die schon seit geraumer Zeit feststehen, hätte ich darauf gewettet, dass auch für das 21. Wacken-Open-Air 2010 schnell die Ausverkauft-Meldung kommt. Immerhin spielen wieder Iron Maiden oben im Norden. Und ganz nebenbei Alice Cooper, Slayer und Mötley Crüe. Was für ein Line-Up! Fast scheint es, dass das Jubiläum nachgeholt werden soll – diese Besetzung hätte ganz hervorragend zum 20. Geburtstag 2009 gepasst.

Was natürlich nicht heißen soll, dass es beim W:O:A im vergangenen Jahr Abstriche gegeben hätte. Ganz im Gegenteil – es war, mal wieder, ein grandioses Festival.

So wird es wohl auch vom 5. bis zum 7. August 2010 sein – und nicht nur aufgrund der Bands, die in Wacken spielen. Der beachtliche Zulauf im vergangenen Jahr lag sicherlich am 20. Geburtstag – jeder wollte so schnell wie möglich sein Ticket haben. Wer sich in diesem Jahr etwas mehr Zeit gelassen und sich noch keine Karte besorgt hat … hat nun Pech. Heute, 7. April, kam die Ausverkauft-Meldung für das Wacken-Open-Air 2010:

Das W:O:A 2010 ist Sold out. Im fünften Jahr in Folge ist das weltweit größte Heavy Metal Festival schon schon frühzeitig  ausverkauft. In seinem 21 Jahr werden wieder 75.000 Fans aus der ganzen Welt vom 05. – 07.August in Wacken erwartet.  Wir freuen uns in diesem Jahr große Namen wie IRON MAIDEN, ALICE COOPER, SLAYER oder MÖTLEY CRÜE begrüßen zu können. Das gesamte diesjährige Billing kann auf www.wacken.com
eingesehen werden. Heavy Metal & Aktion und kein Ende – der Kult geht weiter …

Unter Umständen gibt es noch einige wenige Restkarte (etwa 120 Euro) bei diversen Händlern wie Eventim oder Metal-Travel.  Auf gar keinen Fall sollte man sich aber auf Schwarzhändler einlassen, die auf den enschlägigen Seiten Tickets zu Wucherpreisen anbieten. Zum einen gibt es keine Garantie, dass die so erworbenen Tickets echt sind, zum anderen haben diverse Angebote einen leicht illegalen Beigeschmack. Auch wenn die Rechtsprechung in diesem Fall nicht eindeutig ist.

Life of agony, Bochum Matrix

Life of agony, Bochum Matrix, 4. April 2010

Life of agony, Bochum Matrix, 4. April 2010

Lange hatten die Anhänger von Life of agony auf die Bühnen-Rückkehr der New Yorker gewartet, in Bochum sollte dieses Warten nun ein Ende haben. Und nicht nur das. Als Bonbon hatten Keith Caputo und seine Mannen nicht nur ein einfaches Konzert angekündigt, sondern die Live-Version ihres 1993er-Albums River runs red. Das legendäre Konzeptalbum in voller Länge. Entsprechend groß war der Andrang, die Matrix selbstredend ausverkauft.

Doch der heiß ersehnte Abend entpuppte sich als seltsames Konzert. Caputo zog es vor, nach ein paar Songs von der Bühne zu verschwinden und statt dessen im Fotograben zu hocken. Offenbar hatte ein Besucher seinen Plastikbecher auf die Bühne geworfen und dabei den Sänger getroffen. Der hatte fortan keine Lust mehr und verschwand direkt vor die Wellenbrecher. Dabei gibt es in der Matrix in der Regel gar keinen Fotograben. Die Veranstalter hatten ob des Andrangs auf das LOA-Konzert eine Ausnahme gemacht.

Keith Caputo von Life of agony, Konzert 4.4.2001 in der Matrix Bochum

Noch steht er auf der Bühne.

Caputo also (fast) auf Augenhöhe mit den Zuschauern, der Rest der Musiker auf der Bühne. Das hatte zur Folge, dass nur die Zuschauer in den ersten Reihen der Matrix-Katakomben den kleingewachsenen Sänger sehen konnten. Der Rest im ausverkauften Haus hatte den Eindruck, die Stimme kommt vom Band und auf der Bühne werden lediglich die Instrumente bearbeitet. Die Reaktionen der Zuschauer waren entsprechend von Frustration und Wut geprägt.

Ein Holländer, der mit ein paar Freunden mehrere hundert Kilometer Anfahrt plus Hotelübernachtung in Bochum in Kauf nahm, haute nach dem Konzert mächtig auf den Putz: Er wollte sein Geld wiederhaben, legte sich mit der Security an und brüllte mit erstaunlicher Kondition den Laden zusammen. Ob er das Eintrittsgeld tatsächlich zurückbekommen hat, weiß ich nicht. Ein Verantwortlicher ließ sich nicht blicken und wir zogen irgendwann ab. Noch außerhalb der Matrix hörten wir die lautstarken Beschwerden des Holländers.

Konzertbericht auf derwesten.de: Life of agony, nur für die erste Reihe

Eine Fotostrecke gibt es auch, nämlich hier.