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Peugeot 205

Der kleine rote Flitzer hatte schon einiges erlebt, als er in meine Obhut kam. Mein Vater wollte seinen in die Jahre gekommenen Mercedes 240D abgeben, wusste aber, dass sein Wagen nicht mehr viel wert war. Also schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe – indem er den Mercedes gegen einen Peugeot 205 tauschte, noch 1000 Mark drauflegte, und mir dann den Peugeot schenkte. Für meinen Vater hatte das den großen Vorteil, dass endlich der von ihm so verhasste Ascona B verschwinden würde.

Gute drei Jahre hatte ich den Ascona gefahren – länger, als jeder gedacht hätte. Sein Nachfolger wurde der Peugeot 205 GRD, den mein Vater von einem Araber abgekauft hatte. Das Herkunftsgebiet des Verkäufers ist deshalb von Bedeutung, da sie die Geschichte des Peugeots beeinflusst hat. Das kleine, rote Auto hat nämlich einen großen Teil seines Lebens in Libyen und anderen afrikanischen Staaten verbracht. Dort ist der Araber ziemlich oft hingefahren. Ja, gefahren. Mit einem Kleinwagen.

Als ich das Auto bekam, hatte es bereits deutlich mehr als 200.000 Kilometer auf dem Tacho. Schon eine ziemlich gute Leistung für den kleinen Franzosen, selbst für einen Diesel. Und er war seiner Zeit weit voraus. Moderat gefahren, verbrauchte er nicht mehr als vier Liter Diesel auf 100 Kilometer – das war lange vor der Ökosteuer. Wenn man ihn trat, konnten es sieben Liter werden.

Treten brachte aber nicht allzu viel. Die Höchstgeschwindigkeit betrug etwa 140 km/h, doch nur bei absteigender Strecke und mit nicht viel Gegenwind. Dennoch trifft das Eingangs benutzte Subjekt „Flitzer“ zu. Im Stadtverkehr hatte der Peugeot eine imposante Beschleunigung. Erst im vierten Gang machte er schlapp. Jemand, der sich mit Autos auskennt, hat mir mal den Grund dafür genannt, doch ich hab’s vergessen. Es war auch eigentlich egal, selbst wenn die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn selten höher als 100 km/h war.

Egal waren auch die weitere Abstriche. Der Komfort war spartanisch, der Kofferraum nicht nennenswert – und dennoch war der Peugeot das subjektiv beste Auto, das ich bisher gefahren habe. Es ging einfach nicht kaputt. Und wenn doch mal etwas repariert werden musste, so war es in der Regel ein Verschleißteil, das ausgewechselt werden musste. Der größte Schaden, an den ich mich erinnern kann, war ein gerissenes Kupplungseil. Innerhalb von einem Tag hat ein befreundeter Mechaniker den Defekt behoben. Ohne Hebebühne. Hinzu kam, dass die Teile preiswert waren. Ich selbst schraubte gelegentlich an dem Wagen herum – obwohl ich mich mit Autos so gut wie gar nicht auskenne. In der Regel habe ich schon Schwierigkeiten, den Ölmessstab im Motorraum zu finden. Und wenn ich ihn finde, kann ich mit den Angaben nichts anfangen. Dass ich bei meinen Reparaturversuchen nicht noch mehr Schaden angerichtet habe, spricht also sehr für den Franzosen.

Ohne zu murren fuhr der Peugeot 2500 Kilometer nach Griechenland und wieder zurück. Weil er wenig verbrauchte, liehen sich Freunde den Wagen aus, wenn sie längere Strecken zurücklegen hatten. Außerdem hatte er ein Schiebedach. Ein Vorteil, den kaum ein anderes Auto im Freundeskreis hatte.

Etwa sechs Jahre fuhr ich mit dem Peugeot in der Gegend herum. Die Kilometerstandanzeiger hatte mittlerweile die 350.000-Marke deutlich überschritten. Damals war ich freiberuflich als Journalist unterwegs und fuhr täglich beachtenswerte Strecken. Vermutlich hätte ich den Wagen noch ein paar Jahre länger behalten – wäre da nicht erneut mein Vater gewesen. Er war der Meinung, dass ich langsam ein vernünftigeres Auto fahren müsse, nicht mehr so ein kleines Klapperding.

Natürlich hatte mein Vater einen Hintergedanken. Meine Schwester hatte mittlerweile ebenfalls den Führerschein gemacht und wollte die neu gewonnenen Möglichkeiten nutzen. Grundsätzlich hatte mein Vater nichts dagegen – doch sein eigenes Auto wollte er ihr nicht geben. Wenn schon, dann sollte doch lieber mein alter Peugeot dran glauben …

Wie schon im vorherigen Fall überredete mich mein Vater, indem er mir ein neues Auto suchte und einen beachtlichen Teil der Finanzierung übernahm. Der Peugeot ging an meine Schwester – und als diese ihre berufliche und private Erfüllung im Süden Europas sah, begleitete sie der Kleine.

Und das tat er dort, in Griechenland, noch viele Jahre lang. Irgendwann hatte der Motor seinen Geist aufgegeben, doch der Rest des Wagens war noch sehr gut in Schuss. Kein Rost, nirgendwo. Für wenig Geld wurde ein Ersatzmotor organisiert und eingebaut. Damit, so erzählte meine Schwester,  änderte sich auch die Fahrleistung. Der Peugeot erreichte spielend die 180-km/h-Marke.

Als schließlich der letzte Weg zum Schrottplatz angefahren werden musste, zeigte der Tacho mehr als 600.000 Kilometer an.

Respekt, Peugeot.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Auto-Serie:

Einleitung

Teil 1: Ascona B. Automatik, verbleit

Teil 2: Peugeot 205

Ascona B. Automatik, verbleit

Eine Mischung aus Giftgrün und Braun. Mit welcher Farbe der Opel Ascona B irgendwann Ende der 70er Jahre vom Werksband gelaufen ist, konnte niemand mehr sagen. Gut, irgendein Grünton wird es wohl gewesen sein. Der Zahn der Zeit machte daraus etwas anderes. Schön sah das nicht aus. Zumal die Brauntöne vom wuchernden Rost herrührten. Mein Gott, kann das Ding überhaupt über einen Bordstein fahren, ohne auseinanderzufallen?

Das war die erste Frage, als ich dieses vermutlich einst schönes Fahrzeug sah, das nach einer Google-Blitzrecherche zwischen 1976 und 1980 gebaut wurde. Und doch, ich nahm ihn. Schließlich brauchte ich einen fahrbaren Untersatz und der entfernte Freund, genannt „Eisi“, war froh, die Rostlaube ohne Zahlung von Schrottplatz-Gebühren loszuwerden. Er überließ mir ihn, wenn ich mich richtig erinnere, gegen einen Kasten Bier. Den wir später übrigens zusammen austranken. Auf den ersten Blick eine günstige Art, an ein Auto zu kommen. Denn ein Schüler, gerade 18 geworden, hat nicht zwingend Folgekosten wie Versicherung und Steuer vor Augen. Und auch nicht die Reparaturen. Oh ja, die Reparaturen!

Es war im Frühling 1993, als der Wagen umgemeldet wurde, auf den Namen meines Vaters. Es bedurfte einiger Überredungskünste, ihn dazu zu bringen. Sein Gesichtsaudruck, als er den Ascona zum ersten Mal sah, hätte genauso gut zu einer dramatischen Hiobsbotschaft gepasst, die ihm gerade übermittelt worden ist. Selten, wirklich selten, habe ich meinen Vater sprachlos gesehen. Langsam, mit geweiteten Augen und offenem Mund schaute er sich den Metallhaufen von allen Seiten an. Ging von der Front zum Heck, wieder zurück, blieb vor der Motorhaube stehen – und sagte immer noch nichts. Wenigstens ein „Bist du jetzt total bescheuert“ hätte ich erwartet … aber es kam nichts. Endlose Sekunden lang nicht. Dann wollte er sich auf die Motorhaube auflehnen und zuckte plötzlich zurück. Er hatte wohl Angst, dass der Wagen bei einer Berührung wie in einem schlechten Film zusammenklappt, die Reifen abfallen und der Kühler ein finales „Pfüüüch“ haucht. Jedenfalls erweckte er diesen Eindruck.

Dann sagte er: „Nein.“

Es war letztlich wohl reiner Selbstzweck, dass er den Wagen doch anmeldete. Schließlich wollte ich zu jener Zeit ständig seinen Mercedes ausleihen, vor allem um die Band-Kollegen zu den Proben einzusammeln. Er wäge Lebensgefahr für den Sohn“ und „meine Ruhe haben“ ab und entschied sich für die Ruhe.

Er hatte sich getäuscht. Der Ascona musste erst einmal fahrtüchtig gemacht werden. Das übernahmen Mechaniker-Freunde meines Vaters, die ihn auch irgendwie durch den TÜV brachten. Um die Gefahr ein wenig zu verringern, spendierte mein Vater einen Satz Reifen. Die waren zwar gebraucht, aber dennoch um Längen besser als das fransige Zeug, das sich bis dahin um die Felgen spannte.

Ich hatte mein erstes eigenes Auto.

Und dann auch noch eins mit Automatik-Gangschaltung, 90 PS und Heckantrieb. Ein Geschoss, das mich auf direktem Wege in die Freiheit katapultierte. Eine nicht ganz billige Freiheit. Der  Ascona war, sprittechnisch gesehen, ein Fass ohne Boden. Bei normaler Fahrweise (was mit 18 Jahren und 90-PS-Automatik selten vorkommt) verbrauchte der Ascona etwa 20 Liter Benzin auf 100 Kilometern.

Verbleit, wohlgemerkt. Das war damals noch weit verbreitet, obwohl die ersten Tankstellen bereits anfingen, diesen Umweltkiller langsam aus ihrem Sortiment zu streichen. Bei moderater Fahrweise konnte man den Ascona auf nahezu fantastische 12 Liter/100 km runterbringen, doch durfte dafür die Tachonadel nicht die 80 km/h überschreiten. Es blieb also bei den durchschnittlich 20 Verbleit-Litern, manchmal, wenn ich es eilig hatte, wurden es sogar an die 25 Liter.

Das wurde billigend in Kauf genommen, die Preise für Kraftstoff waren ja recht günstig, verglichen mit heute. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, jemals aufgrund der Kosten auf das Auto verzichtet zu haben. Und ich war Schüler, hatte also grundsätzlich nicht viel Geld zur Verfügung.

Weitaus schlimmer als der Spritsuff war der -Gestank im inneren des Wagens. Irgend eine Leitung muss nicht ganz dicht gewesen sein, sodass ein permanenter Benzingeruch den Innenraum erfüllte. Die Konsequenz daraus war nicht etwa eine Reparatur – sondern ein Rauchverbot. Zwar hatte mal ein Bekannter, der gerade eine Lehre als Kfz-Mechaniker absolvierte, mal nach dem Grund geforscht. Doch er fand ihn nicht, und so ließen wir es gut sein. Es funktionierte ja alles, man musste bloß mit offenem Feuer vorsichtig sein.

Der Ascona dürfte auch der einzige Wagen dieser Zeit gewesen sein, den ein riesiges Tribal-Zeichen auf der Motorhaube zierte. Es war die Idee von Alexander, einem Freund und Schulkollegen, der sich augenscheinlich kreativ ausleben wollte. Er kaufte sich einen dicken Edding-Stift und malte einfach drauf los. Das Ergebnis war … furchtbar. Doch das hatte ich damals Alexander natürlich nicht erzählt. Ich sagte stattdessen so etwas wie „cool“ und „danke“. Alles andere wäre sehr unhöflich gewesen. Denn Alexander war ziemlich stolz auf sein Werk.

Leider finde ich kein einziges Foto mehr vom Ascona und auch nicht von der Tribal-Zeichnung auf der Motorhaube, obwohl es solche Bilder mit Sicherheit gegeben hat. Im Netz gibt es eine Menge Ascona-Fotos, so wie zum Beispiel hier.

Die meisten der verschollenen Bilder entstanden während der Reparaturen. Die übernahm in der Regel meine beste Freundin Sonja, die gerade bei Opel Nolte in Letmathe das Handwerk des Autoschraubens gelernt hatte. Und sie hat viel geschraubt. Im Laufe der Zeit musste so ziemlich jedes Teil ausgetauscht werden. Der Wasserkühler gleich mehrfach. In dieser Zeit lernte ich sehr gut, wie Schrottplätze funktionieren und wie das Gesuchte möglichst schnell gefunden wird.

Doch irgendwann wurde es meinem Vater zu bunt. Er wollte, dass ich den Ascona loswerde. Da ich mich, den Verlust der Mobilität vor Augen, weigerte, zwang er mich dazu.

Indem er mir ein anderes Auto besorgte. Für 1000 Mark kaufte er einem Arbeitskollegen einen Peugeot 205 ab und schenkte ihn mir. Allerdings mit der Bedingung, dass ich den Ascona loswerde.

Das tat ich, indem ich ihn weiterverschenkte. Mein Cousin, der damals in Gießen lebte, nahm ihn mir ab. Ich war zwar skeptisch, ob die Rostlaube die Strecke von rund 200 Kilometern ohne Schäden schafft, doch es klappte. Sogar mehr als ein halbes Jahr lang. Zwischendurch kam uns mein Cousin mit dem Ascona sogar mal besuchen.

Als mein Cousin nach Griechenland auswanderte, setzte er die Tradition fort – und verschenkte den Ascona weiter. Ein Student in Gießen nahm ihn.

Mir gefällt die Illusion, dass der giftgrüne Opel mit dem Edding-Tribal auf der Motorhaube noch immer irgendwo herumsteht. Vielleicht auch, dass er zwischenzeitlich von einem Ascona-Liebhaber restauriert wurde und sonntags zu Spazierfahrten ausgeführt wird.

Eine kleine Auto-Serie

Vor ein paar Wochen habe ich mir ein neues Auto bestellt. Wie immer war es nicht ein Lust-Kauf, sondern eine Notwendigkeit. Bisher bin ich jedes meiner Autos so lange gefahren, bis sie den Geist aufgaben. Das momentane Modell ist zwar noch nicht endgültig kaputt, doch seit mehr als einem Monat steht es in der Garage. Es könnte ein kleiner Elektrik-Fehler sein – oder ein kapitaler Motorschaden. Die Befürchtung, es könnte letzteres sein, hält mich vom Mechaniker fern. Denn der will dann ziemlich viel Geld für die Reparatur haben.

Die Entscheidung, ein neues Auto anzuschaffen, hat etliche Tage und Nächte der Grübelei verursacht. Soll ich es tun? Und wenn ja, welches Modell? Neu oder Gebraucht? Fragen über Fragen. Und zwischendurch immer wieder Gedanken an die Autos, die ich bisher gefahren bin.

Grund genug für eine kleine Serie, die in den kommenden Beiträgen mein bisheriges automobiles Leben und die Geschichten dahinter beleuchtet.

(Update 22. Februar 2010) Übersicht:

Der Ring XXL

Es wird wohl ziemlich schwierig, in diesem Jahr einen Bogen um Rock am Ring machen.  Zum 25. Geburtstag gibt’s ein Line-Up, mit dem das Festival dem Rock im Namen mehr als gerecht wird. Zum Beispiel: Kiss,  Rise against, Motörhead, Volbeat, Slayer, Airbourne, Lamb of God, As I lay dying, Bad Religion, Heaven shall burn … Erst vor kurzem sind Them crooked Vultures hinzugekommen.

Allein diese Auswahl reicht aus, um ein ausgewachsenes Metal-Festival auf die Beine zu stellen. Weil’s aber der 25. Ring-Geburtstag ist, gibt’s von Veranstalter Marek Lieberberg (MLK) noch ein extra-dickes Bonbon dazu: Einen weiteren Tag. Dank eines Feiertags in vielen Bundesländern (auch in NRW) startet Rock am Ring bereits einen früher als geplant, am 3. Juni. Das Festival erstreckt sich somit über vier Tage bis zum 6. Juni.

MLK ist dieser zusätzliche Tag hoch anzurechnen – denn er bringt dem Veranstalter keine nennenswerten Zusatzeinnahmen. Rock am Ring ist bereits so gut wie ausverkauft, es seien angeblich nur noch etwas mehr als 10.000 Tickets übrig. Auch für das Zwillings-Festival Rock im Park in Nürnberg werden die Karten knapp. Der vierte Ring-Tag ist also kein  Lock-Angebot. Sondern tatsächlich ein Geschenk zum Jubiläum.

Ein Festival für die Ruhr 2010

Metropole Ruhr Festival 2010

Metropole Ruhr Festival 2010

„Das Land NRW nimmt mächtig viel Geld in die Hand und lässt bunte Ballons auf alten Zechengeländen steigen. Da freuen sich dann auch viele darüber.“

Eine feine Spitze, die da von der Matrix Bochum in Richtung Kulturhauptstadtjahr geworfen wird. Nun ist es müßig, über die Qualität von Kulturveranstaltungen, vor allem im Bereich Ruhr 2010, zu diskutieren. Eine Daseinsberechtigung haben sie alle, auch wenn die Kosten gelegentlich diskussionswürdig sind. In einem Punkt hat das Matrix-Team, das so ganz nebenbei etliche Konzerte und Festivals auf die Beine stellt, aber recht: Im Ruhr-2010-Angebot ist der Bereich Rock in eher überschaubarem Rahmen vertreten.

Mit dem „Metropole-Ruhr-Festival 2010“ will dieses Team daher einen „inoffiziellen Beitrag“ zum Thema Kulturhauptstadt leisten: Am Sonntag, 4. April 2010, steigt in der Turbinenhalle Oberhausen ein kleines Festival mit dem ein oder anderen Leckerbissen. An diesem Tag werden von 13.30 bis 00.30 Uhr spielen:

  • Exciter
  • Flotsam and Jetsam
  • Living Death
  • Exumer
  • Savage Grace
  • Angel Dust
  • Omen
  • Witchburner
  • Failed Perfection
  • Eure Erben

Ein interessantes Billing, vor allem der Auftritt von Flotsam and Jetsam. Dennoch hat es das Festival noch nicht ins  offizielle Programm von Ruhr 2010 geschafft.

Karten kosten im Vorverkauf 27 Euro und können unter anderem bei musicatweb.com gekauft werden.