Monthly Archives: Februar 2010

Unbekannt, und ein Experiment

Vor mehr als einem Monat ist diese Seite online gegangen. Dennoch ist sie auf eine gewisse Weise offline. Denn es kennt sie noch niemand. Obwohl sie theoretisch gefunden werden kann … zunächst müsste es jemanden geben, der auch nach ihr sucht. Das tut aber niemand, weil ich bisher noch niemandem davon erzählt habe. Lediglich bei ein paar Katalogen wie Blogoscop und Bloggerei ist hargerockt.de angemeldet.

Ich schreibe derzeit also ins Off. Das ist nicht schlimm, zumal ich ohnehin primär für mich und nicht für andere schreibe. Es gibt allerdings ein paar Nebenwirkungen. Das Thema Musik zum Beispiel schlägt bisher eher leisere Töne an. Das wird sich in den kommenden Monaten nicht ändern, überhaupt wird sich die Anzahl der Beiträge wohl reduzieren. Grund ist zum einen die derzeitige Situation an der Arbeitsstelle, zum anderen ein anstehendes Experiment, das über mehrere Wochen laufen wird. Näheres dazu später.

Vermutlich werde ich erst nach diesem Experiment der Menschheit von der Existenz dieser Seite berichten.

Es wird ein Astra

Der neue Opel Astra (© GM Corp.)

Wochenlanges Grübeln und unzählige Konfigurationen auf den Webseiten der Autohersteller brachten schließlich die Erkenntnis: Das Auto, das ich haben will, kann ich mir nicht leisten. Also schraubte ich die Erwartungen um einige Level nach unten, schaute mir alle möglichen Modelle an … und stellte fest: So ein Auto will ich nicht haben.

Die Voraussetzungen für den Auto-Kauf sind in diesem Fall etwas anders: Es besteht keine Notwendigkeit, schnell ein Auto zu kaufen. Der Punto läuft noch. Es gibt also genug Zeit, nach dem richtigen Auto zu suchen. Und das ist schwierig, sehr schwierig. Etwas größer als der Punto soll der neue Wagen schon sein, aber auch nicht zu groß. Eine Limousine scheidet aus. Etwas mehr Power unter der Haube wäre auch nicht schlecht, liegt aber nicht allzu sehr im Vordergrund. Dann lieber mehr Schnickschnack. Ich stehe auf Schnickschnack im Auto: Navigationsgerät, iPod-Anschluss, Parkassistent. Solche Sachen. Und es muss einigermaßen vernünftig aussehen.

Gerade der letzte Punkt bereitet mir jedoch arge Schwierigkeiten. Es gibt derzeit kaum ein Auto, das ein gutes Design hat. Jedenfalls nicht in meiner Preisklasse. Peugeot, Renault, Fiat, Mazda, Seat … es mögen allesamt gute Autos sein. Aber die, die gut aussehen, kann ich mir nicht leisten (weshalb BMW, Mercedes und Lexus von vornherein ausfallen). Wie schon bei vielen früheren meiner Autos spielte letztlich mein Vater wieder eine wichtige Rolle. Er wollte mir keines aufdrägen, sondern gab mir nur einen Tipp: „Guck dir mal den neuen Astra an.“

Astra. Ein Opel.

Opel? In alle möglichen Richtungen hatte ich gedacht, nur nicht in diese. Der Insignia, ja, der gefällt mir – ist aber doch eine Nummer zu groß. Ein Astra, der hat aber dieses … Image. Andererseits hatte ich ähnliche Bedenken beim Fiat Punto – und wurde eines besseren belehrt.

Ich guckte mir also auf der Opel-Seite den neuen Astra an. Und war erstaunt. Bisher gehörte der Astra nicht unbedingt zu der Art von Autos, die meine Blicke einfingen. Das hat sich mit dem neuen Modell geändert. Das Design hat sich deutlich gebessert, und, was noch wichtiger ist: In  fast allen Testberichten schneidet der Opel gut ab. Eine ziemlich gute Figur, die der Astra abgibt.

Wie oft ich einen Astra konfiguriert habe, kann ich gar nicht zählen. Immer wieder mit anderen Herstellern verglichen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich endlich realisierte: Das ist das Auto, das am besten passt – und zwar in allen Bereichen. Angefangen vom Preis, über die Leistung, bis hin zur Optik. Ich bemühte mich, fand aber kein Argument gegen den Astra.

Anfang des Jahres habe ich einen bestellt. In gut einem Monat soll er da sein. Ich bin gespannt, ob ich richtig liege.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Auto-Serie:

Fiat Punto (2002)

Es musste schnell gehen. Beim Golf stand eine Reparatur des Wasserkühlers an, die ich nicht mehr zu bezahlen gewillt war. Das braune Auto hatte schon zu viel Geld und zu viel Sprit gefressen. 10 Liter Super, das war selbst im Jahr 2002 viel zu viel. Hinzu kam, dass das Einkommen zu der Zeit nicht gerade üppig war. Das Gehalt eines Volontärs, obwohl damals deutlich höher als heute, ließ keine großen Sprünge zu.

Trotzdem sollte ein neues Auto her. Die Betonung liegt auf neu. Dafür gab es zwei Gründe:

  1. Ich kenne mich nicht Autos aus. Wenn ich mir einen Gebrauchten zulegte, müsste ich zunächst schauen, ob der Wagen auch etwas taugt. Ohne Kenntnisse beschränkte sich der Qualitätscheck rein auf die Optik. Außerdem musste ich mich auf das Auto verlassen können und wollte nicht jeden zweiten Tag mit einem Defekt rechnen. Die Erfahrungen mit dem Golf hatten gereicht. Die Gefahr eines schwerwiegenden Defektes ist bei einem Neuwagen zwar nicht gleich Null, aber doch deutlich geringer als bei einem Gebrauchten, der wasweißichschon was erlebt hat.
  2. Es war günstiger, auf die monatliche Belastung bezogen, einen Neuwagen zu kaufen. Ratenzahlungen machen’s möglich. Diese gibt es zwar auch für Gebrauchte, wenn sie bei einem Händler gekauft werden. Das lohnt sich allerdings nicht, da die Zinshöhe weitaus höher liegt als bei einem Neuwagen-Kauf.  Nicht zuletzt gibt es das Risiko, dass das Auto den Geist aufgibt, während es noch nicht vollständig abbezahlt ist. Die komplette Summe auf einmal zu zahlen war schlicht nicht möglich. Siehe Gehalt.

Letztlich, als dritter und entscheidender Grund, hatte ich die Nase voll von alten Autos. Nach zehn Jahren der Automobilität wollte ich endlich einen zeitgemäßen Wagen fahren. Einen, der nicht allzu viel verbraucht. Einen, der mit so modischen Schnickschnacks wie elektrische Fensterheber daherkommt. Oder mit Tür-Fernbedienung. Servo-Lenkung wäre auch etwas Feines.

Fiat Punto, 2003 in GriechenlandBei der Entscheidung spielten weder Qualität noch Leistung des Wagens eine Rolle. Es war, ich gebe es zu, die Werbung. Fiat spielte zu der Zeit auf allen Kanälen die Spots für den neuen Punto, inklusive der attraktiven Finanzierungskonditionen. Der Gesamtpreis war ebenfalls attraktiv. Etwa 12.000 Euro. Mehr hätte ich mir ohnehin nicht leisten können.

Ein Kollege gab mir die Adresse eines guten  Fiat-Händlers, ich fuhr hin und kaufte einen. Beziehungsweise finanzierte ihn. Die einzigen Bedingungen: Es musste ein Diesel sein – und schnell zur Verfügung stehen. Für lange Lieferzeiten hatte ich keine Zeit. Es musste ja schnell gehen, ich brauchte ein Auto für die Arbeit. Der Händler nickte. Ein Fiat Punto JTD. 1,9 Liter Hubraum, 85 PS. Dreitürer. Elektrische Fensterheber waren drin. Auch eine Servo-Lenkung. Und eine Tür-Fernbedienung. Es wurde noch ein bisschen der Preis verhandelt, die monatlichen Raten wurden festgelegt, dann war der Kaufvertrag unterschriftsreif.

Eine Woche später holte ich den bereits zugelassenen Wagen ab. Weil der Händer nicht nur Fiat, sondern auch luxuriösere Modelle der Marke Alpha vertrieb, wurde aus der Übergabe ein Spektakel gemacht. Autos werden bei diesem Händler nicht einfach auf den Hof gestellt und abgegeben. Nein. Ich wurde in eine Halle geführt, in der Henry Maskes Einmarschsong „Conquest of paradise“ lief. Der Wagen war vollständig mit einem weißen Tuch bedeckt. Ob ich noch einen Kaffee trinken wollte, fragte der Händler. „Nein, ich will das Auto.“

Der Händler wartete noch einen Augenblick, bis der pompöse Teil des Songs ansetzte, und drückte einen Knopf. Das Tuch, in der Mitte an einer Schnur befestigt, wurde nach ruckartig nach oben gezogen, während ein Dutzend Lichtspots das Auto anstrahlten.

Das alles für einen simplen, kleinen Punto. Wahnsinn.

Zugegeben, ich war imponiert. Obwohl ich die ganze Zeit ein seltsames Bauchgefühl bei der Entscheidung hatte, einen Punto zu kaufen. Von Fiat hört man ja allerlei. Fehler in allen Teilen und so. Der Punto als Anführer der ADAC-Pannenstatistik. Das, allerdings, hätte sich mit der 2002er-Reihe erledigt, las ich in einem Test. Dort schnitt der Punto ziemlich gut ab.

Im Artikel wurde nicht übertrieben und mit meinem Bauchgefühl lag ich falsch. Der Fiat Punto, Baujahr 2002, der mit dem zeitlosen Design und den aggressiv anmutenden, schmalen Frontleuchten, sollte mein bislang bestes und zuverlässigstes Auto werden.

Fiat Punto JTD

Fiat Punto JTD

Nach knapp acht Jahren stehen rund 230.000 Kilometer auf dem Tacho, die Anzahl der Defekte in dieser Zeit kann ich an einer Hand abzählen. Streng genommen war es bis jetzt nur ein einziger schwerwiegender Defekt: Ende vergangenen Jahres ging Mitten auf der Autobahn plötzlich der Motor aus. Einfach so. Zuerst fing ein Warnlämpchen an zu leuchten (ich weiß nicht mehr welches, wahrscheinlich das für Öl), eine Sekunde später ein weiteres und noch eine weitere Sekunde später leuchtete alles, während der Motor ausging.

„Kapitaler Motorschaden“, spekulierte der ADAC-Abschleppmann, als er den kleinen Punto auf die Laderampe seines Lkw zog.

Es war kein Motorschaden, erst nicht kapital. Der Mechaniker brauchte eine ganze Weile, bis er den Grund herausgefunden hatte: Ein Sensor bzw. ein Rellais war durchgebrannt. Materialkosten: Ganze 25 Euro. Der Fehler tritt offenbar recht selten auf. So selten, dass das Ersatzteil hier nicht vorrätig war und aus Italien importiert werden musste. Nach ein paar Tagen war es angekommen, wurde eingebaut – und brannte sofort wieder durch. Der Mechaniker meines Vertrauens war ratlos und brauchte erneut einige Tage, bis er dem eigentlichen Grund des Defektes auf die Spur kam: Der Sensor war kaputtgegangen, weil die zwei Jahre zuvor ausgetauschte Batterie zu wenig Leistung brachte. Es hätte eine stärkere sein müssen, da der Wagen ein Diesel ist. Dass ich einen Diesel fahre, habe ich damals im Laden offenbar nicht erwähnt und der Verkäufer gab mir eine Standard-Batterie. Die hatte auch zwei Jahre durchgehalten, doch der letzte, ziemlich strenge Winter war wohl zu viel.

Die Batterie wurde gegen eine neue, leistungsstärkere ersetzt und der Sensor zum zweiten Mal ausgetauscht. Glücklicherweise hatte die Werkstatt gleich zwei Stück aus Italien schicken lassen. Gesamt-Materialkosten, also inklusive Batterie: rund 200 Euro. Das ist in Ordnung, zumal der Schaden vermutlich nicht passiert wäre, hätte ich nicht eine zu schwache Batterie gekauft.

Vermutlich ohne eigenes Zutun war vor einiger Zeit eine von vier Einspritzdüsen kaputt gegangen. „Sie pisst“, sagte der Mechaniker. Das ist offenbar die fachliche Beschreibung für eine Einspritzdüse, die den Diesel nicht in kleine Tropfen zerstreut, sondern einfach rausplätschern lässt. Die Folge: Der Motor springt nicht sofort an. Man muss den Zündschlüssel ein paar Sekunden länger als gewöhnlich auf der Start-Position halten. Wenn der Motor aber läuft, fährt das Auto ohne Probleme. Angeblich ist der Verbrauch etwas höher, wenn eine Düse nicht mehr richtig arbeitet. Das konnte ich allerdings nicht feststellen. Trotzdem ließ ich die Düse austauschen. Die Werkstatt meines Vertrauens hatte glücklicherweise ein gebrauchtes, aber noch voll funktionstüchtiges Teil finden können. Rund 300 Euro hat der Spaß gekostet.

Mit deutlich weniger schlug das gerissene Handbremsseil zu Buche. Das passierte ausgerechnet am letzten Urlaubstag. Ziemlich genau 28 Stunden, bevor ich zusammen mit meiner Freundin rund 500 Kilometer entfernt auf eine Fähre von Griechenland nach Italien fahren musste. Am nächsten Morgen war ich zu einer Werkstatt gefahren, die mir ein Bekannter empfohlen hatte. Dem Chef eklärte ihm die Situation – und er legte los. Er hatte sechs Stunden Zeit, dann müssten wir abfahren. Zur Not hätte das auch ohne Handbremse funktioniert, sicherlich. Aber ist schon ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass das Auto im Bauch der Fähre nicht unkontrolliert hin und her rollt. Das hätte zwar mit Bremsklötzen verhindert werden können – aber man kann sich nicht sicher sein, dass diese in der Fähre in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Man mag ja über die Arbeitseinstellung und die Mentalität der Südländer – hier der Griechen – spotten. Aber ich wage mal die Behauptung: Eine deutsche Werkstatt hätte das in dieser Geschwindigkeit nicht hinbekommen – erst recht nicht, wenn das Ersatzteil aus einer 200 Kilometer entfernten Großstadt per Linienbus (sic!) angeliefert werden muss – eine Express-Lieferung per Lieferwagen wäre deutlich teurer und hätte auch, kurioserweise, länger gedauert.

Der Chef der griechischen Werkstatt hatte dennoch alles hinbekommen. Die Werkstatt hat alles so perfekt getimed, dass das gerissene Teil ausgebaut war, ein Azubi das neue Handbremsseil an der Busstation entgegennahm, zurück zur Werkstatt raste, dem Chef das Teil in die Hand drückte und er es umgehend eingebaute. Ich war dabei. Ich stand daneben, als es passierte. Denn um Zeit zu sparten, packte ich die Koffer in den Wagen, während dieser auf der Hebebühne stand. Wir konnten rechtzeitig losfahren, waren pünktlich an der Fähre und kamen gut in Deutschland an. Ein Urlaubsabschluss mit Nervenkitzel. Noch einmal soll der Vergleich mit deutschen Werkstätten bemüht werden: Die punktgenaue Express-Reparatur des Handbremsseil hat insgesamt 150 Euro gekostet. Keine Ahnung, was angesichts der Umstände in Deutschland gekostet hätte. Aber ich vermute stark: mehr.

Eine weitere Episode, die in Erinnerung geblieben ist, spielte ebenfalls in Griechenland. Es war im Jahr 2005, wir waren auch da auf dem Weg zur Fähre. Sie legte morgens früh ab, weshalb wir Mitten in der Nacht losfahren mussten. Der Hafen liegt schließlich 500 Kilometer entfernt. Es war zwar kein Defekt, aber auch ein platter Reifen torpediert effektiv die Zeitplanung. Ein Uhr nachts, in der Nähe der Großstadt Thessaloniki, hauchte der Reifen seine Luft aus. Ein Reserverad hatte ich nicht, nur ein Notlaufrad. Diese kleinen Vollgummi-Dinger, mit denen maximal 80 km/h gefahren werden darf.  Theoretisch hätten wir es mit dem Notrad und einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h rechtzeitig bis nach Igoumenitsa, der Hafenstadt, geschafft. Aber eben nur theoretisch. Die Autobahn Egnatia war damals noch längst nicht fertig, ein beachtlicher Teil der Strecke bestand aus engen Serpentinen und schmalen Gebirgsstraßen. Der anspruchsvollste Abschnitt ist der Katara-Pass. Enge Straßen an steilen Hängen – und das über gefühlte 200 Kilometer. Eine Schnellsuche führte zu diesem Video, das die Situation (und vor allem die Belastung durch den Lkw-Verkehr) ziemlich gut zeigt:


Katarapass Griechenland Autofahrt – MyVideo

Aber zurück zum Notrad: Abgesehen von der schwierigen Fahrt ist es nicht für längere Distanzen gebaut. Auf die Erfahrung, in dunkelster Nacht auf einem einsamen Bergpass liegenzubleiben, kann ich getrost verzichten.

Wir versuchten also, in Thessaloniki Hilfe zu finden. Ein Anruf beim ADAC brachte keine Hilfe und so kurvten wir mit dem Notrad durch die im Schlaf liegende Stadt. Warum und mit welchem Ziel wir das taten, weiß ich nicht mehr. Auch wenn die Öffnungszeiten in Griechenland flexibler gehalten werden als in Deutschland, so war es doch ziemlich unwahrscheinlich, um (mittlerweile) 2 Uhr morgens eine geöffnete Werkstatt zu finden.

Wir fanden trotzdem eine. An einer Stelle waren wir von der Hauptstraße in ein Industriegebiet abgebogen, einfach so, ohne Grund. Wir fuhren die verlassene Straße entlang und sahen nach einer Weile ein hell erleuchtetes Gebäude, das wie ein Restaurant oder eine größere Kneipe aussah. Draußen saßen eine Menge Leute an Bänken, ein Holzkohlegrill brannte noch. Jemand brachte ein Tablett mit Getränken. Offensichtlich eine Feier. Eigentlich wollte ich weiterfahren, denn wir hatten schon eine Menge Leute nach Hilfe gefragt, ohne Erfolg. Doch die Schaufenster machten mich stutzig: Es lagen haufenweise Reifenfelgen darin. Vielleicht eine Kneipe mit Auto-Tuning-Motto? Ich hielt an und fragte: „Ist das hier eine Kneipe oder ein Autoladen?“ Eine Frau antwortete: „Weder noch. Wir sind eine Werkstatt. Wir machen gerade eine Betriebsfeier.“ – „Ach, tatsächlich? Ich hätte da ein Problem …“, sagte und deutete auf das Notrad.

Die Frau guckte einen Mann an, der wiederum guckte eine Jugendlichen an … und ohne jedes weitere Wort wurde mein Wagen hochgewuchtet, der kaputte Reifen in der Werkstatt weiter hinten von der Felge geholt, ein neuer aufgespannt und ans Auto geschraubt. Das ganze dauerte etwa 20 Minuten.

Ich war sprachlos. Dass die Griechen in vielerlei Dingen flexibel und spontan sind, wusste ich. Aber das hätte ich niemals erwartet. Wahnsinn.

Umsonst war die Aktion nicht. 150 Euro wollte der Werkstatt-Eigentümer für den neuen Reifen (es war ein ziemlich gutes Modell, von Bridgestone oder so)  haben. Ein günstigerer Reifen hätte es natürlich auch getan. Aber in so einer Situation fragt man nicht, man feilscht auch nicht. Man ist schlicht dankbar für die Hilfe um 2 Uhr nachts. Ich gab dem Mann die 150 Euro und 20 weitere Euro Trinkgeld. Auch in diesem Fall erreichten wir pünktlich die Fähre und kamen wohlbehalten in Deutschland an.

In Griechenland war der Punto bis jetzt übrigens drei Mal. Überhaupt hat das kleine Auto lange Reisen hinter sich, wodurch auch zum Teil die hohe Kilometerzahl erklärt wird. Vielleicht sind es gerade diese langen Autofahren am Stück, die zum guten Gesundheitszustand des Kleinwagens beigetragen haben. Jemand, der sich auskennt, erzählte mir mal, dass ein Auto schneller kaputt geht, wenn es nur für kurze Distanzen eingesetzt wird. (Dies mag vielleicht zum automobilen Basiswissen gehören, aber ich wiederhole mich gerne: Ich kenne mich mit Autos im Grunde nicht aus.)

Das war es. Über mehr Schäden kann ich nach acht Jahre und 230.000 gefahrenen Kilometern nicht berichten. Natürlich gab es die Inspektionen, die ich penibel eingehalten habe, nicht umsonst. Zwei Mal musste bis jetzt der Zahnriemen erneuert werden – nicht weil es gerissen war, sondern weil es nach einer gewissen Kilometer-Leistung empfohlen wird. Vergangenen Sommer habe ich eine neue Kupplung einbauen lassen. Die alte hätte es vermutlich noch ein paar Tausend Kilometer geschafft, doch ich wollte mit dem Punto nach Griechenland fahren und auf der sicheren Seite sein. Es wäre ziemlich blöd, während einer insgesamt 5000 Kilometer langen Reise auf dem Brenner-Pass mit einer kaputten Kupplung liegenzubleiben.

Die meisten Schäden und Defekte, die ich aufgelistet habe, sind innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre passiert. Langsam wird das Alter des Punto spürbar. Und deshalb kommt erneut ein neues Auto ins Haus.

Den Punto werde ich aber nicht abgeben. Vermutlich hätte ich ohnehin nur 1000 bis 2000 Euro dafür bekommen. Dafür, dass der Wagen noch ziemlich gut in Schuss ist, jede Menge Teile ausgetauscht (siehe Kupplung) wurden und er nur knapp fünf Liter Diesel auf 100 Kilometer schluckt, ist das zu wenig. Außerdem wäre da noch der ideele Wert. Der Punto und ich haben viel erlebt. Neben den langen und vielen Fahrten auch drei Umzüge. In den Punto passt mehr rein, als es den Anschein hat. Der Wert wird auch durch die chronische Krankheit des Fiat nicht gemindert: Die rechte Scheinwerfer-Glühlampe, die spätestens alle vier Wochen kaputt geht.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Auto-Serie:

Golf II

Das Auto wurde mir aufgezwungen. Ich hatte keinen Grund, mich vom Peugeot zu trennen, doch mein Vater überzeugte mich. Indem er einen Großteil der Finanzierung für den gebrauchten, braunen Golf II übernahm. Mein altes Auto sollte fortan meine Schwester fahren.

Und so war er dann da, der Golf. 1997 für 5000 Mark gekauft. Um es vorweg zu nehmen: Es war das bisher schlechteste Auto, das ich fahren musste. Und es hat einen derartig langen Nachgeschmack hinterlassen, dass ich auch heute noch keinen Golf haben will. Aber der Reihe nach.

Einen sonderlich guten Start hatten wir beide nicht, der Golf und ich. Technisch war er zu dem Zeitpunkt in Ordnung, und das war ein Pluspunkt. Ich brauchte allein aus beruflichen Gründen ein zuverlässiges Auto. Doch der Pluspunkt wurde durch die Optik zunichte gemacht. Diese Farbe! Braun. Ursprünglich war es wohl mal etwas wie Bronze, doch der Farbeffekt ging über die Jahre verloren. Immerhin war er gepflegt. Ein älterer Herr hatte ihn gefahren, beziehungsweise seine Frau. Schön zum einkaufen und dann direkt wieder in die Garage. Er war nicht mal richtig eingefahren. Aber so kam er auch rüber: Altbacken. Verstärkt wurde der Eindruck durch die klobigen Formen und dem biederen Interieur. Dann wäre noch dieser Geruch. Nur ältere Golfs können diesen Geruch produzieren, eine Mischung aus Mief, Mottenkugeln, Kunststoff und Altöl. Es ist ein so penetranter Geruch, dass selbst dutzendfach aufgehängte Wunderbäume ihn kaum übertünchen können. Selbst ausgiebiger Nikotinkonsum bei geschlossenen Fenstern änderte nichts daran. Man setzt sich morgens in den Wagen und sofort steigt der Golf-Gestank in die Nase.

Aber gut, damit konnte ich leben. Was viel mehr störte, waren die quäkenden Geräusche aus den eingebauten Lautsprechern. Wenigstens die Musik muss in Ordnung sein, dachte ich mir. Ich kaufte mir vernünftige Boxen und ließ mir von einem Freund, einem Schreiner, eine passgenaue Heckablage aus mehrfach beschichtetem, Holz in Klavierlack-Optik bauen. Für den verbesserten Sound. Unter die Holzablage schraubte ich einen Verstärker von Alpine. Man gönnt sich ja sonst nichts.

In der Tat hatte ich mit in Sachen Golf wirklich nichts mehr gegönnt. Es blieb die einzige Sonderausgabe in Zusamenhang mit diesem Auto. Sie bereitete mir exakt ein halbes Jahr Freude. Dann schlugen irgendwelche Idioten eines Nachts die Heckscheibe ein und rissen die sonderangefertige Heckablage raus. Inklusive Boxen und Verstärker. Die Schwachköpfe trennten nicht mal die Kabel ab. Sie rissen einfach alles mit Gewalt raus. Die einst für eine Menge Geld gekauften Kabel waren nicht mehr zu gebrauchen.

Von der geringen Summe, die mir die Versicherung nach dem Diebstahl überwies, ließ ich die Heckscheibe erneuern, kaufte eine Standard-Heckablage und ein Paar neue Boxen. Auf eine Endstufe verzichtete ich – der Alpine-Verstärker blieb mein einziger Ausflug in den Auto-Hi-End-Bereich. Und, um ehrlich zu sein, notwendig ist sowas nicht, jedenfalls nicht für mich.

Ich hatte ohnehin nicht vor, den Golf lange zu behalten. Der Verbrauch war mit durchschnittlich 10 Litern Super (dieses Mal allerdings bleifrei, wir machen ja Fortschritte) angesichts meiner Fahrleistung deutlich zu hoch. Mittlerweile waren ja auch die Spritpreise kräftig angezogen. Sonderlich rund lief der Wagen auch nicht, von Bequemlichkeit konnte keine Rede sein. Der einzige Vorteil im Vergleich zum Peugeot war die Größe und die höhere Endgeschwindigkeit.

Aus dem Plan, den Wagen möglichst schnell gegen etwas Besseres zu tauschen, wurde natürlich nichts. Über Jahre sollte mich der Golf begleiten. Und ich ihn in die Werkstätten. Etwa zur Jahrtausendwende stand der VW öfter in Werkstätten als vor der Haustür. Irgendetwas hatte er immer. Ein Relais war defekt, die Lichtmaschine, der Kühler, ein Teil der Elektrik …

Den skurrilsten Schaden – insgesamt über alle bisherige Fahrzeuge gesehen – hatte ich mit einer kleinen Kraftstoffwanne unterhalb des Motors. Ich weiß nicht mehr, wie diese Wanne in Fachkreisen genannt wird und warum sie überhaupt an dieser Stelle war. Laienhaft formuliert sollte sie dafür sorgen, dass der Kraftstoff ungehindert zum Motor fließen kann. Als ich eines Tages unvorsichtig auf unebenem Boden einparkte, riss ein Stein die Wanne auf. Ich merkte es erst, als ich in eine Kurve fahren wollte: Benzin tropfte aus der Wanne, ich fuhr mit den Hinterrädern über die Tropfen – und der Wagen machte eine 180-Grad-Wende, statt um die Kurve zu fahren. Nun ist das zwar eine interessante Fahr-Herausforderung, auf die Dauer jedoch nicht von Vorteil. Und die Behörden haben, glaube ich, auch etwas dagegen, wenn Kraftstoff auf die Straße fließt.

Die Reparatur erwies sich als schwierig. Selbst eine Fachwerkstatt hatte es nicht richtig hinbekommen. Die Wanne wurde zwar ausgetauscht, doch die Verbindungen zu den Schläuchen passten nicht. Warum? Keine Ahnung. Aber so kehrte das Problem mit schöner Regelmäßigkeit zurück. Da ich mittlerweile einen Job in einer ziemlich entfernten Stadt mitten im Nichts (tiefes Sauerland) angenommen hatte und täglich fast 200 Kilometer pendeln musste, war dieser Zustand unerträglich. Aber auch ein willkommener Grund, endlich den Golf loszuwerden.

Geld hatte ich zwar nicht, doch ich machte trotzdem den großen Sprung: die Anschaffung eines Neuwagens! Klein, unspektakulär, aber ein Neuwagen. Und zum ersten Mal ein Fahrzeugwechsel, an dem mein Vater nicht direkt beteiligt war.

Das alles heißt aber nicht, dass mein Vater sich nicht eingemischt hat. Den Golf abzugeben stieß bei ihm auf immenses Unverständnis. „Das ist ein Qualitätsauto! Das kannst du noch zehn Jahre fahren! Was willst du dir holen? Ein Neuwagen? Und dann noch nicht mal einen aus Deutschland? Du bist verrückt!“

Weil mein Vater den Golf zu einem beträchtlichen Teil bezahlt hatte, verzichtete ich darauf, ihn bei der Neuanschaffung in Zahlung zu geben. Statt dessen gab ich ihn meinem Vater zurück. Der lies ihn von allen Mechanikern, die er kannte, unter die Lupe nehmen. „Du wirst schon sehen, den werde ich für viel Geld verkaufen können“, sagte er. Doch bei den Inspektionen stellte sich heraus, dass neben der Spritwanne auch der Kühler erneuert werden musste. Vermutlich war es der Stolz, der meinen Vater darin hinderte, den Schrotthändler anzurufen. Statt dessen ließ er den Golf tatsächlich reparieren. Etwas mehr als 1000 Euro hat er dafür bezahlt.

Und den Golf schließlich für exakt 1000 Euro verkauft.

Ich hingegen stieg in ein fabrikneues Auto ein. Und zum ersten Mal in einen Wagen mit elektrischen Fensterhebern, Tür-Fernbedienung und Klimaanalge.

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Auto-Serie: