Monthly Archives: Januar 2010

Von Peter Bursch bis Leichenwetter

Es ist eine gute Freundschaft, und trotzdem verliert man sich aus den Augen. Das passiert immer wieder, Menschen kommen und gehen und nur selten können wir das beeinflussen. So ist es auch mit dem früheren Schul-Kollegen und ersten Musik-Freund passiert. Ganz dringend wollten wir damals eine Band gründen und Musik machen, auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal ein Instrument mein eigen nannte.

Doch irgendwann war die Chevy da (später wurde die Firma in Cherry umgetauft, glaube ich), eine E-Gitarre für Linkshänder. Ich brachte mir die ersten Akkorde mit einem Wandergitarren-Buch von Peter Bursch bei und ärgerte mich fürchterlich, dass er in den Anleitungen meine Linkshändigkeit ignorierte. Denn Bursch verzichtete gänzlich auf Noten und erklärte die notwendigen Handgriffe ausschließlich mit Punkten auf sechs Linien. Die sollten die Saiten symbolisieren, die Punkte bildeten einen Akkord. Ein simple, aber sehr effektive Technik, wenn ein Anfänger ohne jegliche musikalische Vorkenntnis an das Instrument Gitarre herangeführt werden soll.

Doch musste ich als Linkshänder stets die Akkord-Symbole gedanklich spiegeln, um sie mit meiner linken Hand greifen zu können. Das klappte zwar, verlangsamte aber gerade am Anfang die Geschwindigkeit des Fortschritts. Ich muss zu diesem Zeitpunkt so um die 14 bis 15 Jahre alt gewesen sein, hatte die obligatorische, ganz furchtbare Fokuhila und die Gedankengänge waren eher kurzsichtiger Natur. Wohl deshalb schrob ich Peter Bursch einen Brief, in dem ich seine didaktischen Fähigkeiten lobte, mich aber gleichzeitig freundlich, aber bestimmt über die sträfliche Vernachlässigung von Linkshändern beschwerte und Nachbesserung einforderte.

Einige Wochen später antwortete Peter Bursch. In einem netten Brief bedankte er sich für mein Feedback und freute sich, dass seine Arbeit mir das Gitarrenspiel näher bringen konnte. In den Brief hatte er auch eine unterschriebene Autogrammkarte gelegt. Obwohl ich nie darum gebeten hatte.

Vielleicht gerade deswegen stand Burschs Autogrammkarte viele Jahre auf einem Regal in meinem Kinderzimmer der elterlichen Wohnung. Irgendwann, vermutlich bei einem Umzug, ging sie verloren. Schade eigentlich.

Trotz der Linkshänder-Problematik hatte ich irgendwann das erste Lied zu spielen gelernt. The house of the rising sun. Das war’s, der Musikerkarriere stand nichts mehr im Wege. Dachte ich zumindest. Damals.

Daniel, der bereits erwähnte Schulfreund, und ich gründeten unsere erste Band. Weil zwei Gitarren dafür nicht reichen, kamen schnell weitere Schulfreunde hinzu: Jens am Bass und Christian am Mikro. Fehlte nur noch ein Schlagzeuger (der nicht nur Schlagzeug spielen wollte, sondern auch eins zur Verfügung hatte). Die Wahl fiel auf André, den Bruder eines Bekannten. Er hatte zwar kein eigenes Schlagzeug, spielte aber im Kolpingorchester und konnte sich das Drum-Set zum Üben ausleihen.

Doch noch wusste André nichts davon. Gefragt wurde er erst auf einem Stadtfest in Letmathe, wo sich zufällig unsere Wege kreuzten. Das lief ungefähr so ab:

„Ey. Du bist der Bruder von Maik, oder?“

„Ja.“

„Haste Bock in einer Band zu spielen?“

„Ja.“

„Schlagzeug?“

„Ja.“

„Ok.“

Sodann gingen wir wieder unserer Wege. Heißt: ich zu meinem Stamm-Bierstand, André zu seinem. Erst später, als wir schon als Band zusammen spielten, erfuhr ich, dass meine Frage auf dem Stadtfest zu Irritationen geführt hatte. André war deutlich jünger, ich hatte mittlerweile eine ordentliche Matte auf dem Schädel und eine Körperfülle erreicht, die offenbar respekteinflößend war. Vermutlich hatte André sich einfach nicht getraut, „Nein“ zu sagen.

Aber alles wurde gut, wir eine Band und auch Freunde. Ein bis zwei Mal in der Woche holte ich André mit dem Mercedes 240D meines Vater ab, wir packten sein Schlagezug-Set ins Auto und fuhren zur Garage von Daniels Eltern. Dort war unser Proberaum, dort entstanden die Songs, die die Welt verändern sollten. Zumindest unsere, kleine, überschaubare Welt. Rondra’s year, zum Beispiel. Hitverdächtige 2.58 Minuten lang, eingängige Melodie und simpel strukturiert. Nicht bewusst simpel, sondern bedingt durch ein eher überschaubares Können an Instrumenten.

Doch das Können wuchs stetig, jedenfalls bei den meisten, wir hatten uns Wonderful Disgust genannt und spielten irgendetwas zwischen Rock und Metal. Ab und an konnten wir sogar auftreten. Live. Was für ein Adrenalinkick. Der erste Gig war auf einer Kellerparty unseres Freundes Willi. Wir waren unsagbar schlecht und fühlten uns trotzdem grandios. Mittlerweile hatten wir auch ein akzeptables Equipment; ich einen 40-Watt-Verstärker von Marschall, Daniel sogar einen Röhren-Amp und Christian eine Gesangsanlage.

Damit folgten diverse Auftritte in Jugendzentren. André hatten wir (vornehmlich ich) überredet, sich endlich eine Double-Base-Maschine zu kaufen. Metal ohne Double-Base, das geht ja gar nicht. Eigentlich mochte André das Gewummere nicht sonderlich, doch ab und an tat er uns (besser: mir) den Gefallen und setzte sie ein.

Ich erinnere mich an einen Auftritt im Iserlohner Jugendzentrum Karnacksweg, zu dem auch mein Vater kommen wollte. Er erschien mit Anzug und Krawatte. Zwischen all den langhaarigen Chaoten wirkte er wie ein Außerirdischer. Die Fotos, die er von unserem Auftritt gemacht hatte, waren alle unscharf. Es muss sehr schlimm für ihn gewesen sein.

Einen Höhepunkt in unserer jungen Karriere erreichten wir mit der Teilnahme am „24-Stunden-Festival“ im damaligen Hemeraner Point One. Ich glaube, wir spielten gegen 4 Uhr morgens vor gut einem dutzend Betrunkener, die vergessen hatten, nach Hause zu gehen. Trotzdem war es eine herausragende Erfahrung, unser Auftritt wurde sogar professionell mitgeschnitten. Irgendwo muss es noch eine Kassette davon geben, und auch ein paar Demo-Aufnahmen. Leider haben die Tapes meinen Sprung ins digitale Zeitalter nicht überlebt.

Es wäre schön, sie zu haben. Denn es sind Andenken an meinen keinen Ausflug in die Musikwelt. Irgendwann reifte nämlich die Erkenntnis, dass allein der Wille, Musik zu spielen, nicht ausreicht. Können und Talent haben auch was damit zu tun. Beides war bei mir eher rudimentär ausgeprägt.

Ich beendete daher das Kapitel Rockstar und legte die Gitarre in den Keller. Der Rest hingegen hatte sowohl Können als auch Talent und machte weiter. Doch Wonderful Disgust sollte es nicht mehr lange geben.

Le cri du mort im Point One Hemer, 1998

Le cri du mort

Daniel, Jens und André gründeten die Band Le cri du mort – etwas ganz anderes als Wonderful Disgust. Mit Geige, Sänger und Sängerin im Bereich Gothic-Metal angesiedelt. Und in Sachen Qualität auf einem erheblich höheren Niveau. Le cri du mort gibt es heute auch nicht mehr. Jens und André machen trotzdem noch zusammen Musik – bei Einweg, und das musikalisch ziemlich eindrucksvoll, auch wenn es nicht unbedingt mein Geschmack ist.

Daniel hatte schon während der Le-cri-Zeit ein Nebenprojekt Namens Leichenwetter gegründet. Werke großer deutscher Dichter wurden in ein dunkles und hartes Klangbett gelegt. Ein Konzept, das damals einzigartig war und auch noch heute herausragt.

Leichenwetter wurde schnell recht erfolgreich, mittlerweile hat die Truppe mehrere Platten herausgebracht und sich eine große Fan-Gemeinde erarbeitet. Am Freitag, 5. Februar 2010, spielen Leichenwetter mal wieder in der Heimat, im Iserlohner Fairwell.

Diese Konzert-Ankündigung hat die eigenen musikalischen Eskapaden wieder aus der Erinnerung geholt. Im Gegensatz zu Jens und André ist der Kontakt zu Daniel abgebrochen. Warum … weiß ich nicht. Man verliert sich halt aus den Augen, Menschen kommen und gehen. Dabei wohnt Daniel gerade einmal einen Kilometer Luftlinie entfernt (sofern er nicht umgezogen ist).

Wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich am 5.2. zum Konzert. Alte Freunde wiedersehen.

Der Metaller an sich

Nur ein Satz – und doch nahezu vollständige, vielfach zutreffende Beschreibung:

Ein Großteil aller Heavy-Metal-Fans sind Spießbürger, engstirnig, tragen (…) Scheuklappen, sind intolerant anderen Musikststilen gegenüber, zumeist auch noch stolz darauf und trotzdem irgendwie symphatisch.

Aus einem Leserbrief eines Herrn Vogel in der Rock-Hard-Ausgabe Nr. 273, S. 55.

Gema will Gebühren für Weihnachtslieder

Die Gema, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, schießt mal wieder über das Ziel hinaus – und ein Eigentor. Zunächst eine kurze Erklärung: Einfach formuliert soll die Gema dafür sorgen, dass Künstler für ihre Werke Lohn erhalten. Das passiert über Gebühren. Wenn das Lied eines Künstlers (also Musiker, Autor, Komponist, etc.) zum Beispiel im Radio gespielt wird, zahlt der Sender eine Gebühr und die Gema gibt das Geld an den Künstler weiter.

Das ist allerdings sehr grob wiedergegeben. Denn der Künstler erhält die Gebühren bei weitem nicht im Verhältnis eins zu eins. Wie das Prinzip funktioniert, steht recht allgemein gehalten auf dem Westen-Gerockt, der Vorgänger-Plattform von hartgerockt.de: Wucher und Abzocke bei der Gema? lautet der Titel, der Text vom Juni 2009 beschäftigt sich mit der teils drastischen Anhebung der Konzertgebühren. Diese ist mittlerweile im großen ganzen und nach vielen Diskussionen umgesetzt worden.

Nun rückt die Gema erneut in Mittelpunkt des Medien-Interesses: Sie will von einem Weihnachtsmarkt-Veranstalter 23,01 Euro haben – weil ein Kinderchor drei Weihnachtslieder gesungen hat:

Weil 30 Grundschul- und Kindergartenkinder auf einem Weihnachtsmarkt in Holzen „Oh Tannenbaum”, Jingle Bells” und „Kling Glöckchen” gesungen hatten, schickte die GEMA an den Marktveranstalter „IG Holzen aktiv” eine Rechnung: 23,01 Euro.

(…)

Vor wenigen Tagen dann der bittere Nachgeschmack: Die GEMA schickte Rudi Gaidosch – ohne Begründung – die Rechnung für den Kurzauftritt der Kleinen: 23,01 Euro. Im Prinzip nicht viel Geld – aber aus Prinzip „ein Ding der Unmöglichkeit”, findet Gaidosch. Da freuten sich Kinder, mal vor ihren Eltern und Verwandten auftreten zu können – und dann das. Für Gaidosch steht fest: „So demotiviert man ehrenamtliches Engagement.”

Der Aritkel ist bei der WR Dortmund erschieben und auf derwesten.de hier nachzulesen.

Stinkendes Manowar-Konzert

Auf ihre Fans lassen sie nichts kommen, würden alles für sie tun. Sogar sterben. Das eher grenzwertige Zitat von Joey DeMaio während eines Rock-Hard-Interviews ist noch immer die Einleitung  zur Manowar-Biography auf der Band-Seite. In einem Fall wird Herr DeMaio seine Einstellung überdenken: Während des Auftritts von Manowar in Fürth am 18. Januar hat ein Zuschauer Buttersäure in der Menge verspritzt. Die Fürther Nachrichten berichten, dass das Konzert kurz vor dem Abbruch stand, nachdem mehrere Menschen ärztlich versorgt werden mussten und ein Teil der 1500 Besucher die Halle verlassen hatte.

Aber das wäre unfair gegenüber den restlichen Fans gewesen, dachten sich wohl die Herren von Manowar. Sie spielten weiter. Ein bisschen Kotze-Gestank kann einen richtigen True-Metaller schließlich nicht von seiner Mission aufhalten.

Wer die Buttersäure geworfen hat, ist nicht bekannt. Laut Angaben der Zeitung ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung und will nun zur Klärung Video-Aufnahmen auswerten. Von einem Zwischenfall während des Fürth-Gigs schreiben auch die Nürnberger Nachrichten – da ist allerdings nur von einer „Stinkbombe“ die Rede, die von einem „frustrierten Fan“ auf die Bühne geworfen worden sei.  Dies sei symbolisch für das Konzert gewesen, das die Erwartungen nicht erfüllt habe. Laut Bericht fehlen bei der „Death to infidels“-Tour die Klassiker, das Bühnenbild sei im Vergleich zu früheren Auftritten eher bescheiden.

Dennoch hier der Hinweis auf den Auftritt von Manowar in Köln: Am Sonntag, 31. Januar 2010, geben sich die einzig wahren Wahrmetaller im Palladium die Ehre. Mit dabei sind Holy Hell und Metalforce.  Beginn ist um 19 Uhr, Karten im Vorverkauf kosten 60 Euro.