Daily Archives: 17. Januar 2010

Umzugskartons

KartonsEin Umzug hat, zumindest bei mir, fünf Phasen. Die erste ist philosophischer Natur und basiert auf den aufkeimenden Gedanken, die Unterkunft zu wechseln. Die Dauer dieser Phase ist schwierig einzuschätzen und sie kann sich, sofern drängende Faktoren (Arbeitsplatzwechsel, Strafversetzung, Heirat, Scheidung …) keine Rolle spielen, über mehrere Monate strecken. Schuld daran sind die mehrfachen Rückzieher: Ach nee, ich mach‘ es nicht. Dieser ganze Stress und die Arbeit, hier ist’s doch auch schön …

Erst im letzten Fünftel der ersten Phase hat sich der Gedanke derartig manifestiert, dass beinahe von einem Entschluss die Rede sein kann.

Das ist der fließende Übergang auf Phase zwei: Die reale Vorbereitung. Diverser Kram wird schon zur Seite und vielleicht auch in Kartons geräumt, obgleich die neue Heimat noch gar nicht gefunden ist. Die Suche danach läuft nämlich parallel. Projekte und notwendige Arbeiten in den alten, noch aktuellen Wänden werden erst gar nicht angegangen. Es lohnt sich ja nicht. Auch diese Phase kann sich in beachtliche Längen ziehen.

Eilig bei einem Umzug wird’s lediglich bei Phase drei, die umgehend nach dem Unterschreiben des neuen Miet- oder Kaufvertrages eintritt: Passend machen, Wände einreißen oder hochziehen, Tapete aussuchen und Renovieren. Man hat nämlich keine Lust mehr, zwischen Kartons zu leben, freut sich auf das Neue und will dort ankommen.

Das passiert in Phase vier. Mobiliar, Kisten und Haustiere werden in die neue Bleibe geschleppt. Das Notwendigste (Bett, Fernseher) wird sofort aufgebaut und die essentielle Utensilien werden ausgepackt (Teller, Besteck, Fernbedienungen). Hurra, der Umzug ist geschafft.

Wenn da nicht noch Phase fünf wäre: Das vollständige Einrichten und das Auspacken aller Kartons. Erfahrungsgemäß kann sich diese letzte Phase ebenfalls in die Länge ziehen und in manchen Fällen sogar bis zum nächsten Umzug andauern. Als ich vor Jahren aus beruflichen Gründen umzog, schleppte ich einen Karton in die neue Wohnung, ohne diesen zuvor beschriftet zu haben. Einfach Sachen rein, zugeklebt, in den neuen Keller gelegt  – und vergessen. An diese Kiste erinnerte ich mich erst wieder, als ein weiterer Umzug anstand. Ich erinnerte mich zwar daran, den Karton in Keller gelegt zu haben – aber nicht mehr, was in ihm sein könnte. Reingucken wollte ich aber erst in der neuen Wohnung. Ich war in Phase drei und hatte es eilig.

Dummerweise landete der Karton auch in der neuen Wohnung im Keller. Und da die fünfte Phase, wie gerade behauptet, sich arg in die Länge ziehen kann, blieb er auch dort. Ungeöffnet. Einige Jahre lang. Bis zum nächsten Umzug. Doch dieses Mal legte ich ihn nicht wieder in den Keller. Ich brachte ihn zur Deponie und warf ihn weg, ohne zuvor hineingeschaut zu haben. Was drin war … keine Ahnung. Aber das Zeug lag jahrelang im Keller herum, ohne dass es vermisst wurde. Wichtig kann es also nicht gewesen sein.

Erstaunlicherweise läuft ein Umzug im Web sehr ähnlich mit einem realen Wohnungsumzug ab. Auch im Netz gibt es die fünf Phasen. In der Zweiten hatte ich neue Projekte auf Eis gelegt und sammelte das Material in Kisten, um es in Phase vier hierhin zu bringen. Das Material sind potenzielle Beiträge, die Kisten sind Verzeichnisse oder Bookmarks. Hinzu kommt noch ein unübersichtlicher Wust an markierten Artikeln im News-Reader. Wer den Google Reader benutzt und das gelbe Sternchen kennt, weiß, wovon ich spreche. Und dann wäre da noch ein beachtlicher Stapel von Promo-CDs, die besprochen werden wollten (und in manchen Fällen immer noch wollen).

Momentan stecke ich also in Phase fünf fest. Und überlege, es ähnlich zu handhaben wie damals mit dem Karton. Einfach wegwerfen.

(Das Bild wurde während eines Umzuges von Verwandten kurz nach der Jahrtausendwende aufgenommen. Man beachte die Tapete.)

Einzug

Hart gerockt auf DerWesten.deNun also hier.  Mehr als zwei Jahre lief Hart gerockt unter dem Dach des Westens, jetzt wird’s Zeit, das Projekt auf eigene Beine zu stellen. Nicht, dass es mir dort, unter der Obhut meines Arbeitgebers, der WAZ-Mediengruppe, nicht mehr gefiele. Doch das System engt zwangsläufig den Spielraum ein, da es für alle Autoren eine gemeinsame Basis bildet und somit, wie alle derartigen Systeme, ein Kompromiss ist. Die notwendigen Funktionen werden zwar zur Verfügung gestellt, doch kann es – architekturbedingt – nicht mit der Flexibilität einer eigenen Plattform verglichen werden.

Ein weiterer Punkt ist die thematische Festlegung. Auf dem Westen-Gerockt dreht sich (fast) alles um schwermetallhaltige Musik. Eine Eingrenzung, die ich oft genug missachtet habe. Zwar wird auch hier, wie Titel und Adresse richtig vermuten lassen, die Musik eine wichtige Rolle spielen – aber eben nicht nur.

Das neue Gerockt läuft autark und wird von Wordpress angetrieben. Lange hatte ich überlegt und mir diverse Blog-Systeme angeschaut. Zeitweise hatte ich sogar darüber nachgedacht, ein eigenes zu schreiben. Da ich aber nur ein Hobby-Coder und weit von den Fähigkeiten anderer Leute entfernt bin, wurde die Neuerfindung des Rades verworfen. Auch wenn Wordpress von vielen kritisiert wird, so habe ich doch (für mich) keine vernünftige Alternative gefunden.

Das Gerockt-Blog unter dem Dach von DerWesten bleibt mit seinen Inhalten bestehen. Außerdem ist da ja noch Kollege Volker, der für gelegentlich für Neues sorgen wird. Ich rocke hier weiter. Nur ein bisschen anders.