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In Menschenjahren ist er bereits 65. Nicht wirklich ein hohes Alter, aber bei Katzen läuft eben nicht alles so wie bei Menschen. Noch vor wenigen Tagen tobte er durch die Wohnung und niemand glaube mir, wenn ich sein Alter nannte. 13 Jahre. 13 Jahre, die er stets an meiner Seite verbracht. Ein Lebensgefährte.

Vor dem Wochenende wurde er ein wenig ruhiger und verbrachte den größten Teil des Tages mit Schlafen. Kurz darauf hörte er auf zu fressen.

In der Vergangenheit ist so etwas gelegentlich mal vorgekommen. Kann am Wetter liegen, oder im passt das Fressen nicht. Trotzdem macht man sich Gedanken, er ist schließlich nicht mehr der Jüngste. Gedanken, die sich zunächst um einen Tierarzt am Montagmorgen drehen, irgendwann aber auch in Richtung Abschied gehen. Als rational denkender Mensch verdränge ich so etwas nicht. Ich darf den Abschied nicht verdrängen, sondern muss mich darauf vorbereiten. Er ist 13, es kann nicht ewig so weitergehen.

Ich war vorbereitet, als ich heute Morgen zum Tierarzt ging. Dachte ich. Dann sagte der Tierarzt: „Vermutlich Darmtumor, sieht nicht gut aus.“ Es dauerte nur wenige Sekunden, bis das vermeintlich so gut gebaute gedankliche Konstrukt der Vorbereitung wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel und aus dem Trümmerhaufen die Realität mit der Wucht eines Kinnhakens traf.

Die abschließende Diagnose steht noch aus. Der Arzt hat ihn da behalten, für weitere Untersuchungen. Ohne große Hoffnungen zu machen.

Ich bereite mich erneut vor. Und versuche die andere Katze zu trösten, die durch die Wohnung rennt und ihren Bruder sucht.

Geschrieben am 16. Juni 2008 auf derwesten.de. Es war kein Darmtumor, es war das Herz. Etwas mehr als zweieinhalb Monate hat er noch durchgehalten.
Bruce starb heute vor zwei Jahren.

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