1. Rock-Hard-Night in Dortmund

Rock-Hard-Night, 30. Januar 2010, FZW Dortmund

Rock-Hard-Night, 30. Januar 2010, FZW Dortmund

Das in Dortmund beheimatete Magazin Rock Hard gilt als eine der wichtigsten Publikationen in der Metal-Szene. Die Macher haben aber nicht nur ein meinungsbildendes Magazin etabliert, sondern auch ein außergewöhnliches Festival im Ruhrgebiet: Das Rock-Hard-Festival im Gelsenkirchener Amphitheater. Jetzt hat das Rock Hard erneut sein Spektrum erweitert. Mit der 1. Rock-Hard-Night im Dortmunder Freizeitzentrum West (FZW) ist am 30. Januar 2010 eine neue, ebenfalls außergewöhnliche, Mini-Festival-Reihe gestartet.

Festival bedeutet in diesem Fall aber nicht nur eine Ansammlung von Bands, die an hintereinander spielen. Holger Stratmann, Gründer und Herausgeber des Rock Hard, will die Bereiche des Musik-Genres beleuchten, die in der Regel selten vom Scheinwerferlicht erfasst werden. Musik, die in der öffentlichen Wahrnehmung eher am Rande spielt und daher seltener gehört wird.

Dazu gehört die reine Instrumental-Musik. Mit Kong und Long Distance Calling hat das Rock Hard zwei wichtige Bands aus diesem Bereich ins Dortmunder FZW geholt – und ist damit einen mutigen Schritt gegangen. Einen ganzen Abend mit reiner Nischenmusik anzubieten ist nicht unbedingt eine Garantie für regen Publikumsandrang. Allerdings war die Anzahl der Eintrittskarten limitiert – zum einen, um die Exklusivität dieses Abends zu unterstreichen, zum anderen, da der Club-Bereich des FZW ohnehin nur eine begrenzte Zuschauermenge zulässt.

Dass sich die Rock-Hard-Night letztlich doch in der großen, mehre Tausend Besucher fassende Halle abgespielt hat, liegt an einer Panne: Erst kurz zuvor hat sich herausgestellt, dass die akustischen Bedürfnisse von Kong im engen Club-Bereich nicht realisieren lassen. Kong aus den Niederlanden setzt auf das quadrophonische Soundsystem – vier Bühnen, die auf jeweils einer Seite der Halle stehen und somit das Publikum quasi umringen – und das besonders im akustischen Sinne. Der Zuschauer hört die Musik vorne und hinten, links und rechts.

Ein seltenes, eindrucksvolles, sinnliches Erlebnis. So gesehen hat sich die Panne als Glücksfall erwiesen. Die FZW-Halle, erst vor kurzem erbaut, hat glänzende akustische Qualitäten, aufgrund der limitierten Tickets blieb die Bewegungsfreiheit angenehm. Die Wirkung der Musik konnte sich optimal entfalten.

Kong gelten als Vorreiter der instrumentalen Musik im weitläufigen Metal-Bereich und haben sich im Laufe der Jahre fast einen Helden-Status erspielt. Entsprechend wurden die vier Musiker im FZW auf ihren jeweiligen Bühnen vom Publikum gefeiert.

Long Distance Calling, Cover Avoid the light

Long Distance Calling, Cover Avoid the light

Ein guter Auftritt, keine Frage. Doch mein persönlicher Höhepunkt der Rock-Hard-Night hatte zuvor gespielt: Long Distance Calling. Von dieser jungen Band aus dem Münsterland hatte ich bisher nichts gehört – nur etwas gelesen. Der Name war also bekannt, die Musik nicht.

Um es vorweg zu nehmen: Direkt nach dem Auftritt von Long Distance Calling habe ich am Merchandise-Stand die aktuelle Platte Avoid the light (erschienen am 24. April 2009) gekauft. Denn was die Jungs mit ihren Instrumenten anstellen, ist ein ganz großes Tennis. Selten hat instrumentale Musik so mitgerissen, selten hat reine Musik so spannend gewirkt. Fein aufeinander abgestimmt erzählen die Instrumente Geschichten; die Phantasie wird beflügelt, die Musik geht ins Blut. Nur selten wird eine Stimme vermisst, die Gesangslücke wird gekonnt mit Klang gefüllt. Episch sind die Stücke, ausgereift und glänzend gespielt. Eine Empfehlung nicht nur für Instrumental-Liebhaber.

Das Konzept der ersten Rock-Hard-Night ist aufgegangen und bleibt als gelungener Abend in Erinnerung. Ein prima Start für die Mini-Festival-Reihe, die das Rock Hard unregelmäßig regelmäßig im FZW steigen lassen will. Der nächste Termin ist am 30. April – sozusagen ein Rock in den Mai. Kurz vor dem großen Rock-Hard-Festival soll es eine Aufwärmparty geben.

Auf eine bestimmte Richtung der Rock-Hard-Nights will sich Holger Stratman nicht festlegen. „Sie sollen etwas besonderes sein“, sagt der Rock-Hard-Gründer. Das kann dann vielleicht auch mal eine musikalisch untermalte Diashow sein. Eine spannende Geschichte – erst recht nach dieser gelungenen Premiere.

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