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In Menschenjahren ist er bereits 65. Nicht wirklich ein hohes Alter, aber bei Katzen läuft eben nicht alles so wie bei Menschen. Noch vor wenigen Tagen tobte er durch die Wohnung und niemand glaube mir, wenn ich sein Alter nannte. 13 Jahre. 13 Jahre, die er stets an meiner Seite verbracht. Ein Lebensgefährte.

Vor dem Wochenende wurde er ein wenig ruhiger und verbrachte den größten Teil des Tages mit Schlafen. Kurz darauf hörte er auf zu fressen.

In der Vergangenheit ist so etwas gelegentlich mal vorgekommen. Kann am Wetter liegen, oder im passt das Fressen nicht. Trotzdem macht man sich Gedanken, er ist schließlich nicht mehr der Jüngste. Gedanken, die sich zunächst um einen Tierarzt am Montagmorgen drehen, irgendwann aber auch in Richtung Abschied gehen. Als rational denkender Mensch verdränge ich so etwas nicht. Ich darf den Abschied nicht verdrängen, sondern muss mich darauf vorbereiten. Er ist 13, es kann nicht ewig so weitergehen.

Ich war vorbereitet, als ich heute Morgen zum Tierarzt ging. Dachte ich. Dann sagte der Tierarzt: “Vermutlich Darmtumor, sieht nicht gut aus.” Es dauerte nur wenige Sekunden, bis das vermeintlich so gut gebaute gedankliche Konstrukt der Vorbereitung wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel und aus dem Trümmerhaufen die Realität mit der Wucht eines Kinnhakens traf.

Die abschließende Diagnose steht noch aus. Der Arzt hat ihn da behalten, für weitere Untersuchungen. Ohne große Hoffnungen zu machen.

Ich bereite mich erneut vor. Und versuche die andere Katze zu trösten, die durch die Wohnung rennt und ihren Bruder sucht.

Geschrieben am 16. Juni 2008 auf derwesten.de. Es war kein Darmtumor, es war das Herz. Etwas mehr als zweieinhalb Monate hat er noch durchgehalten.
Bruce starb heute vor zwei Jahren.

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Altpapier

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Der Umzug, besser: Einzug der Gefährtin ist geschafft, der Urlaub ist vorbei, Wacken ist überstanden, ebenso der Kurztrip nach Holland, der in erster Linie die Erkenntnis brachte, gegen Wespenstiche allergisch zu sein. Mittlerweile ist auch der letzte Umzugskarton ausgepackt. Na gut, drei oder vier liegen noch im Keller. Vielleicht fünf. Die Steuererklärung ist gemacht und abgegeben.

Dann wäre da noch der Rechner, der jetzt endlich aufgerüstet ist, mit 64 Bit, Raid und massig RAM rennt. Ganz anders der Rechner in der Redaktion, der unter dem Ressourcenhunger des neuen Redaktionssystems leidet. Schlecht ist dieses System zwar nicht, aber für das Beherrschen musste eine Menge Zeit investiert werden. Mittlerweile können wir immerhin eine Zeitung produzieren, ohne uns dabei die Arme zu brechen. Das nervöse Augenzucken lässt jedenfalls langsam nach.

Dies alles, in fast dieser Reihenfolge, passierte in jenen vergangenen Wochen, in denen auf dieser Seite nichts geschah. So langsam, ganz langsam, kehrt so etwas wie Alltag ein. Jene normalen Tage, die nur wenig Überraschendes oder Herausforderndes mit sich bringen und den Gedanken erlauben, sich Profanem zu widmen. Dem Schreiben von Texten zum Beispiel, fernab des Beruflichen. Oder dem Lesen von Artikeln, für die bisher keine Zeit blieb. Vielleicht gar eine Kombination von beidem.

Doch womit soll begonnen werden? Themen gibt es zuhauf, viele davon im Google Reader für die spätere Sichtung und Aufarbeitung zur Seite gelegt. Der Reader bietet eine Markier-Funktion, mit der hübsch übersichtlich alle Artikel, egal welchen Publikationsdatums, dargestellt werden können. Sozusagen das Pendant zum Papierstapel, der früher durch das Beiseitelegen von Zeitungsseiten mit interessanten Artikeln entstand. Beiseite legen, um sie später zu lesen.

Natürlich war das die Theorie. Die Praxis sah so aus, dass in unregelmäßigen Abständen dicke Papierstapel mit vorsichtig herausgetrennten Zeitungsseiten ungelesen in den Altpapiercontainer wanderten. Wer hätte das auch  alles lesen sollen?

Heute liegen weniger Altpapierstapel herum, dafür aber deutlich mehr Informationen hinter dem Reader-Link “Markierte Artikel”. Die Funktion hat verheerende Auswirkungen. Manchmal traue ich mich ob der zu erwartenden Artikelflut nicht, die Liste mit den markierten Artikeln aufzurufen. Und wenn ich es doch wage, kann von einer Übersicht keine Rede sein.

Der konsequente Schritt kann also nur sein: Alle Markierungen wieder entfernen. Es ist die neue Form der Altpapierentsorgung.

Die Liste ist wieder leer. Ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit, ja der Leichtigkeit breitet sich aus.

Fangen wir von vorne an.

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Wieder da … und wieder weg

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Nun ist es ja nicht so, dass es hier hoch herginge. Aber in den vergangenen Wochen ist es doch arg ruhig geworden. Das liegt, chronologisch geordnet, an beruflicher Auslastung, Umzug, Urlaub. Nun ist alles überstanden, ich bin wieder da … und wieder weg. Auf geht’s in hohen Norden, zum Holy Ground. Nach Wacken. In einer halben Stunden will Kollege vok uns einsammeln. Klamotten, Kameras und Laptops sind eingepackt, vom Metal-Tag des Jahres trennen uns noch etwa 450 Kilometer. Heute Abend spielen Iron Maiden, Alice Cooper und Mötley Crüe. Eine gewisse Aufregung, ja, kann ich nicht leugnen.

Ein kleiner Vorbericht über das Festival steht seit gestern auf der Westen-Seite. Dort wird’s, sofern ich tatsächlich eine WLAN-Verbindung kriege, mehr über das Festival geben. Der Veranstalter hat ja angekündigt, dass es auf auf dem gesamten Gelände Hotspots geben soll. Wir haben auch eine kleine Videokamera dabei. Mit etwas Glück (Können und Talent sind in dieser Sache nicht der Rede wert), gibt es im Anschluss auch ein bisschen Bewegtbild. Hier auf hartgerockt.de werde ich hingegen wohl nichts über das Wacken Open Air bringen, vielleicht ein Fazit in ein paar Tagen. Abhängig vom Wasserstandspegel könnten hier und da ein paar Meldungen auf Twitter und Facebook abfallen.

Übrigens, eine kleine Impression aus den vergangenen Wochen soll sich hier doch wiederfinden. Zu sehen ist das letzte bisschen Wohnlichkeit in einer sonst fast leergeräumten resp. mit Umzugskartons vollgestellten Wohnung.

Kurz vor dem Umzug

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Schnelles Zapfen beim Devil-Side 2010

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Die Premiere im Landschaftspark Duisburg war ein großer Erfolg. Die Rock-Palast-GmbH, die hinter den Konzerten in der Matrix Bochum und an etlichen anderen Orten steckt, hatte in kürzester Zeit ein neues Festival aus dem Boden gestampft. Beeindruckend war in erster Linie das Line-Up: Motörhead spielten auf, die Bloodhound Gang und etliche andere. Es war ein gelungener Einstand und ein schöner Festival-Tag – abgesehen von den ein oder anderen organisatorischen Schwierigkeiten.

Die hatten es aber in sich. Langes, sehr langes Anstehen für ein Wasser oder ein Bier, ein völlig überfordertes Thekenpersonal … und dann gingen auch noch die Getränke und die Becher aus. Nicht nur aufgrund der hohen Temperaturen eine unschöne Sache.

Jetzt, zur zweiten Auflage des Devil Side am Sonntag, 4. Juli, an der Uni Essen, soll alles anders werden. “Beim ersten Mal wurden und Getränkelieferant und Personal vom Geländebetreiber vorgeschrieben”, sagt Martin Zowislok von den Organisatoren. Vielleicht hatten diese nicht genug Erfahrungen mit Festivals.  “Doch jetzt haben wir wieder unseren Stamm-Lieferanten an Bord, mit dem wir schon auf auf zahllosen andere Konzerten zusammengearbeitet haben.” Und das soll heißen: “Auf dem Devil Side 2010 werden die schnellsten Zapfer Deutschlands hinter der Theke stehen.”

Klingt gut. Und noch besser klingt das Line-Up. Auf zwei Bühnen spielen auf dem Campus-Gelände in Essen 20 Bands, Headliner sind Airbourne und Sick of it all. Der genaue Spielplan:

DEVIL STAGE:

AIRBOURNE 22.00 – 23.00
AMON AMARTH 20.25 – 21.15
DANKO JONES 18.55 – 19.40
ZEBRAHEAD 17.25 – 18.10
SNAPCASE 15.55 – 16.40
MAD SIN 14.45 – 15.20
MR. IRISH BASTARD 13.40 – 14.10
DEVIL DRIVER 12.40 – 13.10
NEAERA 11.40 – 12.10
THROWDOWN 10.45 – 11.10
V8 WANKERS 10.00 – 10.20

HELL STAGE:

SICK OF IT ALL 21.15 – 22.00
NEW MODEL ARMY 19.40 – 20.25
OVERKILL 18.10 – 18.55
FEAR FACTORY 16.40 – 17.25
AGNOSTIC FRONT 15.20 – 15.55
EMIL BULLS 14.10 – 14.45
SMOKE BLOW 13.10 – 13.40
SONIC SYNDICATE 12.10 – 12.40
THE HAUNTED 11.10 – 11.40
BLACK SPIDERS 10.20 – 10.45

Karten gibt’s für 39 Euro im Vorverkauf an allen bekannten Stellen. An der Tageskasse wird der Eintritt 49 Euro kosten.

Mehr zum Thema gibt’s auf dem Westen.

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Vuvuzelas sind zu laut fürs Wacken

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Wacken Open Air 2010 FlyerAuf dem Wacken Open Air ist es laut. Sehr laut. Aus gutem Grund heißen die Schlagwörter des Festivals “Faster, Harder, Louder”. Vor einigen Jahren sprach ich während Reportagerecherchen mit einer Wackener Feuerwehrfrau, die erst vor kurzem in das Dorf im hohen Norden gezogen war. Ja, sie habe von der Existenz des Metal-Festivals gewusst. Ja, sie wusste, dass es laut werden kann. “Aber ich hatte keine Ahnung, wie laut es tatsächlich werden kann”, sagte sie.

Wenn der Wind in die entsprechende Richtung bläst, komme mit dem Festival auch die Schlaflosigkeit. Und wenn er in die andere Richtung weht, dann haben die Bewohner des fünf Kilometer entfernten Nachbardorfes auch etwas vom größten Metal-Treffen der Welt.

Die Feuerwehrfrau hatte die Lautstärke lediglich als Feststellung angeführt, nicht als Beschwerde. Es ist schließlich Festival-Zeit, das gehöre nunmal dazu.

Doch es gibt Grenzen, auch für die Veranstalter. Und diese Grenzen sind in diesem Jahr erreicht: “Vuvuzelas sind auf dem W:O:A 2010 verboten”, meldeten die Macher des Wacken Open Air.

Messungen hätten ergeben, dass die durchschnittliche Lautstärke dieses “Instrumentes”, das uns mit dem nervigen Getröte die Fußball-WM versaut, bei 135 Dezibel liegt. Ein startender Düsenjet ist da leiser. Und die Musik beim Wacken (vermutlich) auch. Die Konsequenz:

Um zu vermeiden, dass die Livedarbietungen der einzelnen Bands in einem Chor nervigem Getrötes untergehen, wird die Security euch am Eingang zum Festivalgelände auf diese Gegenstände kontrollieren. Falls sich jemand nicht daran hält, muss damit gerechnet werden, dass dieses „Instrument“ weggenommen und einbehalten wird.

Das Verbot gilt auf dem gesamten Festival-Areal, also sowohl vor dem Bühnen-Bereich als auch auf dem Camping-Gelände.

Ursprünglich wollte ich schon vor einiger Zeit hier einen Beitrag zum Vuvuzela-Problem schreiben. Das nervige, monotone und permanente Summen während der Fußball-Spiele fand ich schon beim Confed-Cup unerträglich. Lange zögerte ich, handelt es sich doch dabei um eine Kultur im Gastgeberland der WM. Es käme ja auch niemand auf die Idee, Fan-Gesänge zu verbieten. Oder den Schweizern ihre Kuh-Glocken wegzunehmen.

Aber unterm Strich bleibt: Auch eine Kultur oder eine Tradition kann Blödsinn sein. Vor allem, wenn sie so eingesetzt wird, wie in dieser Analyse des Vuvuzela-Einsatzes zu sehen:

Vuvuzela-Analyse via Graph Jam Builder

via Graph Jam Builder

Nun, die Grafik (via GraphJam) ist natürlich ein Scherz. Aber sie zeigt, wie nervtötend diese Tröten sind und welche Auswirkungen sie auf die Zuschauer haben. Es ist daher nachvollziehbar, dass in manchen Bundesliga-Vereinen, wie zum Beispiel beim BVB, über ein Vuvuzela-Verbot nachgedacht wird. Ebenso ist es nachvollziehbar und gut, dass das Wacken Open Air auf die Krach-Bremse tritt.

Schließlich fahre ich zum Wacken, um Krach zu hören. Und der soll nicht von anderem Krach übertönt werden.

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Sonisphere Schweiz verpasst. Zum Glück.

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Dieser Beitrag könnte aus einer Serie mit dem Namen “Wo ich in diesem Jahr nicht war, obwohl ich wollte” stammen. Gäbe es diese Serie, so hätte sie eine Menge Folgen. Das Sonisphere in der Schweiz wäre der jüngste Teil davon.

Das Sonisphere. Ein reisendes Festival, das im vergangenen Jahr einen ordentlichen Aufschlag am Hockenheimring hinlegte. Dort war ich übrigens auch nicht. Terminschwierigkeiten. Aber kurz darauf kündigten die Veranstalter die nächste Runde an, und die hatte es in sich: Ein Gipfeltreffen des Thrash, mit den Big Four vereint an einem Abend unter freiem Himmel. Metallica, Megadeth, Slayer, Anthrax. Und ganz nebenbei noch eine Menge andere Bands: Airbourne, Motörhead, Volbeat, nur um einige zu nennen.

Ein reizvolles Line-Up, um es mal vornehm-zurückhaltend zu beschreiben. So reizvoll, dass ich unbedingt dabei sein wollte, auch wenn das Festival 2010 nicht nach Deutschland kommt. Aber in die Schweiz. Immerhin. Das hieße zwar eine Anfahrt von mehr als 700 Kilometer – die ich aber gerne in Kauf genommen hätte. Ein Gipfeltreffen gibt’s schließlich nicht jedes Wochenende. Tickets hätte ich auch bekommen können, sogar recht kurzfristig. Ein Freund hatte zwei Karten über und bot sie mir an. Ich sagte ab. Terminschwierigkeiten.

Am Tag des Festivals, 18. Juni 2010, saß ich also bei der Arbeit und badete in Selbstmitleid. Alltägliche Routine statt großer Rock’n'Roll-Momente in der schönen Schweiz vor wunderbarer Alpen-Kulisse.

Doch im Nachhinein stellten sich die Terminschwierigkeiten als Glücksfall heraus. Die großen Rock’n'Roll-Momente haben sich offenbar in Grenzen gehalten. Weil es in der Schweiz nämlich überhaupt nicht schön war. Im Gegenteil, sogar ziemlich mies. Das lag nicht am Festivals selbst oder an der Musik, sondern am Wetter: Das Sonisphere, las ich, war ins Wasser gefallen:

Machtlos mussten die Organisatoren des Jonschwiler Sonisphere zusehen, wie der Grossanlass im Schlamm versank – und sehen sich deswegen massiver Kritik ausgesetzt. In Jonschwil bleibt der Aufräumequipe ein Chaos zurück.

Das ist noch nicht alles:

Nicht einmal genügend Bier sei vorhanden gewesen. Und das gehörte noch zu den kleinsten Problemen am Metal-Festival Sonisphere.

Der Bericht steht in der Zeitung Tagblatt. Andere Medien berichten ähnlich. So auch die Schweizer Tagesschau, die den TV-Bericht auf ihre Seite gestellt hat. Man versteht zwar kaum etwas, aber die Bilder sprechen für sich. Allgemein ist von einem Ausnahmzustand die Rede, ausgelöst von nicht enden wollendem Starkregen. Eine Situation, mit der die Veranstalter – laut den Berichten – offenbar nicht umgehen konnten. Für die rund 45.000 Besucher war es ein durchwachsenes, durchweichtes Gipfeltreffen.

Nun kann bei einem Open-Air nie schlechtes Wetter ausgeschlossen werden, aber diese Zustände waren laut den Berichten außergewöhnlich extrem – mit den entsprechenden Konsequenzen.

Manchmal ist es gar nicht so schlimm, keine Zeit zu haben.

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Ist das Kunst oder kann das weg?

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Ist das Kunst oder kann das weg?

Frage ich mich auch recht oft.

In der Lokalredaktion eine Etage weiter unten hängt ein ziemlich großes Poster. Der Inhalt ist nur ein Satz, resp. eine Frage: “Ist das Kunst oder kann das weg?” steht da in weißen Lettern auf grünem Hintergrund.

Sehr schön. Und sehr beruhigend, dass offenbar auch andere Menschen derartige Gedankengänge haben. Das Kunstwerk kann man mittlerweile in vielen Formen erwerben. Ob als Poster bei Gobaeng, als Frühstücksbrettchen bei Dinamo oder als Sticker bei Amazon.

Warum mir dieses Poster so gefallen hat, bedarf keiner ausführlichen Erklärung: Weil ich ein Kunstbanause bin. Manchmal.

Dabei bin ich dem Schönen, dem Kreativen, dem Ausdrucksstarken keineswegs abgeneigt. Man hat mich sogar schon in Museen gesehen. Sogar in einigen für Moderne Kunst. Dennoch bleibe ich manchmal fassungslos vor … Objekten stehen und frage mich: Was ist das? Was soll das? Und: Warum? Und letztlich, natürlich: Ist das Kunst?

Genau, was ist Kunst eigentlich? Mein Brockhaus, Handbuch des Wissens, von 1922 schreibt:

Kunst (von Können), im allgemeinen die durch Übung zu entwickelnde und befördernde Fertigkeit, der eine besondere Befähigung zugrunde liegt. Im engern Sinne die schönen Künste, die nach ihren Ausdrucksformen in bildende (…), tönende (…) oder redende (…) und darstellende (…) geschieden werden können.

Ah, Kunst kommt tatsächlich von Können. Es muss also etwas dahinterstecken. Sozusagen ein Talent. Andererseits wird Talent überbewertet, wie in Wikipedia nachzulesen:

Im engeren Sinne werden damit Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses.

Da eine klare Definition nicht existiert, kann Kunst alles sein. Und Kunst darf alles. Man muss nur sagen, dass es Kunst ist.  So wie hier:

Kunstwerk Baustahl, lackiert, auf der Landesgartenschau 2010, Hemer

Diese Stahlstange mit abstehenden Spross steht auf der Landesgartenschau 2010 in Hemer. Der erste Gedanke war, ich geb’s ganz ehrlich zu: “Die Bauarbeiter haben vergessen, was wegzuräumen.” Weit gefehlt.  In gebührendem Abstand zur Installation steht ein Schild mit erklärenden Worten.

Kunst-Erklärungsschild auf der Landesgartenschau Hemer 2010Es handelt sich um ein Werk der Künstlerin Janina Tripp mit dem Titel “Attention please!” Eine Google-Schnellrecherche führt zu derwesten.de und bietet dort ergänzende Informationen:

Ihre Mitschülerin Janina Tripp (Anmerkung: der Kunst-AG des Woest-Gymnasiums Hemer) entwarf drei Metallkonstruktionen – zum Beispiel in Y-Form -, die die Form eines Baumes widerspiegeln. In einer heimischen Schlosserei fand Janina Unterstützung, um ihr Projekt realisieren zu können. Beide Schülerarbeiten sowie der Beitrag ihres Kunstlehrers Jan Wille (Figurationen, die an menschliche Körper erinnern, auf einer 1 Meter mal 2 Meter großen Cor-ten-Stahlplatte) werden in der LGS entlang des Zick-Zack-Weges zu sehen sein.

Nun habe ich ein Problem. Die Metallkonstruktion ist keineswegs das Werk einer erwachsenen Künstlerin, sondern das einer Schülerin. Das moralische Aspekt schlägt unvermittelt und mit Wucht zu. Darf ich das in den Kontext “Ist das Kunst oder kann das weg” setzen? Mich somit darüber lustig machen?

Nein, darf ich nicht. Es gibt immer noch einen Unterschied zwischen der Arbeit eines Schülers und der eines Künstlers, der zu Empfängen in Ateliers einlädt und Preisschilder an seine Werke hängt, die auch an Kleinwagen stehen könnten. Die Kreativität von jungen Menschen muss gefördert werden, zumal in diesem Fall augenscheinlich eine gewisse Energie in die Umsetzung investiert worden ist. Die Schülerin musste sich eine Werkstatt suchen, in der ihr Werkzeug und vielleicht auch Material zur Verfügung gestellt wurde. Vielleicht hat sie dort erst den Umgang mit den Werkzeugen erlernen müssen, vielleicht waren es die ersten Experimente mit diesem Material. Unterm Strich zählt also die Annäherung an die Kunst und an das Kreative mehr als das Ergebnis.

Mir liegt es fern, die Arbeit eines jungen Menschen zu diskreditieren. Was aber arg verstörend ist: Hätte man mir erzählt, diese Installation sei von einem großen, etablierten Künstler, ich hätte es sofort geglaubt. Man hat in diesem Zusammenhang ja schon einiges gesehen. Die Seite hinter diesem Link hat übrigens keinen Darstellungsfehler. Es ist tatsächlich die Abbildung eines Kunstwerkes und kann hier überprüft werden.

Letztlich ist genau das der Unterschied. Die Arbeit eines Heranwachsenden kann ich ernst nehmen, aber nicht jede Arbeit eines erwachsenen, von sich selbst überzeugten Künstlers.

In diesen Fällen bin ich gerne und aus Überzeugung Kunstbanause. Und deshalb werde ich mir das Poster bestellen.

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Slayer in Bochum. Es soll nicht sein.

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Slayer am 8.6.2010 nicht in Bochum

Ich hätte es mir fast denken können. Die Auftritte am Ring und danach in Hamburg haben an den Kräften von Tom Araya gezehrt. So sehr, dass er jetzt keine Stimme mehr hat – erzählte jedenfalls die Security-Frau, die an den Pfeilern die Absage-Schilder für das Slayer-Konzert im Ruhrcongress Bochum aufklebte. Offenbar hat die Band bis zum Schluss versucht, den Auftritt hinzubekommen – die Absage kam erst am späten Nachmittag. Und traf etliche Konzert-Besucher, die zum Konzerttermin gekommen waren, ziemlich unerwartet.

Damit ist auch der 3. Versuch von Slayer, in Bochum aufzutreten, gescheitert. Ob es einen vierten (im Rahmen der World-Painted-Blood-Tour) geben wird, ist derzeit nicht ganz klar. Auf den Schildern stand davon nichts. Nur, dass die gekauften Tickets wieder zurückgegeben werden können.

Unabhängig davon ist es derzeit ziemlich seltsam, dass die beiden anderen für diesen Abend vorgesehenen Bands nicht gespielt haben: Lamb of God und The Haunted. Beide Bands haben genug Qualitäten, um den Abend allein bestreiten zu können. Das wäre zumindest ein kleiner Trost gewesen, auch wenn der Großteil der Zuschauer  für Slayer zum Ruhrcongress gekommen ist.

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Slayer in Bochum, 3. Versuch

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Es ist der mittlerweile dritte Anlauf von Slayer, in Bochum zu spielen. Ursprünglich war das Konzert in Bochum im Dezember 2009 geplant. Eine Rückenverletzung von Tom Araya verhinderte den Auftritt. Er sollte am 13. März 2010 nachgeholt werden. Auch das klappte nicht, wieder wurde verschoben.

Vielleicht klappt’s jetzt – immerhin haben Slayer auf dem Rock am Ring gespielt. In der Nähe sind sie also schon mal. Demnächst stehen auch die Auftritte bei den Sonisphere-Festivals an – zusammen mit Metallica, Megadeth und Anthrax. Unter anderem am 18. Juni in der Schweiz.

Der dritte Anlauf für die World-Painted-Blood-Tour ist am Dienstag, 8. Juni 2010, im Ruhrcongress Bochum.

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Eddies Bar, demnächst revisited

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Eddies Bar, Santa Barbara de Neixe, Portugal, September 2008

Eddies Bar, Santa Barbara de Neixe, Portugal, September 2008

Aus aktuellem Anlass, resp. mittelfristig avisiertem Besuch:

Vielleicht etwas mehr als 100 Quadratmeter ist die Kneipe groß und randvoll mit allen erdenklichen Maiden-Memorabilias. Der Eddie-Sarkophag von Seventh son of the seveth son, Eddie als Puppe, Eddie als Wandschmuck, Eddie auf Postern. Eddie überall. Iron Maiden überall. Über der Bar hängen diverse Goldene Schallplatten, signierte Fotos – die gesamte Geschichte der größten Metal-Band der Welt komprimiert in einer Kneipe. In der Mitte eine riesige Tropfkerze, als Andenken an den verstorbenen Manager von Iron Maiden. Ein wunderbarer Ort. Um alle Details zu entdecken, reicht ein Abend bei weitem nicht aus.

Aus dem Gerockt-Blog auf derwesten.de, 3. Oktober 2008.

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