Warum es sich lohnt, „Die Anstalt“, ZDF, zu schauen

  1. Erkenntnisse und Einblicke auch dann, wenn gelegentlich Schwierigkeiten mit der Einordnung handelsüblicher Nachrichten und gesellschaftspolitischer Themen auftreten.
  2. Es folgt, bei aufmerksamem Zuhören: Horizonterweiterung, gratis.
  3. Nur eines von sehr vielen guten Argumenten, warum der Rundfunkbeitrag sinnvoll ist.
  4. Wenn das immer noch nicht reicht: In der verlinkten Sendung kommt auch das Wort „fickbar“ vor.

 

Im Reisebüro

Ins Reisebüro eines Clubs für Automobilbesitzer gegangen.

„Guten Tag, wir hätten gerne eine Reise.“
„Tut mir leid, Reisen geht heute nicht. “
„Ach. Ist das hier nicht das Reisebüro?“
„Schon. Aber die Reiseverkehrsfachfrau ist krank.“
„Und Sie können Reisen nicht?“
„Nein. Ich kann nur Versicherungen.“

Das ist ungefähr so, als wenn der Restaurant-Kellner nur einen Haarschnitt anbietet, weil dem Koch unpässlich ist.

Erste Woche ohne den Google-Reader – Feuerprobe für Feedly

Google-Reader

Den Google-Reader gibt’s nicht mehr.

Vor gut einer Woche, am 1. Juli 2013, hat Google seinen RSS-Reader abgeschaltet. Die Proteste der Nutzer waren zwar zahlreich und laut, doch Google hat sich davon nicht beeinflussen lassen. Einer der beliebtesten Reader ist vom Markt verschwunden. Jammern nutzt wenig. Es müssen Alternativen her. Ich habe mich für Feedly entschieden – und bereue es nicht. Selbst wenn das Programm bei iOS derzeit etwas ins Stolplern gerät.  Weiterlesen

[Der Unfug mit Text-Titeln in eckigen Klammern]

Satzzeichen werden schon seit längerem als vermeintliche Design-Elemente in Texten missbraucht. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Die Gewerkschaftler schreiben sich selbst „ver.di“. Warum sie das „v“ klein schreiben, wissen sie vermutlich nicht einmal selbst. Erst recht nicht, warum da ein Punkt steht. Mit viel Wohlwollen könnte hineininterpretiert werden, dass der Punkt das Wort „vereinigte“ abkürzt. Dass danach ein Leerzeichen kommen und das folgende „d“ ein Großbuchstabe sein müsste – soweit will ich das Thema an dieser Stelle gar nicht vertiefen. Ohnehin geht es um ein anderes Satzzeichen, das in jüngster Zeit an überraschenden Stellen eingesetzt wird: Die eckige Klammer „[“ und „]“. Weiterlesen

Massive Angriffe auf Wordpress-Installationen – Den Blog schützen

Bereits Anfang April 2013 berichteten mehrere Medien von einer massiven Angriffswelle auf Wordpress-Installationen. Offenbar versuchte  – und versucht immer noch – eine Hacker-Gruppe mit einem Botnet die Kontrolle über andere Server zu erlangen. Über das Ziel der Angriffe gibt es mehr Spekulationen als Fakten. Vermutlich sollen die gekarperten Rechner in das angreifende Botnet integriert werden und für weitere Angriffe genutzt werden. Ein Schneeballsystem, also. Letztendlich könnte es das Ziel der Angreifer sein, mit ihrem dann immens gewachsenem Botnet gezielt große Seiten und Server zu attakieren.

Jetzt, gut drei Monate später, rollt die Angriffswelle immer noch. Allein gestern registrierte mein Server Einbruchsversuche im Minutentakt. Aufgrund der Geschwindigkeit und Dichte der Angriffe ist es damit unwahrscheinlich, dass irgendwo jemand vor einem Rechner hockend manuell die Kontrolle zu erlangen versucht.

Bei mir kommt das Plugin Limit Login Attempts zum Einsatz, das eine IP nach einer bestimmten Anzahl erfolgloser Anmeldeversuche sperrt. Da die gesperrten IPs gespeichert werden, kann zum Beispiel über ip-adress.com herausgefunden werden, wo genau der angreifende Rechner lokalisiert ist.

Ergebnis der gestrigen Überprüfung: Sobald eine IP gesperrt wurde, übernahm eine andere den Angriff – aus einem völlig anderen Land. Ein wildes Hüpfen über den ganzen Globus. Ein beängstigendes Anzeichen dafür, dass das Botnet offenbar stetig wächst.

Um das zu verhindern, sollten Seiten-Betreiber mit Wordpress-Installationen ein paar wenige und einfache Sicherheitsvorkehrungen treffen.

1. Das Standart-Login ändern

2. Das Plugin Limit Login Attempts installieren.

Wie das geht, steht hier.

Eine weitere, allerdings doch etwas rabiate Methode, Angreifer abzuhalten: Ganzen Ländern den Zugriff auf die Seite verbieten. Das geht manuell über die .htaccess-Dabei – oder um einiges bequemer mit einem WP-Plugin: iQ Block Country stellt im Backend eine Liste von allen Ländern dieser Erde bereit, die dann gesperrt werden können. Das Plugin nutzt eine monatliche aktualisierte Geo-Liste, sodass die IP-Ranges recht zuverlässig arbeiten. Es gibt nur einen Nachteil: Damit werden nicht nur Angreifer ausgesperrt, sondern auch alle anderen, normalen Besucher. Ob diese Methode Sinn ergibt, muss jeder Seitenbetreiber für sich entscheiden.

Griechischer Staats-TV-Streich: Regierung schließt öffentlichen Rundfunk ERT

ERT - Abgeschaltet am 11. Juni 2013

Griechischer Fernsehsender ERT eingestellt.

Es ist eine der radikalsten Medien-Entscheidungen in der demokratischen Neuzeit: Die griechische Regierung hat am Nachmittag des Dienstags, 11. Januar 2013, verkündet, den griechischen Rundfunk ERT komplett einzustellen. Kein Tod auf Raten, keine Vorbereitungszeit – nein, ein staatlich angeordneter, medialer Vernichtungschlag. Denn nur wenige Stunden später, um Mitternacht, wurde das letzte Signal der griechischen Sender übertragen. Seitdem sind die Bildschirme schwarz – und im Radio ist’s still. Betroffen sind neben den drei Fernseh-Sendern auch sämtliche Radiosender des griechischen Rundfunks.

Griechenland hat somit derzeit keinen öffentlichen Rundfunk mehr. Als demokratisches Land in Europa.

Ein beispielloser Vorgang – der wohl nicht ohne Folgen bleiben wird. Kurz nach der Bekanntgabe der Schließung formierten sich die ersten Proteste. Die Sendeanstalt in Athen wurde von Mitarbeitern besetzt, in der Stadt füllten Demonstranten die Straßen vor dem Sendergebäude. Über die aktuelle Situation in Athen und in anderen Städten berichtet tsantiri.gr in einem Live-Stream. Dort kommen auch ERT-Mitarbeiter zu Wort, die noch in der Nacht von Polizisten aufgefordert wurden, das Sendehaus zu verlassen: „Sie haben mir gesagt, dass ich kein Recht habe, in diesem Gebäude zu sein“, sagte eine ERT-Mitarbeiterin gegenüber Journalisten. „Die ERT gebe es nicht mehr und ich sei bereits gekündigt worden.“

Soweit so unfassbar, soweit demokratisch untragbar, soweit sozial inakzeptabel.

Screenshot ert.gr

Screenshot ert.gr

Doch bei den Protesten geht dabei nicht nur um die 2656 Mitarbeiter, die von heute auf morgen, ohne Vorwarnung, ihren Job verloren haben. Den Menschen in Griechenland geht es auch um das Recht auf Information, das ihnen – vorerst – genommen worden ist.

Vorerst, da laut Angaben der griechischen Regierung der Rundfunk neu aufgebaut werden soll. Kleiner, moderner, effizienter, mit weniger Mitarbeitern. Keine Frage, das ist ein Ziel, das sich in der derzeitigen finanziellen Situation des Landes durchaus erstrebenswert ist. Fraglich, eher: unvertretbar, sind aber die Methoden. In einer Art Staatsansprache, die wir in dieser Form und in ihrem Duktus eher von Schurkenstaaten gewohnt sind, hat am Nachmittag des 11. Juni 2013 der Regierungsprecher Simos Kedikoglou das plötzliche Aus für den griechischen öffentlichen Rundfunk verkündet. Ich übersetze diese Ansprache, die derzeit auch unter ert.gr zu finden ist, hier sinngemäß (Angaben in Klammern sind Anmerkungen/Ergänzungen von mir):

In einer Zeit, in der das griechische Volk harte Einschnitte erleben muss, gibt es keinen Spielraum für Verzögerungen oder für Stillstand. So gibt es auch keinen Spielraum für „Heilige Kühle“, die unberührt bleiben sollen, wenn es in allen Bereichen Einschnitte gibt.

Wenn wir Defizite bekämpfen und aus der Krise herauskommen wollen, dürfen wir kein Desinteresse und keine unglaublichen Verschwendung dulden.

Die Ellinikí Radiofonía Tileórasi (griechisches Radio / Fernsehen -> ERT) ist in diesem Fall ein charakteristisches Beispiel für Desinteresse und unglaubliche Verschwendung.

Und das endet heute.

Die ERT wird bezahlt vom griechischen Volk über eine Abgabe, die mit der Stromabrechnung erfolgt: etwa 300 Millionen Euro im Jahr. Sie (die ERT) hat siebenfache Kosten im Vergleich zu anderen Fernsehsendern und eine vierfache bis sechsfache Mitarbeiterzahl für eine sehr kleine Zuschauerzahl. Es ist die Hälfte (der Zuschauerzahl), für alle drei öffentliche Sender zusammen, im Vergleich zu einem privaten Fernsehsender.

Sie hat ein immenses Vermögen, das aber wertlos wird, wenn es nicht für den Wettbewerb eingesetzt wird.

Sie hat Defizite in der Verwaltung. Wir sprechen über sechs Buchhaltungen, die nicht miteinander kommunizieren.

Die Mitarbeiter haben zahlreiche Privilegien, sie häufen eine gewaltige Zahl an Überstunden an (Soweit ich das verstehe, bezieht sich das auf das Recht, dass Überstunden ausgezahlt werden).

Außerdem muss erwähnt werden, dass sie horrende Mittel für ausgelagerte Produktionen ausgibt, die mit viel weniger (Mitteln) produziert werden könnten, würde sie die eigene Infrastruktur nutzen. Die (die Infrastruktur) von dem griechischen Steurezahle teuer bezahlt wurde.

Ganz zu schweigen von den gewaltigen Kosten ausgelagerter Sendungen, die auf Privilegien  antiquierter gewerkschaftlicher Regelungen zurückzuführen sind. So werden Dutzende Techniker für eine Arbeit eingesetzt, die aber auch von zwei bis drei Personen hätte durchgeführt werden können.

Außerdem muss erwähnt werden, dass sie (die ERT) über ein (Print-)Magazin verfügt, das keine Leser hat. Sie hat Dutzende lokale Stationen, die hauptsächlich, in den meisten Stunden des Tages, das Hauptprogramm des ERT-Senders übertragen.

Die heutige ERT hat sich zu einem Skandal entwickelt, den sich tagtägliche alle ansehen können, aber niemand hatte sich bislang getraut, das Problem anzupacken.

Das alles endet heute. Und es endet mit Bestimmtheit (auch: zeitnah).

Die Regierung hat sich dazu entschlossen, die ERT zu schließen.

Aufgrund der derzeitigen rechtlichen Situation und aufgrund der Entscheidung der Regierung endet die Übertragung der ERT nach dem Programm heute Abend. An Stelle der ERT wird ein zeitgemäßer, öffentlicher – aber nicht staatlicher oder von Parteien kontrollierter – Sender entstehen, nach dem Vorbild der erfolgreichsten und modernsten Sender in Europa.

Die Belegschaft der ERT wird eine ordnungsgemäße Abfindung erhalten. Und die jetzigen Mitarbeiter werden sich bei dem neuen Sender-Unternehmen bewerben können.

Es gibt viele gute, fähige und qualifizierte Angestellte (bei der ERT), ihre Erfahrung und ihre Fähigkeiten werden für das neue Sender-Unternehmen benötigt. Es wird ein faires und transparentes Bewerber-Verfahren nach den gültigen Standards geben.

Die neue Sender-Organisation wird mit viel weniger Personal betrieben werden, mit einer klaren Struktur, wie sie für zeitgemäße Sender im öffentlichen Rundfunk überall auf der Welt gültig ist. Die Archive der ERT – die wahrhaftig einen echten nationalen Schatz enthalten – werden in die neue Sender-Organisation einfließen (mögliche andere Übersetzung: Die Archive werden gesichert).

Es werden auch die Satelliten-Dienste und die modernen Technologien gesichert. Somit soll es – endlich – einen dynamischen Fortschritt in Griechenland geben, verbunden mit einer wichtigen (medialen) Verbindung zu griechischen Aussiedlern auf der ganzen Welt.

Der neue TV- und Radio-Sender wird seine Tätigkeit so schnell wie möglich aufnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Bürger die Gebühren für den öffentlichen Rundfunk nicht bezahlen müssen.

Sobald der neue Sender den Betrieb aufnimmt, werden die Gebühren um ein vielfaches niedriger sein. Der Gesamt-Betrag wird sich vermutlich auf etwa 100 Millionen Euro jährlich reduzieren.

Während viele Arbeitsstellen bei der neuen Sende-Anstalt wegfallen werden, werden (aber zeitgleich) Mitarbeiter in Krankenhäusern, in (staatlicher Betrieb) und anderen öffentlichen Einrichtungen gesucht.

Große Veränderungen können nicht ohne Einschnitte umgesetzt werden. Mutige und risikoreiche Entscheidungen!

Bis jetzt haben viele gesagt, dass es keinen politischen Mut für solche Versuche gegeben hat. Die heutige Regierung beweist, dass sie den politischen Mut dazu hat.

Das wird letztlich von dem griechischen Volk gefordert und erwartet.

Diese Ansprache möchte ich an dieser Stelle nicht weiter kommentieren. Doch habe ich an diesem Abend mit vielen Menschen in Griechenland über Facebook, Twitter oder über das Telefon gesprochen. Keiner von ihnen hat das gefordert. Und keiner hat das erwartet.

 

 

Das erigierte Binnen-P: Aus „WordPress“ wieder „Wordpress“ machen

Eine interne Funktion in Wordpress ändern systematisch und ungefragt die Schreibweise des Wortes „Wordpress“ zu „WordPress“. Sie setzt ein erigiertes Binnen-P. Eine sprachliche Unverschämtheit – die sich zum Glück beheben lässt.

Als ich zum ersten Mal das Wort „Wordpress“ in einem Beitrag verwendete und mir anschließend den Text auf der Seite anschaute, wunderte ich mich über mich selbst. Warum hatte ich „WordPress“ geschrieben? Kapitälchen haben innheralb von Wörtern nichts zu suchen. Seit vielen Jahren rede ich mir den Mund fusselig, dass wir nicht „LeserInnen“ schreiben, ebensowenig „AWo“ und auch nicht „ZWar“. Wir schreiben „Leserinnen und Leser“, Awo und Zwar. In die Höhe schießende Buchstaben inmitten von Wörtern sind ein Unding, die vornehmlich von PR-Strategen als sprachliche Tretminen gelegt werden.

Und nun „WordPress“ in meinem Beitrag.

Nein, ich hatte nicht die unüberlegt die Marketing-Strategie der WP-Macher übernommen. Ich hatte das Wort richtig geschrieben, also „Wordpress“. Im Backend war es korrekt, nur auf der Seite selbst glotzte mich das „P“ höhnisch an. Die naheliegende Vermutung, dass im Quellcode Unfug getrieben wird, bestätigte eine kurze Suche. In der Datei formatting.php ist folgende Funktion zu finden:

formatting-php

Immerhin geben die Programmierer in der Kommentar-Zeile zu, dass sie damit ihre eigenen Coding-Standards verletzen. Aber das tun sie bereits schamlos seit der Wordpress-Version 3.0.

Eine einfache Google-Recherche brachte jede Menge Treffer zum Thema. Und die Erkenntnis, dass ich nicht der einzige bin, der sich an „capital_P_dangit“ stört. „Should you CMS be allowed to do that“ fragte ein Autor bereits vor drei Jahren. Sollte ein CMS so etwas machen dürfen? Nein, sollte es natürlich nicht. Selbst wenn die WP-Macher der Auffassung sind, die richtige Schreibweise sei „WordPress“,  sollen sie bitteschön die Finger von meinem Inhalt lassen und mich nicht zur Übernahme ihrer Meinung zwingen. Diese Art der Missionierung geht zu weit.

Lowercase p, damn it!

Erfreulicherweise gibt’s Abhilfe: Das kleine Plugin „Remove Wordpress to WordPress filter“ hebt die Funktion auf. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Plugin mehr als 2000 Mal heruntergeladen worden. Deutliches Zeichen dafür, dass das Verändern von Inhalten, und sei es nur die Großschreibung eines Buchstabens, nicht erwünscht ist.

Eine andere Möglichkeit, das P wieder kleinzukriegen, gibt es in der Datei functions.php. Dort müssen folgende Zeilen eingefügt werden:

remove_filter( 'the_title', 'capital_P_dangit', 11 );
remove_filter( 'the_content', 'capital_P_dangit', 11 );
remove_filter( 'comment_text', 'capital_P_dangit', 31 );

(Quelle)

Beide Möglichkeiten führen zum Ziel. Ich bin mir nicht aber nicht sicher, ob die Änderungen in der functions.php bei einem Update eventuell überschrieben werden. Mit dem Plugin dürfte es ein solches Problem nicht geben.